Amber & me (Ein sentimentaler Halloweenroman aus der Geisterwelt) [Rezension]

„Was du fühlst ist nie falsch. Dir mag es lästig sein oder unbequem, du magst dich dafür schämen – aber Gefühle sind nie falsch. Und wenn es dir vorkommt, als wärst du verrückt geworden, dann liegt es daran, dass dir der Zusammenhang fehlt, um es einordnen zu können.“ (Dr. Katz zu Amber)

~°~ Das Buch ~°~

Nicole C. Vosseler
In dieser ganz besonderen Nacht

cbj
ISBN: 978-3-570-15534-9
Seiten: 478

~°~ Klappentext ~°~

Nach dem Tod ihrer Mutter muss Amber, die in einer deutschen Kleinstadt gelebt hat, nach San Francisco ziehen – zu ihrem Vater, den sie kaum kennt. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Eines Abends begegnet sie dort in einem leer stehenden Haus Nathaniel, einem seltsam gekleideten Jungen. Er scheint der Einzige zu sein, der sie versteht. Aber er bleibt merkwürdig auf Distanz. Als Amber den Grund dafür erfährt, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg: Nathaniel stammt aus einer anderen Zeit und die beiden können niemals zusammenkommen. Doch in einer ganz besonderen Nacht versuchen die beiden das Unmögliche …

~°~ Eindrücke / Meinung ~°~

>>> ACHTUNG ENTHÄLT SPOILER <<<

Amber lebt in Deutschland. Hier hat sie Freunde und Familie, vor allen ihre Mutter. Doch als ihre Mutter krank wird nimmt auch Ambers Leben eine drastische Wendung. Während ihre Freundin für einen Jungen schwärmt und sich die Eltern des Kumpels streiten, hat sie das Gefühl völlig allein auf der Welt zu sein. Der richtige Alptraum beginnt allerdings erst, als Ambers Mutter stirbt und sie zu ihrem Vater soll. – In die USA! Weg von Familie und Freunden. Auf eine neue Schule in ein neues Land. Das ihr Vater fast nie da und meist nicht mehr als eine Stimme am Telefon war, macht es alles andere als einfach. Amber möchte nicht weg. Schon gar nicht zu ihrem Vater, der sowieso nichts versteht. Ted ist der Meinung, dass seine Tochter zu einer Therapeutin gehen sollte, um all das zu verarbeiten.

„[..] Mir kam es vor, als lebten sie in einer anderen Welt. In der das Schlimmste, was einem zustoßen konnte, darin bestand, dass man wegen der Fünf in Mathe sitzen blieb. Das die Eltern sich scheiden ließen (…) oder häufig stritten (…). Während ich einfach aus dieser Welt heruasgefallen war, hinein in eine, in der eine Mutter von heute auf morgen todkrank werden und niemand etwas dagegen tun konnte. Eine Welt, in der einfach nichts mehr stimmt und in der man ziemlich allein herumhockt, weil man von den anderen wie durch eine Glasscheibe getrennt ist.“ (S. 16)

Wer kann so einen Vergleich besser beurteilen, als jemand, dem ein ähnliches Schicksal zu teil wurde? Bedauerlicherweise gehöre ich zu dieser Gruppe. Als ich 15 Jahre  jung war und die Welt um mich herum sowieso schon schwer genug war (Pubertät, erste dates, Akne, …) erkrankte mein Vater. Krebs. Zwei Tumore im Kleinhirn. – Genau wie bei Amber’s Mum. Genau wie Amber die letzten Wochen mit ihrer Mutter verbrachte, so sah auch ich was diese Krankheit anrichtet. Mein Papa bekam Chemo und es ging ihm wieder gut. Auch wenn er keine Haare mehr auf dem Kopf hatte (was ihm sogar unheimlich gut stand!) war er immer noch der Mann, den meine Mutter (und ich) liebten. Fast ein Jahr konnten wir noch zusammen verbringen, als es dann rasant Berg ab ging. Es tat weh einfach nichts, absolut gar nichts, machen zu können. Am 21. Februar 2007, ein frischer, aber milder Morgen mit Sonnenschein, begann der Tag ohne ihn…. Genau wie Amber habe ich versucht stark zu sein. Allein wegen meiner Mutter, die mich jetzt einfach brauchte. Von einem Tag auf den anderen war meine Jugend vorbei. Ich musste erwachsen werden. Fast nie habe ich geweint. Genau wie Amber. Ich wollte diese Gefühle die tief in mir schlummerten einfach nicht zulassen. Dabei war ich verzweifelt genug, denn es gab niemanden mit dem ich reden konnte, von dem ich mich verstanden fühlte. Erst als ich eine Therapie machte (leider war der Tod nur eines von einer Verkettung vieler schlimmer Ereignisse) konnte ich mich von meinen Schuldgefühlen lösen und endlich weinen. Genau wie Amber hatte ich das Gefühl gar nicht mehr aufhören zu können. Tatsächlich ist alles an Gefühlen und Reaktionen die der Charakter, Amber, bekommt wirklich GENAU SO.
Entweder hat die Autorin wirklich SEHR GUT recherchiert oder selbst einen Verlust erlitten. Leider konnte ich darüber nichts finden. So kam es das ich die Frau Vosseler einfach mal angeschrieben und nachgefragt habe. Sollte ich eine Antwort von ihr erhalten (was ich stark hoffe), werde ich diese hier für euch ergänzen.

