Erinnerungen, Fotos

Kunst liegt im Auge des Betrachters – Eindrücke eines Tagesaufluges: Worpswede

WorpswedeWorpswede

Schon kurz, nachdem ich nach Bremen zog, fragte ich mich was an „Worpswede“ so toll sein soll. Es sei ein „Künstlerdorf“ hieß es. Sofort dachte ich an kunstvolle Häuser, etwa á la Hundertwasser: bunt, schräg, schrill. Okay, nun mag ich den Hundertwasserstil nicht sonderlich, dennoch war ich neugierig solch ein ganzes Dorf zu entdecken. – Und wie es eben meist so ist, führte mich kein Weg dorthin.

Bis eines Sonntags mein Göttergatte sprach: „Heute zeige ich dir Worpswede. Da wolltest du doch unbedingt mal hin.“ – Und ob ich wollte!!! 😀 Sogar das Wetter war auf unserer Seite, denn die Sonne knallte förmlich vom Himmel herab. (Später zog glücklicherweise noch ein leicht kühler Wind auf.)

Für alle die noch nie etwas von Worpswede gehört haben, kurz ein paar statistische Daten:

Worpswede liegt in Niedersachsen und gehört zum Landkreis Osterholz. (Es liegt etwa 30 km nordöstlich von Bremen.) Auf der Fläche von grade einmal 76,13 m² beherbergt dieser Ort 5.465 Einwohner, also doch eher beschaulich. Seit November 1976 darf sich Worpswede als „Staatlich anerkannter Erholungsort“ bezeichnen. Die meisten Einwohner sind offenkundig CDU-Wähler. (Ausgerechnet!) In Worpswede steht, neben der Landschaft, sehr die Kunst/ das Kunsthandwerk im Vordergrund.

Hat der Name eine Beduetung? Ja! „Worps“ bedeutet Hügel, „Wede“ der Wald. Worpswede bedeutet also „Hügelwald“. Von dem was ich gesehen habe, würde ich sagen: Treffend!

Station 1 – Weyerberg / Findorff-Stein

Ron hat ja ein Talent dazu mich in abgelegene Winkel zu „entführen“. So musste ich schon etwas schmunzeln, als er auf einen kleinen Hügel deutete und erklärte: „Da hoch. Da liegt unser erstes Ziel.“

Bei dem „Hügel“ handelt es sich um den Weyerberg. Er ist 54,4 Meter hoch. Allerdings ist es kein wirklicher Berg, sondern eine aus Sand bestehende Geestinsel, wie sie hier im Norden üblich sind. (Geest = Sandablagerung die während der Eiszeit entstanden und eben etwas höher liegen.)

Auf dem Weg das Hügelchen herauf fiel mir sofort ein Stein auf, der mich total irritierte. Ihr wisst: Wir waren in Worpswede. Auf dem Stein stand aber „Findorff“. Verwirrt las die Aufschrift ein zweites Mal. Eindeutig stand hier Findorff! – Das es sich eben nicht um den Bremer Stadtteil, sondern um eine Person handelt, wollte mir einfach nicht in den Sinn kommen. Jürgen Christian Findorff, für den ein Denkmal errichtet wurde, zu dem eben dieser Stein weist, wurde 1720 geboren und erbrachte besondere Verdienste u.a.- bei der Moorbesiedlung. So trug er auch maßgeblich zur Gründung von Osterholz bei. Findorff galt als „Vater aller Moorbauern“, da er diesen stets mit Rat und Tat zur Seite stand.

Station 2 – Zionisfriedhof

Während anderorts Friedhöfe doch mehr für die Toten errichtet wurden, so laufen auf diesem offenkundig mehr Lebende herum. Es kam mir nicht vor wie ein Ort der Ruhe. Eher wie ein Ort des Gaffens. „Guck mal hier liegt XY und da HIJ! Und hier …“ Vielleicht liegt es daran, dass die Friedhofsverwaltung direkt einen Plan zur Verfügung stellt, damit Besucher gezielt die Gräber von „Berühmten Persönlichkeiten“ aufsuchen können? Auf diesem Friedhof sollen mehr als 80 Kunstmaler, Schriftsteller, Musiker und Kunsthandwerker ihre letzte Ruhestätte gefunden. (Erscheint das etwa viel? Finde ich jetzt nicht. Immerhin handelt es sich hier ja um ein Künstlerdorf!)

