Bücher (Rezensionen)

Eine Spur des Todes zieht sich durch das Land …

George R. R. Martin

Das Lied von Eis und Feuer (3)

Der Thron der Sieben Königreiche

Verlag: blanvalet
Erscheinungsjahr: 2011
Seiten: 574
ISBN: 978-3-442-26822-1

~ Klappentext ~

Zehn Jahre dauert der Sommer in Westeros, und genauso lange währte die Zeit des Friedens in den Sieben Königreichen. Doch nun hält der grimmige Winter Einzug, und in seinem Gefolge brechen schlimme Zeiten an. Robert Baratheon, der König auf dem Eisenthron, und Lord Eddard Stark, der Lord von Winterfell, sind tot. Sie wurden Opfer einer Intrige, deren Ausmaß noch gar nicht abzuschätzen ist.

Für Eddards Sohn Robb bedeutet dies, dass er im Alter von grade einmal fünfzehn Jahren die Herrschaft über Winterfell – und damit über den ganzen Norden von Westeros – antreten muss. Und noch während er um die Anerkennung und den Respekt seiner Untertanen ringt, bricht im Reich ein Bürgerkrieg aus.

Joffrey, der grausame Sohn von Königin Cersei, hat den Thron bestiegen, auf dem vor ihm Robert Baratheoon gesessen hatte. Doch auch Stannis und Renly Baratheon, seine Brüder, machen ihre Ansprüche geltend – und nicht nur sie. Überall in den Sieben Königreichen werden Pläne geschmiedet, denn die Anwärter auf den Eisenthron sind zahlreich – und keiner von ihnen schreckt vor Krieg und Aufruhr zurück, um seine Pläne in die Tat umzusetzen.

Robb Stark hat keine andere Wahl, als sich in dem Konflikt zunächst auf Joffreys Seite zu schlagen, denn der junge König hält seine Schwestern als Geiseln.

Und während die mächtigen Häuser um die Macht in dem zerrissenen Land streiten und ein verhängnisvolles Omen am Himmel erscheint, wächst hoch im Norden, jenseits der Mauer, eine noch viel größere Gefahr heran …

(Ich persönlich finde den Klappentext viel zu lang. Im großen und ganzen verrät er auch schon was eigentlich passiert. Den knappen Rückblick, für Leser bei denen die vorherigen Teile bereits länger her sind, ist vollkommen okay. Aber ich möchte mit einem Klappentext neugierig gemacht werden und nicht schon vorher wissen wie das ein oder andre Ereignis sich wendet…)

~ Eigene Zusammenfassung ~

Mit dem Sommer endete nach zehn Jahren auch der Frieden. Robert Baratheon herrschte als König auf dem eisernen Thron, seine rechte Hand und treuer Freund Eddard Stark weilte an seiner Seite. Jetzt sind beide Tot und der Kampf um den Thron ist entbrannt.

Auf ihm sitzt Joffrey, der Sohn von Königin Cersei. Ein grausamer Junge, dem alle Mittel recht sind um seine Ziele zu erreichen.

Nedds Sohn Robb, hat seit dem Tod seines Vaters die Verantwortung für das nördliche Königreich. Mit grade einmal 15 Jahren eine sehr große Verantwort. Doch als wäre das nicht schon eine große Bürde, ruft das Volk ihn auch noch zum König des Nordens aus. Robb nimmt an, denn er will Rache. Rache für die Verstümmlung seines Bruders und den Tod seines Vaters.

Sansa und Aria befinden sich in Joffreys Gewalt, zumindest muss Robb davon ausgehen, so dass Robb Stark nicht einfach ins Reich marschieren und den König stürzen kann. Um seine Schwestern zu retten, versucht er mit den Lannisters einen Kompromiss zu schließen.

Während Aria versucht nach Winterfell zu kommen, ist Sansa in Joffreys Armen gefangen, denn sie ist die Verlobte des neuen Königs. Doch da ihr Vater als Verräter hingerichtet wurde, nutzt der junge König jede Gelegenheit um seine Laune an ihr auszulassen. So wird sie regelmäßig von seinen Untergeben gezüchtigt – auch nackt auf dem Burghof, so dass jeder sehen kann, was mit Verrätern und denen die zu ihnen halten geschieht.

Doch auch Stannis Baratheon (zweitältester Bruder von König Robert) hat sich selbst zum König ernannt. Er lässt verkünden, dass Joffrey ein Bastard ist und somit keinen rechtmäßigen Anspruch auf den Thron hat.

Robert hat jedoch noch einen vierten Bruder und auch Renly Baratheon versucht sich den Thron zu erkämpfen.

Inzwischen ist im ganzen Land die Rede vom „Krieg der fünf Könige“. Fünf? Ja, denn auf den Eiseninseln hat Baron Graufreund sich ebenfalls zum König gemacht. Er schickt seinen Sohn Theon zurück nach Winterfell, da er dort als Mündel aufwuchs, um das Land für sich einzunehmen. Robb wird gezwungen einen Zweifrontenkrieg zu führen.

