Der Tod liegt in der Luft

Andrew Lane

Young Sherlock Holmes

Der Tod liegt in der Luft

Verlag: FJB

Erscheinungsjahr:2012

Seiten: 415

ISBN: 978-3-596-19300-4

 

~ Klappentext ~

Der junge Sherlock Holmes soll seine Sommerferien auf dem Land verbringen – bei Tante Anna in Farnham. Stundenlang dauert die Reise und nichts als Gerstenfelder weit und breit. Noch öder geht es ja wohl kaum, Sherlock ist stocksauer. Doch dann kommt alles ganz anders, und plötzlich ist er mittendrin in seinem ersten Fall. Mysteriöse Todesfälle, prügelnde Muskelprotze und ein böser Baron – das erste Abenteuer des jungen Meisterdetektives beginnt.

~ Eigene Zusammenfassung ~

Sherlock hat Sommerferien. Sehnsüchtig wartet er auf die Kutsche, die ihn nach Hause bringt. Stattdessen wird er ins Zimmer des Direktors bestellt, wo sein Bruder Mycroft ihn erwartet. Dieser teilt Sherlock mit, dass seine Mutter krank ist und sein Vater noch nicht aus Indien zurück, da er selbst keine Zeit hat sich um seinen kleinen Bruder zu kümmern, soll Sherlock zu Verwandten nach Farnham. Zu einer Familie, von der er noch nie im Leben etwas gehört hat. Auf dem Landgut angekommen wird der junge Master Holmes nicht wirklich willkommen geheißen. Seine Tante und sein Onkel ignorieren ihn mehr oder weniger, nur die Haushälterin Mrs. Eglantine scheint Interesse an ihm zu hegen, denn sie lässt ihn immer wieder merken das er unerwünscht ist.

Während seiner Streifzüge durch die Umgebung lernt Sherlock einen Jungen in seinem Alter kennen. Matty lebt auf einem kleinen Kanalboot und schlägt sich so durchs Leben. Der junge Holmes gewinnt schnell sein Vertrauen und bald erzählt sein neuer Freund ihn von einer dunklen Wolke die einen Mann getötet hat. Sherlock versucht Matty zu erklären, dass dies nicht möglich ist. – Bis auf dem Landbesitz seines Onkels eine weitere Leiche auftaucht…

Ohne es zu wollen sind die beiden Jungen plötzlich in einem Abenteuer voller Gefahren.

~ Eindrücke / Meinung ~

Im Gegensatz zu den Originalen von Arthur Conan Doyle, geht es in diesem Roman nicht um den etwa 30jährigen Sherlock Holmes, sondern um den Teenager. Da dieses Buch sich auf Fakten bezieht, die in den Originalgeschichten vorkommen, würde ich sogar soweit gehen, dass dies die Vorgeschichte ist. Wie kam Sherlock überhaupt dazu Berater zu werden und wie war er überhaupt als Kind? Viele dieser Fragen kann Andrew Lane in seinem Buch beantworten. Zugegeben, war es, am Anfang, schon irgendwie merkwürdig dem großen Sherlock Holmes nun als Kind zu sehen. Ich gewöhnte mich jedoch schnell daran.

Bereits der Anfang des Romans war ein wenig Eigenartig. Wieso wird Sherlock ausgerechnet zu Verwandten gebracht, die er überhaupt nicht kennt? Aus dem Gespräch mit Mycroft geht hervor, dass die Familien bis vor kurzem nicht einmal ein Wort mehr miteinander geredet hatten. Ich erklärte es mir dann damit, dass es vermutlich einfach keine anderen lebenden Verwandten in der Umgebung gibt und in der damaligen Zeit sah man solche Dinge ja noch ein wenig anders, dennoch keine wirklich befriedigende Antwort für mich.

Willkommengeheißen wird der junge Master Holmes allerdings nicht. Wenn die Familien zerstritten waren, durchaus plausibel, dass ihnen Sherlock nun schlicht egal ist. Was in Märchen die böse Schwiegermutter ist in diesem Roman die Haushälterin. Mrs. Eglantine gibt dem Jungen auf mehr als eine Art zu verstehen, dass sie ihn nicht leiden kann. Ein Beispiel: „[…] Sei dir darüber im klaren, Kind, dass du hier nicht willkommen bist“, zischte sie, als er an ihr vorbeiging. […]“ (S. 29) Als Leserin konnte ich mich gut in Sherlock hinein versetzen und förmlich die kalten Blicke der Haushälterin spüren. Mycroft spricht am Anfang so etwas wie eine Warnung aus. Sherlock solle sich vor Mrs. Eglantine in Acht nehmen, sie sei keine Freundin der Familie. Leider bleibt bis zum Schluss ungeklärt, was er damit meinte. Das finde ich mehr als schade, hoffe aber, die Aufklärung in einem der folgenden Romane zu bekommen.

