Ein Tag am See (Roswitha Pick)

Ein Tag am See

(Roswitha Pick)

Ein milder Sommerabend. Blauer Himmel, erträgliche Temperaturen. Genau richtig für ein Picknick am See. Ich habe mir große Mühe gegeben uns appetitliche Häppchen zu zaubern: Serano-Schinkenröllchen, Lachsschnittchen, Käsepralinen und Fruchtspieße. Gegen den Durst kühles Blondes und Fruchtschorle. Wir bahnen uns den Weg durch die Natur auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen.

Ein leichter Windhauch hebt mein Kleid. Verschmitzt versuchst du einen Blick darunter zu erhaschen. Ich lege den Kopf schief und hebe strafend den Zeigefinger. Wir lachen und setzen unseren Weg fort. Langsam, fast ehrfürchtig, nähern wir uns einem abgelegenen Plätzchen an dem wir uns nieder- und die Welt hinter uns lassen. Der See liegt strahlend vor uns, um uns rum nichts als Bäume und Sträucher. So schnell wird hier keiner unsere Zweisamkeit stören.

Du breitest die Decke aus während ich den Picknickkorb öffne und uns die Gläser fülle. Mit einem zufriedenem Seufzen lässt du dich auf die Decke fallen. Ich reiche dir ein Glas. Wir stoßen an, auf den Tag, das Leben, auf uns.

Gegenseitig füttern wir uns mit den Köstlichkeiten, teilen uns einen Fruchtspieß. Die Vögel untermalen alles mit ihrem zauberhaften Gesang. Ich lege meinen Kopf an deine Schulter. Verträumt blicken wir auf das schillernde Wasser. Lange sitzen wir so da, jeder in seinen eigenen Phantasien versunken.

Die Sonne versinkt am Horizont, taucht die Welt in rote Farben. Ich ziehe meine Beine heran, umschlinge sie mit meinen Armen. Es ist frisch geworden. Du streichst mir den Rücken entlang, ziehst mich weiter an dich. Die Wärme deines Körpers durchdringt mein Kleid und hinterlässt ein wohliges Gefühl auf meiner Haut. Ich entspanne mich. Meine Beine sinken hinab, meine Augen suchen die deinen. Du siehst mich an und wir versinken in dem Blick des jeweils anderen. Unsere Körper ziehen sich wie magisch an. Immer näher und näher.

Unsere warmen weichen Lippen berühren einander, deine Zunge bahnt sich ihren Weg. Spielend und fordernd zugleich. Deine Hand streichelt die Innenseite meiner Schenkel entlang. Meine Beine spreizen sich wie von selbst. Ich schmelze unter deinen Berührungen dahin. Mein Körper senkt sich. Ich ziehe dich auf mich, presse deinen Kopf an meine Brust. Leise stöhnend genieße ich deine Liebkosungen. Allein die Hitze deiner Zunge bringt meinen Körper in Wallung. Ich halte es nicht mehr aus. Ich will dich! Nach einer endlos scheinenden Qual deiner Hände, unter denen ich mich aufbäume, dringst du endlich in mich ein. Meine Hände umfassen leidenschaftlich deinen Po, animieren dich zu immer tieferen Stößen. Unser Stöhnen wird immer lauter, unsere Leidenschaft immer ausgiebiger… Ein warmer Schwall ergießt sich in meinen Körper, deine Lippen suchen die meinen und besiegeln das Ende unseres Liebesspiels. Mit einem zufriedenem Seufzer rollst du dich von mir, legst dich neben mich. Wir halten uns im Arm.

Die sternenklare Nacht senkt sich über uns. Nur der Mond in seiner vollen Pracht wirft Licht auf uns. Um uns herum verschmilzt alles zu einem Ganzen. Wir scheinen in einer anderen Welt, fast schwebend. Das knacken eines Zweiges durchbricht die Stille, doch wir hören es längst nicht mehr. Es gibt nur noch uns.

