Bücher (Rezensionen)

Kann man sein Schicksal ändern?

Daniela Ohms

Harpyienblut

Verlag: Herzklopfen Fantasy

Erscheinungsjahr:2011

Seiten:431

ISBN:9-783-862-651-375

~ Klappentext ~

Anders als viele andere Teenager verbirgt Lucie ihren Körper nicht aus Scham, sondern weil sie Angst hat, dass es sie ihr Leben kostet, wenn jemand von ihrem Geheimnis erfährt: Die 18-Jährige besitzt Flügel, die aussehen wie die eines Raubvogels. Was für ein Wesen sie ist und woher sie stammt, hat sie bisher jedoch nicht herausfinden können. Aber der finstere Sergej aus ihrem Volleyballverein weiß mehr. Und auch der unheimliche Junge mit den Schmetterlingsflügeln, der sie nachts beobachtet, kennt Lucies wahre Bestimmung: Sie soll die Seelen toter Kinder durchs Jenseits begleiten. Als Lucie schließlich gezwungen ist, sich ihrer grausigen Aufgabe zu stellen, muss sie fürchten, nun bald kein Mensch mehr zu sein …

~ Eigene Zusammenfassung ~

Lucie ist ein 18-Jähriges Mädchen das sehr früh ihre Mutter verloren hat. Sie war so klein, dass sie sich an nichts mehr erinnern kann. Alles was sie weiß, ist das ihre Pflegemutter ihr immer eingeschärft hat sehr vorsichtig zu sein. Denn Lucie ist anders, als andere Mädchen. Sie hat zwei große Schlitze auf dem Rücken aus dem Flügel hervorkommen. Sie muss aufpassen, dass niemand von ihrem Geheimnis erfährt, denn sonst würde sie vielleicht in einem Labor oder einer ähnlich grausamen Einrichtung landen, in der man sie auseinander nimmt. So verbirgt sie ihre Flügel unter einer Binde und erzählt das dort drunter Brandwunden sind, für die sie sich schämt. Jahrelang glückt dieses Versteckspiel.

Doch eines Tages merkt Lucie das sie sich verändert. Sie weiß nicht genau was passiert und auch nicht was für ein Wesen sie eigentlich ist. Sergej, ihr Co-Trainer aus dem Volleyballteam, scheint mehr zu wissen und bietet ihr seine Hilfe an. Emilia, ihre beste Freundin, fordert ein Recht darauf zu erfahren was mit Lucie los ist. Schließlich teilen die beiden das Geheimnis. Im Laufe der Zeit soll sich dieses als äußerst hilfreich erweisen.

Eines Abends entdeckt Lucie auf dem Nachbardach einen jungen Mann mit Schmetterlingsflügeln. Er ist wunderschön und sie fühlt sich zu ihm hingezogen, doch auf der anderen Seite hat sie Angst vor ihm. Was Lucie nicht weiß: Dieser Junge weiß mehr über ihr Schicksal, sehr viel mehr …

Gemeinsam mit ihren Freunden stellt Lucie sich einem Kampf gegen die Todesharpyien: Eine Niederlage bedeutet den Tod, ein Sieg die Freiheit …

~ Eindrücke / Meinung ~

Bereits die Aufmachung des Buches macht Lust es in die Hand zu nehmen. Es handelt sich um eine gebundene Ausgabe mit einem dunklem Cover, auf dem sich ein Nest befindet. In diesem Nest liegt ein Ei aus dem eine menschliche Hand herausschaut. Schon allein dies macht neugierig. Klappt man das Buch auf so blickt man direkt auf eine Zeichnung von Lucie mit ihren ausgefahrenen Flügeln. Alles sehr liebevoll gestaltet.

 Wer sich ein wenig mit Mythen auskennt wird hier den ein oder anderen Zusammenhang entdecken. Dennoch finde ich diese Geschichte außergewöhnlich. Ein scheinbar normales Mädchen wird dazu bestimmt Seelen toter Kinder abzuholen und in ein neues, ungeborenes Kind einzusetzen. Reinkarnation  (Wiedergeburt) ist eines der Hauptthemen dieses Buches.