Aufgelockert wird dieser Krimi durch gut dosierten Humor. Ob nun ein frecher Satz aus dem Mund eines Arbeiters oder Sherlocks Gedanken: „[…] Ihr hageres Gesicht wirkte verhärmt. Mit ihren gespitzten Lippen und den zusammengekniffenen Augen sah sie aus, als hätte jemand ihren Morgentee mit Essig vertauscht. […]“ (S.26)

Wie ich nicht anders erwartet hatte, wird Sherlock in seinem Bestreben sich Wissen anzueignen gefördert und gefordert. Sein Bruder hat ihm für die Ferien einen Mentor besorgt, der nicht nur den jungen Master, sondern auch ab und an den Leser fordert. Obwohl es ein Roman ist lernt man, so ganz nebenbei, noch das ein oder andere. Ich habe begierig mitgerätselt und fieberte der Lösung entgegen, oder, um es mit den Worten des Mentors zu sagen:

„[…] Das man zwar alles, was man will, ableiten kann, aber es ohne Wissen zwecklos ist. Dein Gehirn ist wie ein Spinnrad, das sich so lange end- und ziellos dreht, bis es mit Fäden gespeist wird und Garn zu produzieren beginnt. Informationen sind die Grundlage allen rationalen Denkens. Finde sie heraus. Sammle sie gewissenhaft. Stopf die Speicherkammer deines Gehirns mit so vielen Fakten wie nur möglich voll, Versuche nicht, zwischen wichtigen und unwichtigen Fakten zu unterscheiden: Potentiell sind alle wichtig. […]“ (S. 68)

Im Roman wird angedeutet, dass der Lehrer eigentlich eine andere Funktion hat. Leider wird nicht deutlich in welchem Zusammenhang er mit Mycroft oder der Regierung steht oder welchen Auftrag (wenn es denn einen gibt) er hat.

Das Abenteuer, welches Sherlock hier erlebt ist an sich gar nicht soooo spannend, aber das Drumherum ist so packend geschrieben, dass ich das Buch innerhalb von einer Woche durch hatte. Der Autor schafft es Kleinigkeiten so zu verstricken, dass ich als Leserin irgendwann zwangsläufig anfing selbst zu kombinieren, Theorien aufzustellen, ….

Da ich Zitate liebe freute ich mich das es immer wieder Textstellen gab, die ich meine Sammlung aufnehmen konnte. Nicht einfach weil sie schön klingen, sondern wegen ihres lehrreichen Hintergrundes. „[…] Wir stehen hier zusammen, weil die Dinge so geschehen sind, wie sie es nun einmal sind. Mit Logik kannst du die Chancen zu deinen Gunsten verbessern, aber man muss immer auch mit dem Zufall rechnen. […]“ (S. 362)

~ Fazit ~

Leider bleiben einige Fragen offen: Was bzw. wer ist Mrs. Eglantine wirklich? Was führt Sherlocks Ferienmentor wirklich in die Gegend? … Doch dies kann a) entweder als ein Anfang für eine neue Geschichte oder b) lediglich der Irreführung (wie man es in einem Krimi durchaus erwartet) dienen. Alles in allem sehr schön und ausschmückend geschrieben und durchaus lesenswert.

Sherlock

Hilfsoma wider willen (Vorabrezension)

Eva Völler

Ich bin alt und brauche das Geld

Verlag: Bastei Lübbe

Erscheinungsjahr:2013

Seiten: 316

ISBN: 978-3-404-16821-7

~ Vorgeplänkel ~

Ich hatte Glück und durfte diesen Roman vorab lesen.

(Auf dem Foto seht ihr daher nicht das fertige Buch, sondern das Rezensions-Manusskript. War etwas umständlich für unterwegs, aber auf jeden Fall mal etwas anderes. ;)) Da ich weniger Komödien lese, hätte ich mir dieses Buch wohl nie gekauft. Ob ich dabei etwas verpasst hätte, erfahrt ihr jetzt.