Catelyn Stark scheint die einzige zu sein, die sieht, dass nur eine Alianz den Sieg bringen kann. Doch statt auf Gehör, stößt sie auf Vorwürfe und gerät in Gefahr bald selbst ihren Kopf zu verlieren.

Während alle Lande sich gegenseitig zu bekämpfen scheinen, sehen sie die größte Gefahr nicht: Daenerys Targaryen, die letzte der Drachenkönige, hat sich mit ihren drei Drachen auf den Weg gemacht …

~ Eindrücke / Meinung ~

In diesen Landen herrscht eine andere Zeitrechnung. Jahreszeiten dauern, im wahrsten Sinne, Jahre. Wer noch nicht mit dieser Welt vertraut ist, für den kann es durchaus etwas verwirrend werden. Der Autor schafft es jedoch sich konsequent an diese Zeitrechnung zu halten. – Und ich finde, es ist endlich mal etwas anderes.

„Zehn Jahre, zwei Drehungen und sechzehn Tage hat er gedauert, der längste Sommer seit Menschengedenken.“ (S. 12)

Während des ganzen Roman stößt man als Leser immer wieder auf kleine Hinweise, die einen ahnen lassen wie es weiter geht. Allerdings sind sie gut versteckt und man sollte auch „zwischen den Zeilen lesen“ können. Ich finde es sehr gut, da ich keine vorausschaubaren Romane mag, mich auf der anderen Seite aber immer freue, wenn sich meine Verdacht bestätigt hat. (Ihr kennt sicher alles dieses: „Hah! Hab‘ ich’s doch gewusst!“

Flickenfratz, ein Hofnarr, singt immer wieder ein unheimliches Lied:

„Die Schatten kommen zum Tanzen, Mylord …“ (z.B. S. 16)

Der Bürgerkrieg forderte seine Opfer, nicht nur in Form von Toten. So leidet das Volk z.B. auch unter Armut und Hunger. Unter einem Krieg, egal wie klein, leiden alle, aber vor allen Dingen das „einfache Volk“. Sehr schön finde ich, dass der Autor eben dies nicht vergessen hat. Sehr schön und detailreich hat er eben diese Situationen umschrieben.

„Auf den Märkten drängten sich zerlumpte Männer, die alle möglichen Haushaltsgegenstände zu jedem Preis verkauften, den sie erzielen konnten, und augenfällig war die Abwesenheit der Bauern, die sonst ihre Ernte feil boten. Was auch immer man an Waren sah, sie waren mindestens dreimal so teuer wie im vergangenem Jahr. Ein Händler pries gebratene Ratten auf einem Spieß an.“ (S. 83)

Auch die nötige Portion Erotik kommt nicht zu kurz. Um genau zu sein, gibt es sogar eine ganze Menge Sex in diesem Buch. Glücklicherweise wirkt er dabei nicht billig, sondern fördert das Kopfkino.

„Shae bückte sich, packte ihr Kleid am Saum, zog es über den Kopf und warf es zur Seite. Für Unterwäsche hatte sie nicht viel übrig.“ (S.89)

„Zunächst war sie zaghaft, lernte jedoch schnell für ein solch dummes Ding, was ihn erfreute. Ihr Mund war ebenso feucht und angenehm wie ihre Scham, und auf diese Weise brauchte er ihr sinnloses Geschwätz nicht über sich ergehen lassen.“ (S.211)

Andere Stellen gehen schon eher in eine Richtung, für die der Leser auf keinen Fall prüde sein darf. Überhaupt durchzieht diesen Roman von der ersten bis zur letzten Seite eine knisternde Erotik und jede Menge Sex.

„Wenn ich mit meinem Schwanz beten könnte, würde ich vielleicht noch religiös.“ (S. 294)

„Meine Augen können euer Gesicht sehen. Meine Ohren hören euer Lachen. Und mein Gemächt ist so hart wie ein Mast.“ (S. 461)

Ich persönlich mag diese Mischung. Grade wenn man bedenkt, in welcher Zeitepoche diese Geschichten etwas spielen. Eine Mischung aus Verlangen und Vergewaltigungen, Lust und Leid.

Es gibt sehr viele Charaktere in diesem Roman und obwohl ich bereits die ersten zwei Bände gelesen habe, geriet ich zwischendurch ins stocken. Wie gut das sich am Ende des Buches ein Anhang mit den ganzen Häusern, sowie deren zugehörigen Mitgliedern befindet. Ohne wäre es viel zu verwirrend, doch dieses „Problem“ wurde gut behoben.

