Endlich frei!

Dies ist die Geschichte einer jungen Frau, die vor nicht allzu langer Zeit noch gefangen war. Gefangen in sich selbst …

Der Himmel war verhangen. Alles grau in grau. Doch es fiel kein kalter Regen herab, stattdessen flossen salzige Tränen über ihre Wangen… Sie saß am Fenster und blickte in weite Ferne, in eine Welt die es für sie nicht zu geben schien. Ihre Gedanken kreisten in der Vergangenheit. „Wenn ich alles richtig gemacht habe, warum bin ich dann jetzt unglücklich?“ Die Wolken zogen sich langsam zurück. Die Gedanken der Frau wurden klarer. Langsam fing sie an zu begreifen was ihr eigentlich das Leben immer so schwer machte.

Immer wenn sie andere ansah, fiel ihr sofort auf, was an anderen Frauen schöner war. Diese hatte einen knackigen Po, die andere wohlgeformte Brüste, jene kleine süße Füße, … Nie hatte sie dieses Betrachtung einmal umgedreht. Sicher gab es etwas das die anderen dafür nicht hatten, wenn auch vielleicht nur Kleinigkeiten.

Unter unbekannten Menschen bekam sie zuteil Panikattacken. Zu oft hatte sie bereits im Mittelpunkt gestanden und wurde verspottet, zu oft war sie die Außenseiterin gewesen.
Selten hatte sie es gewagt sich ihnen entgegenzustellen, fast nie war sie alleine ausgegangen. Nie war sie bisher auf den Gedanken gekommen sich absichtlich in den Mittelpunkt zu stellen.

Immer wieder hing sie alten Momenten nach. Kramte in Erinnerungen, was sie falsch gemacht hatte. Oft machte sie anderen Vorwürfe für Fehler die diese begangen hatte. Dabei waren es nur Kleinigkeiten. Nie hatte sie versucht diese Momente als Chance zu sehen.

Ihre Laune war schlimmer als das Wetter und mindestens genauso unberechenbar. Ein falsches Wort oder eine Aussage an die man sich nicht hielt, und sie war die nächsten Stunden unerträglich mit ihrer schlechten Stimmung. Nie hatte sie die Möglichkeit in Betracht gezogen das sich Ansichten und Meinungen einfach mal ändern.

Alles musste strukturiert und nach Plan laufen. Die geringste Abweichung warf sie aus der Bahn. Es war unmöglich zu sagen man käme am Nachmittag. Sie wollte eine (möglichst genaue) Uhrzeit. Auch Unordnung war ihr ein Graus, am liebsten hatte sie alles in Reih und Glied, sowie sortiert. Nie zuvor hat sie einfach etwas auf sich zukommen lassen.

Noch viele Dingen fielen ihr ein. Viele Probleme, aber auch gleichzeitig die Lösungen.

Es war ein komisches Gefühl, als sie begriff …
In ihrer Vergangenheit war vieles schief gelaufen, die Ereignisse überstürzten sich und sie reagierte mit dem einzigen was sie je gelernt hatte: Flucht!

Der Himmel wurde blau. Ein Sonnenstrahl traf sie mitten ins Gesicht, trocknete ihre Tränen. Sie schloss die Augen und badete im Schein. Während die Wärme bis zu ihrer Seele vordrang formte sich etwas in ihr. Erst war es nur ein Wunsch, dann ein Gedanke und schließlich eine Lösung! Sie öffnete, ein Lächeln auf den Lippen, die Augen: „Wie blind bin ich doch all die Jahre gewesen! Selbstbewusstsein hatte ich schon immer, mir fehlte nur der Mut es herauszulassen. JETZT ist der Zeitpunkt gekommen sich selbst aus dem Weg zu gehen!“

Irgendetwas hatte „knack“ gemacht. Es fühlte sich an als sei eine Art Kokon, der sie jahrzehntelang einengte, zersprungen. Von diesem Moment an fühlte sie sich endlich frei!