~ Klappentext ~

Job weg, Mann weg, Haus weg – und dann auch noch die Wechseljahre im Anmarsch! Charlotte fühlt sich vom Schicksal nicht gerade verwöhnt. Doch der wahre Tiefpunkt kommt erst noch: Zwei chaotische Kleinkinder mitsamt russischem Au-pair-Mädchen haben sie als Ersatz-Oma auserkoren und übernehmen fortan das Kommando. Dass Charlotte nun endgültig knapp vor dem Nervenzusammenbruch steht, interessiert natürlich niemanden …

Eine Leseprobe gibt es hier: http://www.bicmedia.com/dmrs/widget.do?isbn=9783404168217

~ Eigene Zusammenfassung ~

Charlotte hat das Leben übel mitgespielt. Kaum zu ihrem Freund gezogen hat dieser einen Unfall. Als wäre das nicht ohnehin schon ein Schock steht aus heiterem Himmel ein Gerichtsvollzieher vor der Tür, der das Haus pfändet und sie auf die Straße setzt. Glücklicherweise kommt sie bei ihrer Freundin Doro unter. Doch zu dritt in einer zwei Zimmer Wohnung ist kein Idealzustand, schon gar nicht wenn die Freundin total verliebt ist und ihr Liebesleben ohne Rücksicht auslebt. Ein wenig Zeit könnte Charlotte auf der Arbeit verbringen, das Problem ist nur leider, das sie keine mehr hat. Ihr Weingeschäft hat sie, für Klaus aufgegeben und ihm das Geld geliehen. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, dass er sie belog und betrog. Um mit all dem Abzuschließen beschließt sie zu der Beerdigung ihrer Exfreundes zu gehen, doch erstens kommt es anders ….

Auf der Beerdigung lernt Charlotte die schwangere Jennifer, samt ihren beiden Kindern, kennen. Da Charlotte sich dort rührend um die die Kinder gekümmert hatte, beschließt Jennifer, die nach London fliegen will, die beiden, samt Aupairmädchen bei ihr abzuladen. Freunde und Verwandte hätten keine Zeit und sie müsse dringend fliegen – und schon war sie verschwunden ….

Als hätte Charlotte mit kleinen Kindern nicht schon genug zu tun, tauchen plötzlich zwei fiese Gestalten aus die etwas aus Klaus seinem Besitz fordern, dass sie hat. Nur leider hat die Spontanpflegeoma nicht die geringste Ahnung wovon die beiden reden. Wie gut das sich ein netter Kommissar meldet, der ebenfalls ein großes Interesse an der ominösen Hinterlassenschaft hat und dann gibt es da ja auch noch die Nachbarn, die es sehr interessiert, was in dem Haus so vor sich geht…

~ Eindrücke / Meinungen ~

Wie aus dem richtigen Leben (wenn man die Sache mit den Gaunern mal außen vor lässt).

Einige Punkte ließen mich manchmal etwas skeptisch werden:

Wer würde einer Wildfremden (Jennifer hat Charlotte grade zweimal gesehen) ihre Kinder und das auch noch für mehrere Tage anvertrauen? Zudem ist Jennifer hochschwanger und FLIEGT nach London. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie die Bestimmungen sind, aber soweit ich weiß gehen die wenigsten Fluggesellschaften dieses Risiko ein.

Die Ereignisse überschlagen sich förmlich. Das eine Problem ist nicht einmal gelöst, da tauchen schon wieder ganz neue auf. Ich finde dies nicht zu übertrieben, da ich aus eigener Erfahrung leider weiß das es oft wirklich so ist.

Auch müssen kleine Kinder ständig auf die Toilette, doch die Erwähnung dieses Bedürfnisses, füllt gefühlt einen Viertel des Buches. Ständig muss z.B. Mäxchen „kacka“. Hier wäre weniger mehr gewesen. Irgendwann hat es doch ein wenig genervt.

Klar, dass es einige Aufhänger braucht um einen Roman spannend zu machen. Hier sind es die ominösen Typen, die immer wieder auftauchen um etwas zu fordern und der Leser sich immer wieder fragt: Was suchen die nur? – Ich hatte die ganze Zeit eine Vermutung, von der ich auch felsenfest überzeugt war. Zu meiner großen Freude hatte ich unrecht! Ich liebe es überrascht zu werden, wenn ich denke, ich weiß was passiert! 😉

Ebenfalls spannend macht es Jennifers Aufenthalt in London. Über ihren Blog erfährt der Leser, was dort grade vor sich geht. Eine witzige Idee. Leider sind die Blogeiträge sehr lang geraten, so dass zwischendurch einige langweilige Längen entstehen.