Sansa ist eine Gefangene ihrer eigenen Gefühle. Sie ist Joeffreys Verlobte. „Damals“ war sie total in ihn verliebt, doch dann wurde ihr Vater des Hochverrats bezichtigt und geköpft – vor ihren Augen. Der König tut alles dafür, auch die Tochter für den Verrat zu bestrafen – und das obwohl Sansa, durch ihre damalige Liebe, ihren eigenen Vater ausgeliefert hat. Ihre Liebe ist längst verfolgen und sie hasst Joeffrey für das was er getan hat, doch es gibt kein Entkommen und so versucht sie sich einem Leben in Demut anzupassen. Vor jedem Wort muss sie genau überlegen, denn sagt sie etwas was dem König nicht gefällt, lässt er sie verprügeln. In den vorangegangen Romanen war Sansa mir unsympathisch, ich bin irgendwie nicht mir ihr warm geworden. Doch dadurch, dass ich ihre Qualen mitverfolgt habe, ist sie für mich ein wenig „menschlicher“. Der Autor hat es geschafft das kleine Mädchen von einer naiven verwöhnten Zicke zu einem wehrlosen Opfer werden zu lassen, welches mit jedem Schlag das es einstecken muss, an sich wächst. Von Seite zu Seite erscheint sie mir menschlicher, Eine tolle Leistung.

„Was konnte es bedeuten? Sollte sie die Botschaft zur Königin bringen, um damit zu beweisen, wie treu ergeben sie war? … Er hatte einen gepanzerten Handschuh getragen, als er sie geschlagen hatte. … Sie musste lernen, ihre Gefühle besser zu verbergen und Joffrey nicht zu verärgern.“ (S. 343)

Ihre Schwester Arya war mir von unserem ersten Kennen lernen gleich sympathisch. Sie will mit dem ganzen Edelgetue am liebsten nichts zu tun haben, trägt Hosen statt Röcke und besitzt ein eigenes Schwert mit dem sie hervorragend umzugehen weiß. Im Gegensatz zu Sansa hat Arya  ganz andere Probleme. Sie hat es geschafft aus der Burg zu fliehen und versucht nach Winterfell zurück zu kommen. – Als Junge! Da es Frauen nicht gestattet ist zu kämpfen, ein genialer Plan. (Man kennt es ja bereits aus der Geschichte um Jean Darc.) Sehr zu meiner Freude hat der Autor hier nicht die Probleme vergessen, die sich dabei ergeben und sogar Kleinigkeiten bedacht. – Beispielsweise da urinieren. Eine banale Sache, die aber manchmal umständlich wird, wenn ER eigentlich eine SIE ist …

„[…] Falls du Hilfe brauchst, bellst du wie ein Hund.“ „Das ist doch albern. Wenn ich Hilfe brauche, schrie ich Hilf.“ (S. 367)

Trotz allem Problemen und Kämpfen kommt auch der Humor nicht zu kurz. An vielen Stellen musste ich lachen oder schmunzeln. Ob nun ein komisches Ereignis oder zynische Sprüche der Charaktere. Eine tolle Auflockerung.

„Der Mantel war ihm viel zu lang, da er für einen doppelt so großen Mann angefertigt worden war. Saß er nicht zu Pferde, konnte er ihn nur tragen, indem er sich in mehrmals um den Bauch schlang, und dann sah er aus wie eine gestreifte Fellkugel.“ (S. 376)

Ich habe die vorangegangene Romane gelesen und kann mit Bestimmtheit sagen, dass der Autor hier sämtliche angefangene Handlungsfäden weitergesponnen hat. Ich erfuhr was mit den Schwestern geschah, wie Drachen die Welt entdecken und wie Rachegelüste und Intrigen Familien spalten. Obwohl, oder vielleicht auch grade weil, ich bereits Hintergrundinformationen aus den anderen Romanen hatte, blieb es, bis zum Ende spannend.

(Ich habe dieses dicke Buch innerhalb einer Woche durchgelesen. Schätze das sagt schon einiges über diesen Roman aus. ;))

Der Schreibstil ist leicht anspruchsvoll, dennoch lässt er sich flüssig lesen. Ein Fremdwörterbuch benötigte ich glücklicherweise nicht.

~ Fazit ~

Auf Grund sehr vieler parallel laufender Handlungen, sowie vielen vielen Charakteren, teilweise etwas verwirrend. Der Anhang rettet den Leser jedoch vor völliger Verzweiflung, denn grade die vielen parallel laufenden Handlungsstränge sind es, die diesen Roman spannend machen.

Für Fantasyfans, die mal nicht von Elfen und Trollen lesen wollen sehr zu empfehlen. Allerdings sollte der Leser sich zuvor informieren, was in den vorangegangen Teilen passiert ist, da die Handlungen sehr komplex sind. Auch sollte man sich bewusst sein, dass dieser Roman keine „Zwischendurchlektüre“ ist, sondern einen gewissen Anspruch voraus setzt.

Ich für meinen Teil, habe den vierten Teil bereits in meinem Regal stehen. 😉

Ein Gedanke zu „Eine Spur des Todes zieht sich durch das Land …“

  1. Hach, eine tolle Buchreihe. Ich habe Band 1 fast ganz durch. Die anderen 9 habe ich bereits in meinem Regal stehen. Auch die Serie habe ich bis Staffel 3 geschaut. Und ich muss sagen, ich liebe „Das Lied von Eis und Feuer“. All die Charaktere und Handlungen machen das ganze erst recht spannend. Man muss schon aufpassen, das stimmt, aber es macht verdammt viel Spaß die Bücher zu lesen 🙂

    Liebe Grüße,
    Jani

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