See

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Frostiges Abenteuer

Nick Lake

Im Königreich der Kälte

Verlag: PAN
Erscheinungsjahr: 2009
Seiten: 382
ISBN: 978-3-426-28303-5

~ Klappentext ~
Light ist ein ungewöhnliches Mädchen – und das liegt nicht nur daran, dass ihre Mutter eine Frau aus dem Volk der Inuit war, ihre Haare weiß sind wie Schnee und sie in einem alten Haus aufwächst, in dessen Wänden sich ein Geist verbirgt. Als ihr Vater bei einer Polarexpedition verschwindet, weiß Light, dass nur sie ihn retten kann. Ihre gefährliche Reise führt sie tief in das Königreich der Kälte. Doch Light ist nicht allein: Sie findet wahre Freunde – und wer hat je behauptet, dass es sich dabei um Menschen handeln muss?

~ Eigene Zusammenfassung ~
Light ist zwölf Jahre alt und ein Albinomädchen. Als ihr Vater bei einer Polarexpedition verschwindet, glaubt sie nicht an seinen Tod. Dennoch wir ihr nahegelegt ihn für Tod erklären zu lassen. Kurz vor der leichenlosen Beerdigung wird Light von zwei merkwürdigen Wesen überfallen. Zu ihrer Rettung tauch ein Mischwesen mit Haifischkopf auf und erklärt das ihr Vater noch lebt. Allerdings befindet er sich in der Gefangenschaft eines gewissen Frost, der die Welt vernichten will. Light soll in die Arktis aufbrechen, Frost besiegen und ihren Vater befreien. Zusammen mit ihrem Angestellten Butler und dem Haifischköpfigen Tupilak begibt sie sich auf eine weite und gefährliche Reise. Natürlich setzt Frost alles daran die Gruppe aufzuhalten, doch Light ist nicht alleine…

~Eindrücke / Meinung ~
Ich fand die Geschichte recht spannend, auch wenn es ein wenig merkwürdig erscheint das eine Zwölfjährige mal eben die Menschheit retten soll. Im Laufe des Romans klärt sich dieser Hintergrund Stück für Stück. Zusammen mit Light, die selbst nicht alles über sich weiß, erfährt der Leser atemberaubende Dinge.
Ich teilte Lights Gefühle während ihrer Erlebnisse. Es war fast so als wäre ich ein Teil von ihr. Um ihre, neuen wie alten, Freunde verrät der Autor nur das nötigste. Ich fand dies sehr schade, grade über Butler hätte ich gerne noch mehr erfahren.
Lights Abenteuer beginnt bereits nach einigen Seiten. Auf eine unnötig große Vorgeschichte wurde hier verzichtet. Dies ist zwar von Vorteil, da keine unnötigen Längen entstehen, aber auf der anderen Seite ging es mir der Aufbruch ein wenig zu schnell. Es wirkt alles ein wenig gehetzt. Im Laufe der Geschichte überschlagen sich die Ereignisse, ich hatte gar keine wirkliche Zeit zum Luft holen.
Einige Szenen sind sehr bildlich beschrieben, meist handelt es sich hierbei um Kampfszenen bei denen der Leser Zeuge von Blutlachen, splitternden Knochen und heraushängenden Eingeweiden. Der Tod ist allgegenwärtig. Von Anfang bis Ende geht es um Rache und Mord.
Sehr schön fand ich das immer wieder auf Bräuche und Mythen der Inuits eingegangen wird. – Leider gibt es hier ein kleines Manko: Wie der Autor in seiner Danksagung, am Ende des Buches, erklärt hat er die Mythen ein wenig verändert um die Zusammenhänge überschaubarer zu machen.
Das Buch ist in drei Teile (Zu Hause, Eisbrecher, das Eis) gegliedert und noch einmal in einzelne Kapitel, so das es leicht ist wieder reinzukommen, auch wenn man nicht am nächsten Tag weiterlesen sollte.

Fazit:
Eine spannende Geschichte bei der Rache groß geschrieben wird. Der empfohlenen Altersangabe von 14 Jahren stimme ich hier zu. Für mich ist dieser Roman empfehlenswert.

ImKönigreichDerKälte

Irrer im Hochland Down Under’s

Sandy Curtis

Das Tal der Angst

Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsjahr: 2003
Seiten: 350
ISBN: 3-404-14874-6

~ Klappentext ~
In einem wilden, abgelegenen Tal des australischen Hochlandes lebt die Ärztin Emma auf der Farm ihrer Eltern. Mitten in einem Sturm taucht eines Tages ein verwundeter Mann auf, dessen Hände und Füße Wundmale aufweisen. Da der Kontakt zur Außenwelt abgeschnitten ist, pflegt Emma ihn. Drew kann sich nicht erinnern, wer ihn so verletzt hat, doch es wird bald deutlich, das ihn jemand töten will – und nicht nur ihn.