Wie in wohl fast jedem Roman gibt es natürlich auch eine kleine Liebesgeschichte. Hier wird auch nichts übertrieben kitschig dargestellt, sondern mit all den kleinen Hindernissen die einem im Alltag so begegnen. Super schön dargestellt.

Die Charakter sind alle gut ausgearbeitet und haben viel Charme, grade Charlotte. Ich hatte immer ein wenig das Gefühl selbst Teil dieses Romans zu sein.

Der Schreibstil ist flüssig und das Buch lässt sich in einen Rutsch lesen ohne das es langweilig wird.

~ Fazit ~

Ein sehr turbulenter Roman mit kleinem kriminalistischem Kick. Viel Tiefgang hat die Geschichte zwar nicht, aber dafür sehr humorvoll.

Super für alle die zwischendurch mal eine kleine Auszeit brauchen. 😉

Alt1

~ über die Autorin ~

Eva Völler hat sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem hat sie zuerst als Richterin und später als Rechtsanwältin ihre Brötchen verdient, bevor sie Juristerei und Robe schließlich endgültig an den Nagel hängte. „Vom Bücherschreiben kriegt man auf Dauer einfach bessere Laune als von Rechtsstreitigkeiten. Und man kann jedes Mal selbst bestimmen, wie es am Ende ausgeht.“ Die Autorin lebt mit ihren Kindern am Rande der Rhön in Hessen.

Eva war auch so nett mir auf meine brennende Frage zu antworten (siehe Foto) 😉 Vielen Dank dafür. 🙂

Alt2

Darf man das???

Timur Verdes

ER IST WIEDER DA

Verlag: Eichborn

Erscheinungsjahr:2013

Seiten: 396

ISBN: 978-3-8479-0517-2

~ Vorgeplänkel ~

Ich muss gestehen, dass ich einerseits total scharf auf dieses Buch war, andererseits aber moralische Bedenken hatte. Darf man denn all die schrecklichen Taten ins Lächerliche ziehen? Sollte man nicht vielmehr sachlich damit umgehen und dafür sorgen, dass nichts verharmlost wird?

Ich bin weder links, noch rechts, sondern behaupte von mir immer „geradeaus“ zu sein.

(„Jeder soll glauben was er glaubt, das er glauben soll. Nur soll er nicht glauben, das andere das auch glauben müssen. Dann haben wir kein Problem.“ [K. Ebehantinger])

Ich beschloss mir dieses Buch zu Gemüte zu ziehen und objektiv darüber zu urteilen. In der Bahn oder im Bus merkte ich dennoch, dass ich stets darauf achtete, nicht allzu öffentlich zu machen, was ich da las. Warum weiß ich selbst nicht so genau. (Immerhin schreibe ich jetzt ja darüber.) Aber nun gut, ich bereue es nicht. Sondern bin sogar irgendwie erleichtert, dass ich es gelesen habe – und mitreden kann. 😉

Ganz besonderen Dank an meinen Göttergatten, der mir dieses Buch schenkte. Ohne ihn würde ich vermutlich noch meinen Kampf mit mir führen. ❤

~ Klappentext ~

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und grade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Such nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons.

~ Eigene Zusammenfassung ~

Adolf Hitler, der Mann, der für den Tod von Millionen von Menschen verantwortlich war. Ganz plötzlich ist er wieder da. Warum weiß er allerdings selbst nicht. Auch die Welt in der er sich befindet ist nicht mehr die, wie er sie kannte. Das schlimmste für Adi: Keiner glaubt ihm, das er wirklich Adolf Hitler ist. Sehr schnell wird er für einen Comedian gehalten. Da er weder Papiere, noch ein Dach über den Kopf, geschweige denn einen job hat lässt Hitler sich darauf ein. Ein Kioskbesitzer verhilft ihm sogar bis ins Fernsehen.

Wie man sich bei Hitler denken kann, macht er das alles nicht ohne Hintergedanken. Im Gegenteil. Adolf möchte wieder in die Politik, an die Macht. Er will Deutschland dazu verhelfen wieder deutsch zu sein. Umso mehr verwirrt es ihn, dass z.B. die Wäscherei Türken gehört. Doch am irritiertensten ist es wohl, dass seine Sekretärin „Judenblut“ in den Adern hat. Dabei sieht sie doch gar nicht so aus und ist eine ganz liebe Person!