Nach und nach lernt Amber sich in ihrer neuen Heimat zurecht zu finden. Sie findet Freunde und verliebt sich sogar. Doch kann sie ihren Freund nicht in die Arme schließen oder küssen, denn er ist ein Geist. Eine verlorene Seele. Irgendwann in seiner Vergangenheit hat Nathaniel sich eine schwere Schuld aufgeladen und kann erst „auf die andere Seite“, wenn er diese bereut. Blöderweise erinnert er sich an fast gar nichts mehr aus seinem Leben.
Amber, und auch ihre Freunde, versuchen Nathaniel zu helfen. Dann erfährt Amber dass es vielleicht eine Möglichkeit gibt, wie sie ihren Geliebten in die Arme schließen kann:
Es gibt eine Nacht im Jahr (die vor Allerheiligen = Halloween) an der Geister eine feste Konsistenz annehmen und, zumindest körperlich, fast keinen Unterschied mehr zu den Lebenden gibt. Trotz aller Gefahren beschließt Amber dieses Risiko einzugehen ….

Die Erzählerperspektive wechselt immer zwischen Amber und Nathaniel. Mal erzählt sie, mal er. Geschrieben ist es etwa wie ein Tagebuch, dadurch fühlt man sich als Leser förmlich in die Charaktere ein und lernt sie, ihre „Seele“, zu verstehen. Auch die Freunde, die Familie, … sämtliche Charaktere haben Tiefgang. Beim lesen war es als würden sie neben mir stehen.
Trotz allem bleibt die nötige Prise Humor erhalten. Meist sind es die Vergleiche sie Amber anstellt, die den Leser zum schmunzeln bringen.

„[…] Und jenseits der Betonbrüstung , die die Zufahrtsstraße vor mir einfasste ließ mich ein kräftiger Windstoß einen Blick durch dichte Sträucher auf ein Labyrinth aus Asphalt erhaschen, das sich dahinter ausdehnte; mehrspurige Straßen, die sich in Kurven, Schleifen und Bögen über- und untereinander hindurchschwanden. Als hätte hier jemand mit großer Begeisterung seine ganz persönliche Vorstellung von seiner Stadt der Zukunft verwirklicht, vermutlich ein Trekkie mit Leib und Seele, der Mister Spock als sein Idol verehrte. […]“ (S. 15)

~°~ Erwischt!?~°~

So toll dieser Roman auch ist, so bin ich leider auch hier auf ein kleines Unverständnis gestoßen.

Auf Seite 85 verläuft Amber sich. Soweit ja nichts ungewöhnliches, immerhin ist sie ja grade erst nach San Francisco gezogen. Als sie bemerkt das sie den Weg nicht findet, hofft sie an einem Geschäft oder einer Bar vorbei zu kommen, wo sie nach dem Weg fragen kann. Auf diese Idee kommt sie, als sie in der Einfahrt der Tiefgarage zu einem Hotel steht.
Finde den Fehler! Ich war zwar noch nie in den USA und habe keine Ahnung wie die Hotels da sind. Aber ich würde vermuten, dass ein junges Mädchen vielleicht von dort ein Taxi rufen darf oder ihr zumindest mit einer Wegbeschreibung geholfen wird!?

~°~ Fazit ~°~

Romantisch ohne dabei kitschig zu sein. Gänsehaut und Spannung ohne Blutvergießen.
Ein wunderschönes Buch, welches zu Tränen rührt.

Neugierig?
Eine Leseprobe findet ihr hier:
http://jugend.nicole-vosseler.de

InDieserGanzBesonderenNacht

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