~ Eigene Zusammenfassung ~

Die Ärztin Emma lebt im australischen Hochland auf der Farm ihrer Familie. Grade ist ihr Vater verstorben und sie steht alleine da. Kurze Zeit später zieht ein schwerer Sturm herauf, der wie aus heiterem Himmel einen Mann zu Emma schickt. Obwohl sie alleine ist pflegt sie ihn, denn er hat Wunden an Händen und Füßen. Es scheint als wäre er gekreuzigt worden. Angeblich kann er sich jedoch an nichts erinnern. Emma sieht ihn zunächst nüchtern, eben aus der Sicht einer Ärztin, doch je mehr Zeit sie verbringen desto unsicherer ist sie sich ihrer Gefühle.

~ Eindrücke / Meinung ~

Emma, die Hauptfigur dieses Romans, wuchs mir sofort ans Herz. Ich hatte Angst um sie, litt mit ihr und freute mich mit ihr. Es war als würde ich hinter ihr stehen, ihr über die Schulter blicken, und ihr zurufen wollen. Ein sehr schönes Gefühl.

Drew wirkt geheimnisvoll. Er taucht mitten in einem Sturm auf und das auch noch verwundet. Weiß er wirklich nicht was ihm widerfahren ist oder verschweigt er es einfach nur? Und wenn ja, warum? Je mehr Emma über ihn erfährt, desto mehr erfährt auch der Leser. Auf diese Art fühlt man sich wieder mit der Ärztin verbunden.

Das Gefühlschaos dem Emma ausgesetzt ist zieht sich von Anfang bis Ende durch den Roman. Hier hat die Autorin den Faden in der Hand behalten und zu einem Knäuel gesponnen: Da die Ärztin ihren kranken Vater gepflegt hatte war sie an die Farm gebunden, doch sie träumt davon sich „Ärzte ohne Grenzen“ anzuschließen und dort zu helfen, wo sie wirklich gebraucht wird. Jetzt, wo ihr Vater nicht mehr da ist, könnte sie diesen Traum verwirklichen – doch dann sind da plötzlich diese Gefühle für Drew. – als Leser spürt man förmlich Emmas Zwiespalt.

Wie es sich für einen guten Thriller gehört hat auch dieser einen durchgeknallten Psychopathen. Er hört die Stimme Gottes und handelt in seinem Auftrag! – Genau das mag ich besonders, wenn sich der wahre Horror im Kopf der Menschen abspielt. So habe ich stets das Gefühl es könnte ein Funken Wahrheit dran sein.
Dieser Roman fesselt von Anfang bis Ende. Ich wollte unbedingt wissen wie es weitergeht und das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Die Handlung spielt in Australien, jedoch sind Land und Leute nur soviel wie nötig beschrieben, dennoch bekommt man einen guten Eindruck. Ich fand diese Mäßigkeit sehr gut, denn wenn ich mehr über Down Under wissen möchte kaufe ich mir einen Reiseführer.

~ Fazit ~

Ein Roman um einen Mann der glaubt Gottes Stimme folgen zu müssen – und auch vor dem Töten nicht zurückschreckt. Spannender Roman mit einer durchzogener Liebesgeschichte.

TalDerAngst

Was wenn Träume echt sind?

Kathryn Smith

Tochter der Träume

Verlag: PAN
Erscheinungsjahr: 2009
Seiten: 458
ISBN: 978-3-426-28305-9

~ Klappentext ~

“Du bist ein Traum. Eine echte Traumfrau!“ ich stockte jäh, die Limoflasche auf halben Weg zum Mund, und starrte den alten Mann an, der neben mir stand.