Hitler erfährt nicht nur viel über „die neue Welt“, sondern auch über sich selbst. Vor allen werden zwei Dinge bestätigt: Der Mensch ist beeinflussbar und Politik wird gemacht.

~ Cover / Buchgestaltung ~

Der Hardcovereinband ist schlicht, aber optisch dennoch irgendwie edel gehalten. Auf weißem Untergrund befindet sich der schwarz glänzende Haarschnitt Hitlers. Etwa dort wo der Bart wäre, befindet sich der Titel.

Die ersten sowie die letzten Seiten sind komplett schwarz und im Roman ist ein, ebenfalls schwarzes, Lesezeichen eingearbeitet.

~ Eindrücke / Meinung ~

Die Idee an sich ist nicht neu: Jemand aus der Vergangenheit taucht in (unser) Gegenwart auf. Doch einen „großen Politiker“ zu wählen, ist etwas anderes, besonders wenn es sich um Adolf Hitler handelt. Es geht dabei nicht einmal um seine Person, sondern um seine Ansichten.

Einfach herrlich finde ich, dass er mir, wer hätte das gedacht, in einigen Punkten aus der Seele spricht. So mag dieser Hitler die Presse nicht:

„[…] Aber man weiß ja, was man von unseren Zeitungen zu halten hat. Da notiert der Schwerhörige, was ihm der Blinde berichtet, der Dorftrottel korrigiert es, und die Kollegen in den anderen Pressestellen schreiben es ab. Jede Geschichte wird von Neuem aufgegossen mit demselben abgestandenen Lügensud, um dann das >herrliche< Gebräu dem ahnungslosen Volke zu kredenzen. […]“ (S. 33)

Wie könnte es anders sein, natürlich taucht auch die BILD-Zeitung auf und lässt in ihren Artikeln das ein oder andere weg. Passt ja auch nicht immer alles so… Doch Adi ist schlagfertig und dreht den Spieß einfach um! Ich dachte nur: Endlich mal einer!!!

Überhaupt sind erstaunlich viele Namen genannt. Parteien, wie auch einzelne Politiker bekommen ihr Fett weg. Renate Künast bekommt sogar einen Fernsehnauftritt mit Hitler.

Je weiter der Roman fortschreitet, desto tiefer dringt der Leser in die Gedanken dieses zweifelhaften Politikers ein. Leider weiß nur der Leser, dass es sich um den „echten“ Hitler handelt. Wüssten es die Menschen, denen er begegnet, sie würden sich vielleicht anders verhalten. Seine Umgebung hält ihn für einen Komödianten und ist manchmal doch erstaunt was er da so alles von sich gibt. Fast wie der „Echte“ würde er wirken.

„[…] Sie haben Mumm. Es ist Ihnen wirklich egal, was die Leute von Ihnen denken, oder?“ „Im Gegenteil“, sagte ich, „ich will die Wahrheit sagen. Und sie sollen denken: Das ist jemand, der die Wahrheit sagt.“ „Und? Denken sie das jetzt?“ „Nein. Aber sie denken nicht mehr dasselbe wie vorher. Und das ist alles, was man erreichen muss. Den Rest macht die stetige Wiederholung […]“ (S. 171)

Ich muss gestehen, dass ich einige Aussagen der Romanfigur (!) wirklich toll finde. Oftmals hat er in vielen Ansichten einfach den gleichen Standpunkt. – Ich gestehe, dass mich dies doch ein wenig (positiv) überraschte.

Wie in (fast) jedem Roman kommt auch hier ein wenig Liebe vor. Allerdings verliebt sich nicht Adi, der vermisst nämlich noch seine Eva. Aber das hindert ihn nicht daran Liebestipps zu geben. Wie z.B. diesen hier:

„[…] Nicht zögern. Forsch voran. Frauenherzen sind wie Schlachten. Man gewinnt sie nicht durch Zögerlichkeit. Man muss alle Kräfte zusammenfassen und beherzt einsetzen. […]“ (S. 179) Ob alle Tipps sich in der Praxis bewehren würden, sei mal dahin gestellt.

Das vielleicht Beste an diesem Roman sind gar nicht mal die ganzen Lacher, die er dem Leser entlockt, wenn Adolf z.B. Fahrradhelme für an der Front durchlöcherte Helme hält, sondern dass er tatsächlich auch einmal zweifelt.