Vergangenes war vergangen. Vorwürfe nutzen niemanden etwas. Sie betrachtet die Situation, überlegte ob sie anderes hätte handeln können und wenn wie. In der vergangenen Situation nutzte eine andere Handlungsweise nichts mehr, aber vielleicht in der Zukunft.

Immer wenn sie nun an ihrem Spiegelbild vorbeikam lächelte sie diesem zu. Sie machte sich selbst Komplimente: für ihre schönen Augen, ihre charmantes Lächeln, ihre ungeheure Ausstrahlung… Da sie aber in einem Körper steckte, der nicht ganz ihren Vorstellungen entsprach, begann sie ein wenig nachzuhelfen. Nicht weil sie irgendwelchen Schönheitsidealen entsprechen oder anderen gefallen wollte, sondern weil SIE mit dieser Optik leben musste. Sie alleine wollte sich wohl fühlen. Nach und nach bildeten Körper & Seele eine Einheit. Es fühlte sich unglaublich gut an!

Auch versteckte sie sich nicht mehr. Im Gegenteil. Sie ging in die Offensive. Es machte sogar Spaß die Leute mit Absicht zum Lachen zu bringen und (ab und an) im Mittelpunkt zu stehen! Auf Veranstaltungen ging sie nun oft alleine – blieb aber nie lange alleine. Irgendwann hatte sie allen Mut zusammengenommen und wildfremde angesprochen, schnell hatte man die nächsten Stunden zusammen verbracht und auch weit über die Veranstaltungen hinaus noch Kontakt. Zwar war es manchmal etwas anstrengend alle Kontakte gleichsam zu pflegen, aber sie genoss es.

Wenn ein blöder Spruch kam, so zog sie dieser (fast) nicht mehr runter. Stattdessen konterte sie einfach. Das machte einfach mehr Spaß, als einfach nur wegzuhören – und gab ein kleines Stückchen Befriedigung (das Gefühl zurückgeschlagen zu haben). Ihre Laune schwankte zwar aber in einem üblichen Niveau. Jeder hat mal gute und mal schlechte Tage. Sicher, die hatte auch sie noch, aber die meiste Zeit genoss sie einfach ihr Leben. Schließlich wusste nie jemand, wann es mal vorbei sein würde.

Abgesehen von wichtigen Terminen brauchte sie keine Uhrzeiten mehr. Ganz bewusst lies sie ihre Uhr auch mal zu Hause, verabredete sich einfach „gegen Abend“ und traf sich ganz spontan mit Bekannten. Inzwischen schmiss sie ihre Sachen auch einfach mal in eine Ecke, wo diese, ohne dass es sie sehr störte, einige Tage liegen bleiben konnte. Es gefiel ihr spontaner zu handeln, denn so hatte man oft die Möglichkeit dass zu tun, wozu man grade Lust hat.

Sie änderte noch viele andere Dinge. Nur Kleine, aber ungemein störende. Das Gesamtpaket war es, auf welches es ankam. Sie hatte erkannt, dass schlechte Angewohnheiten vergleichbar damit war, sein Brötchen im Bett zu essen: wie es bequem war dort zu speisen, so konnte es im Nachhinein unglaublich pieksen. Seine Angewohnheiten beizubehalten war zwar bequem, aber auch sie konnten einem den Schlaf rauben.

Wenn sie gewusst hätte wie einfach es ist sich selbst aus dem Weg zu gehen, sie hätte es früher getan!

~ Widmung ~

Diese Geschichte ist dem Wesen gewidmet, welches mich wachrüttelte, mir meine Scheuklappen abnahm und mir somit die Möglichkeit gab, in andere Richtungen zu sehen. – Vielen Dank dafür. Du wirst sehen das es nicht vergebens war!

Eine Antwort zu “Endlich frei!

  1. Manchmal braucht man eben diese schmerzhafte Phase um als Schmetterling bis zum Himmel fliegen zu können! 🙂

    Schön, ich freu mich und gibt mir Hoffnung, denn ich kämpfe mit, oder besser gesagt, gegen ähnliche Fesseln!

    Sei lieb gegrüßt,
    Sunny

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