Für jede andere Frau wären diese Worte ein Kompliment. Für Dawn Riley hingegen bedeuten sie, dass jemand erkannt hat, was sie ist – denn Dawn ist kein Mensch, zumindest nicht ganz. Sie ist die Tochter von Morpheus, dem König der Träume. Nun wird sie wieder hineingezogen in die magische Welt ihres Vaters, mit der sie eigentlich gar nichts zu tun haben will. Besonders, weil ihr heimlicher Schwarm Noah gerade entdeckt, dass sie vielleicht seine ganz persönliche Traumfrau ist …

~ Eigene Zusammenfassung ~

Dawns Mutter fällt in einen tiefen Schlaf. Ihre Familie und selbst die besten Fachärzte sind ratlos. Alle bis auf Dawn. Sie weis das ihre Mutter freiwillig „in der Traumwelt“ lebt. Was nur sie weiß: Ihre Mutter hatte vor etlichen Jahren ein Verhältnis mit Morpheus, dem Gott der Träume. Aus dieser Affäre ging Dawn hervor. Sie ist ein Mischwesen, halb Mensch, halb Traumwesen. Als sie jung war hat sie sich dazu entschlossen in der Welt der Menschen zu leben. Sie wurde Ärztin – und Traumforscherin. Was wohl niemand außer ihr weiß: Die Träume sind echt. Egal ob gut oder böse.
Eine Reihe von Todesfällen stellt Ärzte und Polizei vor ein Rätsel: Die Menschen sterben im Schlaf. Eine Erklärung scheint es dafür nicht zu geben.
In ihrer Praxis betreut Dawn auch den äußerst attraktiven Noah. Er ist ein sehr starker Träumer und wie Dawn herausfindet macht sich genau das ein Dämon der Traumwelt zu nutze. Karatos will mit seiner Hilfe in die Welt der Menschen gelangen.
Obwohl Dawn eigentlich nichts mehr mit der Traumwelt zu tun haben will besinnt sie sich auf ihre Bestimmung: die Menschen zu beschützen. In erster Linie kämpft sie aber um ihre Liebe – zu Noah.

Eindrücke / Meinung

Nach den ersten Seiten fand ich das Buch ein wenig langweilig. Es ging eigentlich nur um medizinische Arbeit. Doch mit jeder Seite tastete ich mich weiter vor. Ich erfuhr eine Menge über Dawn. Etwas verdutzt war ich als ich erfuhr das sie ein Traumwesen ist, welches in unser Welt lebt. Das war eine kitschige Vorstellung, aber irgendwie auch reizvoll. Träume sind also echt. Das erklärt dann warum man sich nach einem anstrengendem Traum auch später noch total erschöpft fühlt. Ich finde die Idee aus dieser Vorstellung ein Buch zu machen klasse.
Das nun ein böses Wesen versucht aus der Traumwelt auszubrechen gibt dem Roman die nötige Spannung. Dawn will eigentlich überhaupt nichts mit ihrem richtigen Vater, dem Gott der Traumwelt, zu tun haben. Sie ist sauer auf ihn, weil er der Grund ist das seine Mutter ihre weltliche Familie im Stich läst um lieber bei ihm zu sein. Die Vorwürfe an ihre Mutter ziehen sich durch den ganzen Roman und auf eine gewisse Weise schmerzte mich diese Vorstellung. Was würde ich an dieser Stelle wohl tun?
Da Dawn sich in Noah verliebt hat und er in großer Gefahr schwebt überwindet sie ihren Stolz und sucht ihren Vater auf. Sie bittet ihn um Hilfe. Ich finde es durchaus etwas eigensinnig von ihr, aber auf der anderen Seite will sie auch die anderen Menschen beschützen. Es sind bereits zu viele Menschen (im Schlaf) gestorben. Dawn ist in diesem Buch so etwas wie eine Superheldin, nur eben im Schlafanzug statt Catwomankostüm. Eine Vorstellung die mich schmunzeln lies.
Überhaupt ist dieser Roman eine bunte Mischung. Ein Fantasyroman, der aber nicht zu fantastisch wirkt mit Witz, Spannung und Liebe. Genau die richtige Mischung. Allerdings würde ich es eher als Jugendbuch bezeichnen, da es nicht allzu tiefgründig ist.
Die Charaktere, abgesehen von Dawn, werden nur an der Oberfläche beschrieben. Besonders viel erfährt man nicht über sie. Was man im Laufe des Romans erfährt reicht jedoch vollkommen aus um Zusammenhänge zu erkennen und einen Bezug aufzubauen.
Der Schreibstil ist recht locker, ganz oft erfährt man direkt was Dawn durch den Kopf geht, hat einen Einblick in ihre Gedanken. Da man hiermit einen kleinen Vorteil gegenüber den anderen Charakteren hat („Ich weiß was, was du nicht weiß“) macht dies die Handlung zusätzlich spannend, denn manchmal handelt sie anders als man es erwarten könnte.
Durch die einzelnen Kapitel kann man das Buch auch gut mal aus der Hand legen. Besonders interessant finde ich das nach jedem Kapitel eine unbedruckte Seite eingefügt ist. Es wirkt auf mich so als hätte die Autorin hier bewusst eine Atempause für den Leser eingefügt.