Obwohl es sich um eine Jugendbuch handelt finde ich es sehr schön, dass auch sehr weltliche und brutale Dinge nicht weggelassen werden. So stellt Lucie z.B. einmal die Frage: „[…] Wie kann es Menschen geben, die ihre eigenen Kinder totprügeln? […]“ (S. 139) Grade diese Stellen sind es die mich immer wieder zum Nachdenken bewogen haben. Ich legte das Buch beiseite und hielt einen Moment inne. – Ich hoffe sehr, dass es auch bei der eigentlichen Zielgruppe eine Wirkung zeigt.

Lucies Pflicht ist es die Seelen abzuholen. Eines Tages kommt sie dieser Pflicht nicht nach. Sie denkt gar nicht darüber nach was dies zur Folge hat. Doch mit einem Mal wird ihr das Ausmaß bewusst: „[…] Niemand hatte seine Seele abgeholt. Lucie wurde schlecht bei dem Gedanken. Jedes Mal, wenn sie eine Verwandlung verhinderte, ahnte sie die Konsequenzen, das Unglück einer Familie, irgendwo in Deutschland, in Polen oder Dänemark. In ihre Träume mischte sich manchmal das Flüstern einer schwachen Stimme, Worte, die sie nicht verstehen konnte. Sie wurde das Gefühl nichts los, dass die Stimme ihr klarmachen wollte, welchen Fehler sie beging. […]“ (S. 183)

Jean und Lucie kämpfen für ihre Überzeugung, darum ihr eigenes Leben führen zu können – und menschlich zu bleiben. Der Wille der beiden ist förmlich zu spüren und ich fieberte mit ihnen, wünschte mir das sie ihr Ziel erreichen. Es könnte die beiden das Leben kosten, für ihre Überzeugung könnten sie sterben. Doch es schreckt sie nicht ab. Sie kämpfen! „[…] Doch wenn dein Raubvogel wirklich so mächtig ist, wie ich glaube, dann bedeutet das vielleicht, dass ihr eine Chance habt, stärker und klüger zu sein als eure Feinde. […]“ (S. 194)

Die Charakter sind alles super ausgearbeitet. Mit jeder Seite lernt der Leser Lucie, Emilia, Sergej und Jean besser kennen – und mit jeder Zeile wuchsen mir die vier mehr ans Herz. Vom Charakter könnten die vier wohl nicht verschiedener sein, doch genau dies macht es noch viel spannender.

Die Geschichte und die Handlungsstränge waren nicht wirklich durchschaubar, so das der Überraschungseffekt immer wieder auf der Seite der Autorin war. Selbst mit diesem Ende hätte ich nicht gerechnet … So liebe ich es! (Wer will schon vorher wissen was passiert? ;))

Der Roman ist in kurze Kapitel geteilt, so dass man es auch sehr gut einmal aus der Hand legen kann ohne „den Faden“ zu verlieren. Der Schreibstil ist einfach und lässt sich flüssig und schnell lesen.

~ Fazit ~

Ein wundervolles Jugendbuch (nicht nur für junge Erwachsene), welches sehr liebevoll gestaltet ist. Hier werden Ängste, Freundschaft und Liebe zusammen zu einer spannenden Geschichte verknüpft. An vielen Stellen bewegt der Roman zum Nachdenken.

Wer Fantasygeschichten mag wird an diesem Buch nicht vorbei kommen. Ich kann es euch nur empfehlen.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Jean, der mir unter die Haut ging:

„Die verjüngten Seelen sind nicht mehr so weise wie vorher. Aber sie werden auch nicht mehr von den Traumata ihrer Vorleben geschwächt. Neue Seelen sind unfassbar stark, Lucie. Die Menschen, die daraus entstehen, können auch dann noch lachen, wenn sie sehr viel ertragen müssen.“ (S.310)

Harpyienblut

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