Ich habe nur einen Punkt der mich wirklich massiv stört:

Hitler wacht am Anfang des Romans, irgendwo unter freiem Himmel, auf. Wie er dorthin kommt weiß er nicht. – Ich leider auch nicht! Bis zum Schluss hatte ich gehofft, dass dieses Rätsel um die Wiederauferstehung gelöst würde, doch nicht einmal der geringste Hinweis darauf wird gegeben. Adolf selbst scheint dies auch ziemlich egal, denn er versucht gar nicht es heraus zu finden. Schade …

~ Schreibstil ~

Erzählt wird aus der Sicht von Adolf oder besser, Hitler erzählt hier selbst. Von seinem Erwachen über seine Auftritte bis hin zu seinem Weg nach oben. Dies hat den Vorteil das der Leser seine Gedanken erfährt. Was andere über ihn denken erfährt man aus Gesprächen die er mit anderen führt. Natürlich (?) sind ihm nicht alle Menschen freundlich gesinnt.

Da Adi nicht mehr der Jüngste ist, benutzt er teilweise eine antiquarische Sprache, dennoch lässt sich dieser Roman flüssig lesen.

Durch die Einteilung in kleinere Kapitel, könnte man eine längere Pause einlegen, ohne „den Faden“ zu verlieren.

~ Preis ~

Der Preis liegt bei 19,33 €. Ungewöhnlich, aber kein Zufall!

(Versteht ihr nicht? Lasst das Komma einfach mal weg… ;))

~ Fazit ~

Ein Roman welches gemischte Gefühle bei mir auslöste. Wenn man es mit Verstand liest entlockt es durchaus viele Lacher.

Super finde ich, dass viele „echte“ geschichtliche Hintergründe in den Roman eingeflossen sind. Hier hatte ich als Leserin das Gefühl, dass der Autor weiß wovon er schreibt. Es war auch nicht zu trocken, sondern gut verpackt, z.B. in Gespräche oder in Gedanken Hitlers.

Eine schöne Satire mit ernstem Hintergrund.

Meine Anerkennung gebührt besonders in einem Punkt dem Autoren: Obwohl Vermes selbst Journalist ist, kann er über diese Branche Witze machen.

ErIstWiederDa

~ über den Autor ~

Timor Vermes kam 1967 in Nürnberg zur Welt. Sein Vater war 1956 nach Niederschlagung des Volksaufstandes aus Ungarn geflohen, seine Mutter ist Deutsche. Nach dem Abitur studierte er in Erlangen Geschichte und Politik. Seither ist er als Journalist für Boulevardzeitungen wie die Münchner Abendzeitung oder den Kölner Express sowie verschiedene Magazine tätig.

Freundschaft vs. Macht

Hartmut Mechtel

Die Gier-Community

Verlag: avedition
Erscheinungsjahr: 2001
Seiten: 189
ISBN: 3-929638-58-4

 

~Klappentext ~

Die Freunde, die die Webdesignfirma „Gateway“ gegründet haben, sind sehr unterschiedlich: Der eine kommt aus der Hackerszene, ein anderer ist Visonär, der dritte kann repräsentieren, der vierte hält als Ökonom die Firma zusammen. Über der Frage, ob sie den Börsengang riskieren sollen, zerstreiten sie sich. Doch auch im streit ist die Welt noch in Ordnung. Bis der Repräsentant ermordet wird und der Träumer zu ermitteln beginnt, weil er selbst in Verdacht gerät. Dabei muss ersein geschöntes Bild von „Gateway“ korrigieren: Hinter der gelackten Fassade verbergen sich Abgründe, die ihn in Lebensgefahr bringen.

~ Eindrücke / Meinung ~

Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte war mein erster Gedanke: Ach du meine Güte, Börse, das wird stinklangweilig! Doch ich wurde positiv überrascht und habe dieses Buch in einem Zug durchgelesen. (Bei unter 200 Seiten allerdings auch keine Glanzleistung.)

Die Charaktere sind wirklich total unterschiedlich, so das es schon wundert das die Freunde tatsächlich in der Lage sind eine Firma zu führen. Wie so oft im Leben gibt es einen unter ihnen der sich nicht mit dem zufrieden geben will was er hat. Bei einer Vorstandssitzung schlägt er einen Börsengang vor. Sein Vorschlag wird gemischt aufgenommen, Letztenendes aber abgelehnt. Alles läuft weiter wie bisher.