Fazit:
Ein schöner Roman zum Träumen.

TöchterDerTräume

Marlboro pflasterten ihren Weg …

Martin Krist

Die Mädchenwiese

Verlag: Ullstein
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 412

ISBN: 978-3-548-28353-1

~ Klappentext ~

Die alte Frau sieht alles kommen. Sie findet die grausam ermordeten Mädchen. Sie kennt ihren Mörder. Aber sie wird schweigen …
Der kleine Junge bangt um seine verschwundene Schwester, denn er hat etwas gesehen. Er will reden, doch niemand hört ihm zu…
Seit Alex Lindner vor Jahren seinen Dienst als Kommissar quittiert hat, lebt er zurückgezogen in der Provinz. Als auch hier ein Mädchen verschwindet, weiß er: Der Mann, den er damals vergeblich jagte, ist zurück. Diesmal muss er ihn fangen, denn der Blutzoll wird steigen.

~ Eigene Zusammenfassung ~

Finkenwerder (Berlin). Hier lebt Lisa, ein Teenagergirl mit normalen Fantasien, Träumen und ihrem kleinen Bruder Sam und ihrer ständig nörgelnden Mutter. Eine Frau erzählt von ihrem Leben in einer Bäckerei, ihrem Onkel der sie missbrauchte und einem Ehemann der sie aufs übelste misshandelte und dem gemeinsamen Sohn. Eines Abends macht Lisa sich zurecht um sich mit ihrem Freund zu treffen. Von ihrem Bruder verlangt sie das er schweigt, dafür verspricht sie ihm Anfang der Woche zurück zu sein. Doch nur einer von ihnen hält sein Versprechen … Als Sam langsam klar wird, dass seiner Schwester etwas passiert ist, will er helfen. Doch keiner der Erwachsenen hört ihm zu. Nicht einmal sein Onkel, der Polizist. So beschließt er selbst nach Lisa zu suchen.

Alexander Lindner war Polizist. Er hat inzwischen eine Gaststätte in Finkenwerder eröffnet, wo er erst vor einigen Jahren hinzog. Nebenbei stellt er hauseigne Spreewaldgurken nach einem alten Familienrezept her. Für dieses Rezept interessiert sich eine große Kette, genauso wie die eines nicht sonderlich beliebten Bauern. Nachdem Lisa verschwunden ist, bekommt Alex einen Brief von einem Mann, der behauptet sein Vater zu sein. Sie vereinbaren ein Treffen. Im Laufe der Zeit werden die Dinge immer mysteriöser und Alex sieht sich dem Grund wieder, weshalb er damals anfing zu trinken und den job als Polizist schmiss:

DER BESTIE …

~ Persönliche Meinung ~

Die Geschichte ist nicht neu: Ein Psychopart der Mädchen entführt, foltert und sie umbringt, dennoch hat Martin Krist hier etwas anders gemacht, denn es sind eigentlich mehrere Geschichten in einer: Zum einen die Gurkenproduktion, dann die Suche nach dem Vater und natürlich die verschwunden Mädchen. Auch wenn die Handlungsfäden zusammen laufen, so könnte man auch jede Geschichte für sich stehen lassen.

Leider war mir sehr schnell klar, wer der Mörder ist. Zumindest dachte ich dies. Aufgrund der Vorgeschichte, die der Leser erfährt (es wird aus zwei Sichten erzählt) lässt sich schnell kombinieren und die richtigen Schlüsse ziehen. Doch das „mein“ Mörder inzwischen eine andere Identität hatte, konnte ich nicht wissen. So war der Überraschungseffekt ganz auf Seiten des Schreibers – und ich vermutlich einen ziemlich blöden Gesichtsausdruck. 😉

In der Geschichte fielen mir drei Stellen auf, kleine Logikfehler:

Auf Seite 174 Beispielsweise:
Dort wird Lisa gefangen gehalten. In ihrer Zelle befindet sich nicht viel. Nur eine Matratze, ein Tablett mit Essen und einem Glas Wasser, sowie ein Topf für Exkremente. Widerwillig hockt sie sich auf den Topf. Da es kein Toilettenpapier gibt wischt sie sich mit dem Handrücken ab, diesen säubert sie mit der Hälfte des Wassers.
Hier frage ich mich warum Lisa, obwohl sie weiß dass sie keine Waschmöglichkeit hat, den Handrücken nutzt. Da dem Leser verraten wird das sie einen Slip und ein Kleid trägt, bestehen zwei andere Möglichkeiten: Entweder sie „schüttelt ab“ und zieht den Slip wieder hoch oder sie reißt ein Stückchen von ihrem Kleid ab. Immerhin weiß sie nicht wie lange sie noch eingesperrt sein wird oder wann sie das nächste Mal etwas zu Essen bekommt. Warum dann kostbares Wasser verschwenden?

Auf Seite 229 hat Berta, die jahrelang von ihrem Onkel missbraucht wurde, ihr „erstes Mal“ mit ihrem frischgebackenem Ehemann. Auf dem Laken findet sich neben Sperma auch Blut. – Von dem Missbrauch hat Berta ihrem Gatten nichts erzählt, insofern hatte sie wohl Glück, denn wie hätte sie sonst erklären sollen das sie keine Jungfrau mehr ist? Nur wo kommt das Blut her? – Ich habe dann einfach mal vermutete, dass es vom harten Sex kommt.

Ziemlich am Ende, die Seite habe ich leider nicht notiert, wird eine Frau, die grade erst ihr Kind geboren hat, im Keller festgehalten. Ihre Brust schmerzt, da ihr Kleines nicht bei ihr ist und sie nicht säugen kann. Mich wundert an dieser Stelle, dass sie nicht selbst Hand anlegt um die Schmerzen zu beseitigen, immerhin ist sie nicht gefesselt und könnte so ihre Brüste massieren und, wenigstens etwas, Milch und somit auch den Druck abbauen.

Der Schreibstil ist angenehm. Der Autor benutzt während des ganzen Romans keine komplizierten Fachbegriffe, sondern schreibt so wie die meisten wohl reden. Dadurch wird aber keineswegs der Anspruch genommen. Es hat noch immer Stil und durch einige Witze wird alles noch einmal zusätzlich aufgelockert. Krist schreibt flüssig, so dass ich dieses Buch zügig lesen konnte.

Ich lese gerne Bücher mit detaillierten und bildgetreuen Beschreibungen. Diese Aussage beziehe ich jedoch eher auf Vorgehensweisen, als auf jedes Detail in der Umgebung.
So heißt es, recht am Anfang ungefähr: „Sie schaut auf den grünen Sekundenzeiger der Uhr in Form einer Sonnenblume…“ (Ganz genau weiß ich den Wortlaut nicht mehr und leider hatte ich mir die Stelle nicht markiert.) Dieser grüner Sekundenzeiger hat mich wirklich währende des ganzen Romans nicht mehr losgelassen. Zwar wurde er nur ein einziges Mal erwähnt, doch scheinbar hatte mein Unterbewusstsein ihn als „wird vielleicht noch wichtig“ eingestuft. Wieso sonst, würde jemand etwas so genau wie möglich beschreiben? (Ohne die Spannung nehmen zu wollen, aber weder der Zeiger noch die Uhr führen zum Mörder. ;)).

Ebenfalls etwas unpassend fand ich die Markenplatzierungen, die sich durch den Roman ziehen. „Sie griff zu einer Marlboro.“ „Sie nahm die Marlboroschachtel vom Tisch.“ „Er reichte ihr eine Marlboro.“ „Sie… Er… Marlboro….“ Es kam mir schon vor, als gäbe es einen Sponsorenvertrag und alles Bezeichnungen für eine Zigarette wurden durch „suche & ersetzen“ ausgetauscht. Anfangs hatte ich mir sogar einen Spaß daraus gemacht und war schon versucht Wetten abzuschließen, ob auf den über 400 Seiten auch eine andere Zigarettenmarke erwähnt wird.
Wird sie übrigens tatsächlich, denn ein anderer Charakter bevorzugt scheinbar „Karo“.
Ich kann nicht nachvollziehen, welchen Sinneswandel es ab Mitte des Buches gab, doch da wurden aus Marlboros dann doch mal Zigaretten, Kippen oder ähnliches.