Eines morgens wird eine Leiche in der Firma gefunden – Norbert, der Repräsentant von „Gateway“. Die Polizei ermittelt und scheint eine heiße Spur zu haben., doch der Verdächtige denkt nicht daran seine Freiheit aufs Spiel zu setzen und fängt mit eigenen Ermittlungen an. Was er dabei herausfindet schockiert ihn nicht nur, sondern bringt ihn auch ins Lebensgefahr.

Für mich als Leser war es äußert spannend, denn immer wenn ich glaubte zu wissen was passiert kam es ganz anders. Überraschungseffekt pur und damit auch viel Spannung. Dazu kam immer wieder der ermittelnde Polizist der steif und fest der Überzeugung war seinen Täter längst gefunden zu haben.

Der Schreibstil ist recht locker, nichts besonders, und lässt sich flüssig lesen.
Da das Buch in Kapitel aufgeteilt ist kann man es auch gut mal aus der Hand legen.

Besonders praktisch ist das feste Lesezeihen, ein rotes Band, welches in den Buchrücken eingenäht ist.

~ Fazit ~
Ein Krimi der aufzeigt worum es in der heutigen (leider zu oft) Zeit geht: Geld, Macht und Ruhm. Was bedeuten da noch Werte wie Freundschaft, Ehre und Liebe? Ein Roman der zum Nachdenken anregt – und das nicht nur über die Frage wer hier der wirkliche Täter ist.

GierCommunity

Taschentuchalarm. Herzschmerz pur.

Jojo Moyes

Ein ganzes halbes Jahr

Verlag: Rowohlt

Erscheinungsjahr:2013

Seiten: 527

ISBN: 978-3-499-26703-1

 

~ Vorgeplänkel ~

Wie meine treuen Leser bereits wissen bevorzuge ich Horrorbücher oder Psychothriller. Auf die Idee eine Liebesgeschichte zu kaufen würde ich auf keinen Fall kommen. (Außer vielleicht zum Verschenken.) Meine Glücksfee fand dies anscheinend nicht so toll und sorgte dafür, dass ich ein eben solches Buch gewann.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal wirklich warum ich dieses Buch überhaupt gelesen habe. Was ich jedoch weiß, dass ich es nicht bereut habe!

~ Das Cover ~

Bei diesem Roman möchte ich auf das Cover eingehen, denn ich finde es wirklich sehr schön. Das Motiv zeigt einen Schattenschnitt. Eine Frau die auf einer Wiese einen Vogel fliegen lässt. (Nachdem ich das Buch gelesen hatte wusste ich was die Autorin damit sagen wollte: Was du liebst lass frei…) Der Titel ist ebenfall schwarz, aber herausgehoben. Er ist, im wahrsten Sinne des Wortes, fühlbar. Alles ist untermalt von roten Mohnblumenblüten. (Ich liebe Klatschmohn. ;))

~ Klappentext ~

Lou & Will

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagsseite unter:

http://www.rowohlt.de/fm/131/Moyes_Ein_ganzes_halbes_Jahr.pdf

~ Eigene Zusammenfassung  ~

Will ist erfolgreicher Geschäftsführer, Sportler und Lebensgenießer. Als er eines Tages die Straße überquert wird er angefahren. Sein Leben ändert sich. Von jetzt auf gleich. Will sitzt von nun an im Rollstuhl. Bis auf, sehr eingeschränkt, eine Hand und seinen Kopf kann er nichts mehr bewegen. Vielleicht noch schlimmer: Will ist 24 Stunden/ Tag auf Betreuung angewiesen.

Er verliert den Lebensmut, denn es ist sicher: Sein Gesundheitszustand wird im Laufe der Jahre immer schlimmer. Eine Besserung ist medizinisch bisher nicht möglich. Sein Pfleger Nathan weiß dieses und versucht gar nicht erst etwas schön zu reden. Für Will ist es kein Leben. Er beschließt den einzigen für ihn richtigen Weg zu gehen: Den Weg in eine Sterbeklinik.

Seine Eltern lieben ihn und möchten ihn nicht gehen lassen. So entsteht ein Deal: Will gewährt ihnen ein halbes Jahr. Diese sechs Monate nutzen diese um Louisa einzustellen. Sie soll Will von seinem Vorhaben abbringen. – Doch das weiß sie nicht.