~°~ Fazit ~°~

Auch wenn dieser Roman keine neue story aufweist und (für mich) einige Logikfehler hat, so bleibt er doch bis zum Schluss spannend. Das Buch lässt sich zügig lesen und liefert tiefe Einblicke in die wichtigsten Charaktere, so dass man als Leser mitfiebern kann.
Ich kann euch dieses Buch mit gutem Gewissen empfehlen.

Die Mädchenwiese

*Update*

Auf Grund dieser Rezension (auch veröffentlicht auf anderen Portalen) meldete sich Martin Krist persönlich zu Wort:

„Hallo StMoonligth,
vielen Dank für Deine ausführliche Rezension. Es freut mich, dass Du Dich so detailliert mit dem Thriller auseinandergesetzt hast und dass er Dir gefallen hat.
Über zwei der von Dir erwähnten Logikfehler ließe sich vortrefflich streiten. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Auf den dritten möchte ich allerdings kurz eingehen, den auf Seite 229: An einer vorherigen Stelle des Romans wird explizit erwähnt, dass der Onkel Berta auf verschiedenste Weise missbraucht, aber keinen vaginalen Sex mit ihr praktiziert, eben weil er Angst vor einem inzestuösen Kind hat. Insofern ist das erste Mal mit ihrem Mann tatsächlich das erste Mal für Berta.
Ach so, und einen Sponsorenvertrag habe ich (leider) nicht. 🙂 Ich sehe die Erwähnung von Markenartikeln auch nicht unbedingt als Werbeplatzierung, sondern als eine notwendige Beschreibung unseres Alltags, also eine Form, die Geschichte realistischer zu machen, indem meine Figuren Dinge konsumieren, die auch wir in unserem Alltag konsumieren: Marlboro, Cola light, Jever usw.
Beste Grüße
Martin Krist“

Scheinbar liesen ihn meine geschriebenen Worte nicht los, denn bereits einen Tag nach seinem Kommentar stieß der Autor auf seiner facebook-Seite eine Diskussion zu dem Thema Markenplazierung in Romanen an. 😉

https://www.facebook.com/MartinKristSchriftsteller 

KristFB

Der HG-Blog

Unregelmäßig, aber dennoch mit Spaß bloggen mein selbsterwähltes Bruderherz Miguel und ich gemeinsam hier:

http://haus.derlump.de/

Lest dort zum Beispiel

„Der Supergau“ – Ein Koffeinjunky ohne Kaffee …

und andere kurze Geschichten und Anekdoten aus unserem Zusammenleben.

Viel Vergnügen.

(Kommentare dürfen selbstverständlich auch dort hinterlassen werden. ;))

Wird die Welt untergehen???

Andreas Izquierdo

Apocalypsia

Verlag: Rotbuch
Erscheinungsjahr: 2010
Seiten: 624
ISBN: 9783867891080

Klappentext

Es heißt, sobald ein Kind zur Welt kommt, legt ihm ein Engel einen Finger auf den Mund: so vergisst es augenblicklich alle göttlichen Geheimnisse. Nur die kleine Furche zwischen Nase und Mund bleibt als Spur zurück. Doch als sich das letzte aller Geheimnisse offenbart, müssen die Engel erkennen, dass auch sie nicht alles wissen: Gott liegt im Sterben, und mit ihm die gesamte Schöpfung. Es sei denn, sein Platz wird neu besetzt.
Die Erkenntnis seiner Sterblichkeit ist ein Schock, das Versprechen vom ewigen Leben eine Lüge. Das Heer der Engel spaltet sich. Wer die Freiheit will, folgt Luzifer, dem schönsten und mächtigsten unter ihnen. Sein Plan ist so schlicht wie verführerisch: Sind erst die missratenen Menschen vernichtet, kann der paradiesische Urzustand wiederhergestellt werden. Die kleine Schar um den einfachen Engel Nathanael, die entschlossen die alte Ordnung verteidigt, ist ganz auf sich allein gestellt. Intrigen, Verrat und Mord führen schließlich in die Katastrophe, und die Erde erlebt schon bald ein Horrorszenario. Nur Esther und Judith sehen dort die Apokalypse kommen, denn sie allein wissen, dass alles seine Zeit hat und wenn das eine stirbt, wird das andere geboren.

Eindrücke / Meinung

Ich hatte das Glück dieses Buch für eine Leserunde zu gewinnen. Beworben hatte ich mich dafür, weil der Gedanke das Gott sterblich ist – und auch ein Autor den Mut hat eben genau dies niederzuschreiben – einfach reizte. Ich bin zwar konfirmiert, aber alles andere als gläubig. Dies nur mal so am Rande.
Das Buch offenbarte sich mir als richtiger Wälzer mit seinen über 600 Seiten und dann noch als Hardcoverausgabe. Doch allein schon der Schutzumschlag macht irgendwie was her. Erst nach längerer Betrachtung erkannte ich allerdings das es sich um die Deckenbögen einer Kirche oder ähnliches handelt. In jedem Fall sehr passend zum Thema.
Entfernt man den Umschlag hält man ein weißes Buch in den Händen, was ich von der Aufmachung alles andere als schön finde.
Sehr praktisch ist das feste Lesezeichenbändchen. So kann man die Seite auf der man unterbrochen hat schnell wiederfinden und verliert seinen Merker auch nicht.
Direkt am Anfang des Romans findet der Leser eine Aufstellung „3 Chöre der Engel“. Hier wird sozusagen die Rangordnung der Engel dargestellt. Diese ist im Verlauf der Geschichte sehr hilfreich. Mir half sie mich besser zurecht zu finden.
Als die Reise in die Welt der Engel begann kam für mich einige Verwirrung auf. Engel Gabriel war plötzlich ein weiblicher Engel und Nathanel ein Krüppel. Das stellte ersteinmal alles was ich bisher über diese „Gotteswesen“ wusste in Frage und ich begann zu hinterfragen was ich eigentlich wirklich weiß. Schließlich schob ich alles bisher gehörte an die Seite und lies mich vollends von der Interpretation des Autors treiben. Immer wieder entdeckte ich neue Sichtweisen und Andersartigkeiten. Von Seite zu Seite wurde ich Teil einer Welt auf „der anderen Seite“. Ich ertappte mich immer wieder bei dem Gedanken „Kann es nicht wirklich so sein?“.
Die Geschichte ist anfangs zweigeteilt. Die eine Hälfte spielt auf der Erde, in der Welt der Menschen. Die andere Seite auf der Welt der Engel. Nach und nach fließen die Fäden zusammen und die Welten vermischen sich.
Der Leser beginnt seine Beobachtungen in der Menschenwelt und wird Zeuge eines recht dramatischen Teils: Eine Frau hat versucht sich das Leben zu nehmen und scheitert. Doch nach dem Versuch ist sie nicht mehr die Gleiche wie zuvor. Plötzlich kann sie Dinge sehen die sie nicht sehen dürfte. Sie freundet sich mit ihrer Ärztin an, die selbst einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat. Die beiden sind spüren das Veränderungen nahen und stehen damit völlig alleine.
In der Welt der Engel ist Luzifer aus seinem Gefängnis ausgebrochen und beansprucht nun den Thron. Er hält die Menschen für unwürdig, will sie vernichten und eine neue Ordnung schaffen. Da der „Vater“ im sterben liegt und viele Engel somit in ihrem Glauben erschüttert sind schafft er es eine „dunkle Armee“ aufzubauen. Die höchsten Engel versuchen eine Lösung zu finden. Ein Krieg wird unvermeidbar. Sie hoffen auf eine Prophezeiung die besagt das ein Engel kommen und sie retten wird. Doch als sie ihr Held vor ihnen steht sehen sie einen etwas nie dagewesenes, etwas das es nicht geben dürfte: Einen unvollkommenen Engel! Sie beginnen zu zweifeln…
Der Autor schreibt bildlich und emotional. Schnell wuchsen mir die einzelnen Charaktere ans Herz und ich fühlte mit ihnen. Die Schauplatze sind so toll beschrieben das ich das Gefühl hatte selbst dort zu stehen. Die Sprache ist verständlich und der Roman lässt sich zügig lesen. Die Grundidee der Geschichte finde ich sehr gut und die Umsetzung ist gelungen.

Fazit
Ein super spannender Roman der zu neuen Denkansetzen anregt. Unbedingt lesen!!! 😉

Apocalypsia