Für Lou ist ihr „Pflegefall“ ein absoluter Miesepeter und sie hasst ihren Job. Doch dann beginnt sie eine andere Seite an Will zu entdecken, eine Seite die alle längst verloren glaubten …

~ Eindrücke / Meinung ~

Schon alleine die Vorstellung nie mehr laufen zu können finde ich schrecklich, doch die Gewissheit die Will hat auf für immer auf Hilfe angewiesen zu sein ist einfach nur grauenvoll. Nichts mehr machen können, nicht einmal mehr auf die Toilette gehen oder sich kratzen. Ganz banale Dinge die von jetzt auf gleich nicht mehr möglich sind. Das wünsche ich wirklich niemanden. Vielleicht ging mir die Geschichte deswegen so nahe.

Sehr schön finde ich das die Autorin nichts beschönigt. So erklärt Pfleger Nathan Louisa zum Beispiel, dass es Will nie besser gehen wird.

„[…] Aber Sie machen doch Physiotherapie und so weiter mit ihm.“ „Damit soll seine körperliche Verfassung aufrechterhalten werden – um den Muskelschwund und die Entmineralisierung der Knochen aufzuhalten und damit seine Beine beweglich bleiben, dafür machen wir das.“ Als er weitersprach, war seine  Stimme sanft, als fürchtete er, mich zu enttäuschen. „Er wird nie wieder laufen können, Louisa. So was passiert nur im Kino. […]“ (S. 105)

Ich finde es besonders toll, dass Moyes es geschafft hat neben der ganzen Tragweite eines Unfalls und dessen Folge auch immer wieder eine Prise Humor einzustreuen. Selbst Will hat Momente in denen er lacht, strahlt und immer öfter auch sarkastisch ist. Die Behinderung ist immer Thema, dennoch gibt es Momente in denen einfach „gelebt“ wird. Es ist unglaublich faszinierend was Lou sich alles ausdenkt um Will davon zu überzeugen, dass sich dieses Leben lohnt. Auch sie selbst lernt dabei eine ganze Menge. Besonders über sich selbst.

„[…] Ich stellte fest, dass die Beklemmung, die mich den ganzen Tag beherrscht hatte, mit jeder Bewerkung Wills weiter abflaute. Ich fühlte mich nicht mehr so, als wäre ich ganz allein für einen hilflosen Querschnittsgelähmten verantwortlich. Ich saß einfach da, neben einem besonders sarkastischen Kerl, und unterhielt mich mit ihm. […]“ (S. 126)

Die Charakter sind super ausgearbeitet. Ich konnte mich in jeden hinein versetzen. Es war immer so, als würden sie direkt vor mir stehen und ich sie schon lange kennen. Ein Lächeln zauberte mir Lou’s Vater mit diesen Sätzen ins Gesicht: „Hey. Wir finden schon einen Weg. Wir finden doch immer einen Weg. oder?“ (S. 485) Genau DAS hat meine Mutter immer gesagt, wenn uns das Schicksal mal wieder übel mitspielte. – Und sie hatte Recht. Bis heute haben wir immer einen Weg gefunden. 😉

Der Schreibstil ist ausschmückend. Meist erzählt Lou dem Leser was passierte. Zwischendurch ändert sich die Perspektive und es erzählt z.B. Nathan oder Wills Mutter. Glücklicherweise wird dies am Anfang eines Kapitels deutlich, da sich dann dort der Name des aktuellen Erzählers befindet. Ich hätte die Geschichte gerne mehr aus Sicht von Will gesehen oder vielleicht im Wechsel zwischen Lou und Will. Oft fragte ich mich welche Gedanken er wohl in einer bestimmten Situation hatte. Zwar wird dies teilweise in Gesprächen wiedergegeben, doch es „von ihm selbst“ zu lesen hätte sich sicher anders angefühlt. Dadurch das dieser Roman in kleinere Kapitel aufgeteilt ist, konnte ich ihn zwischendrin mal aus der Hand legen ohne den Zusammenhang zu verlieren.

~ Fazit ~

Das brisante Thema Sterbehilfe, Vor- und Nachteile, emotional und dennoch sachlich romantisch verpackt. Dieser Roman geht nicht nur ans Herz, sondern auch an die Nieren. Selten lege ich ein Buch einen Moment an die Seite um das gelesen zu verdauen. Bei diesem Werk ging es gar nicht anders. Ich hatte einen Kloß im Hals, ein Stechen im Herz, Tränen in den Augen, ein Lächeln im Gesicht… Das Auf- und Ab ging mir sehr nahe.

Für mich ein Drama und keine Liebesgeschichte. Ein wundervolles, wenn auch schwermütiges, Buch.

IMAG0130