Das bekannteste Grab soll das von Paula Modersohn-Beckersein. Das Grabmal „Werden und Vergehen“ wurde zwischen 1916 und 1919 von Bernhard Hoetger errichtet. – – – Sagte ich eingangs „berühmte“ Persönlichkeiten? Also ICH kenne weder die Tote noch ihren Steingeber! (Wen ich nicht kenne, der kann ja nun nicht SO berühmt (gewesen) sein. 😉

Station 3 – Käseglocke

Als ich „Käseglocke“ auf einem Richtungshinweis las, dachte ich an eine Skulptur. Vielleich irgendetwas aus Bronze gegossen oder aus Stein gehauen. Unwissend folgten wir den Pfeilen. Es kam einer Schnitzeljagd gleich, denn die Pfeile führten und immer tiefer in den Wald … Wir begegneten unheimlichen Gestalten: Menschen die uns grüßten!!! o.O.

Dann – plötzlich – standen wir davor. (Na gut, fast.) Ein Schild sagte uns das wir richtig waren. Nur gab es da keine Skulptur. Schulterzuckend sahen wir uns an und lasen auf der Infotafel nach. Aha. Als Käseglocke wird als das Gebäude an sich bezeichnet, da es von der Form her an eine selbige erinnert. Na ja, ein wenig was von einem Hexenhäuschen hat das Holzgebilde schon. Besonders so versteckt im Wald, aber Käseglocke??? Mmhh… Vielleicht hatten die Bewohner ja früher Stinkefüße!? Irgendwo habe ich noch gelesen, das Gebäude sei der Form eines Iglus nachempfunden. Das lasse ich schon eher gelten! 😉

Das Haus steht unter Denkmalschutz und wurde 1926 von Edwin Koenemann, seines Zeichens Schriftsteller, erbaut.

Station 4 – Barkenhoff / Heinrich Vogeler Haus

Ursprünglich handelte es sich hier um einen Bauernhof. 1985 wurde es jedoch vom Künstler Heinrich Vogeler gekauft, der das Gebäude innerhalb weniger Jahre in ein Objekt im Jugendstil verwandelte. Es wird daher auch „Heinrich Vogeler Haus“ genannt. Der Hof wurde schnell zum Mittelpunkt der Worpsweder Künstlerbewegung und nach dem Ersten Weltkrieg diente der Hof als Kommune, Arbeitsschule und als Kinderheim.

Praktischerweise ist es möglich den Hof zu erkunden ohne Eintritt für das Gebäude, in dem sich eine Ausstellung befindet, zahlen zu müssen. (Immerhin muss man 6,- € berappen!)

Auch wenn ich dafür zu geizig war, so muss ich doch gestehen, dass das Gebäude von außen durchaus schön (und kitschig) anmutete. Wir schlenderten durch den, doch recht kleinen, Garten und rasteten in (unter?) einer Art hölzernen Laube, an der Rosen ihren Weg empor schlängelten. Einen wirklichen Ausblick auf den voranliegenden Garten hatten wir jedoch nicht, da die Sicht von einem Nadelbaum versperrt wurde. Schlimm war dies jedoch nicht, denn der Garten war recht verwahrlost und selbst die Laube war kurz vorm auseinanderfallen. – Künstler haben ja nie Geld, besagt ein Klischee …

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Station 5 – Eiscafé Dolomiti

Wie eingangs bereits erwähnt: Die Sonne brannte, die Füße glühten schnell und ich wollte nur noch eines: EIS!!!

Noch etwas unschlüssig, ob es hier so etwas wie eine Eisdiele überhaupt geben würde brachen wir gen Heimweg (oder in diesem Fall besser Auto) auf. Wir hatten zu mindestens einige Cafés entdeckt, die auch Eis auf der Karte hatten. – Aber ja, ich BESTAND auf ein richtiges Eiscafé. (Ich bilde mir immer ein die anderen können das nicht oder es gibt da eben nur Packungseis. ;))

Wie der Zufall es so wollte steuerten wir bei unserem Weg auf eine Eisdiele, als einen „richtige“ zu. Juhu!!! Auf der schattigen Terasse gab es eine „Cannone“ für Ron und einen „Waldbeerbecher“ für mich. Das war wirklich sehr lecker und tat nach der ganzen Lauferei in der Hitze verdammt gut! Der Tag war gerettet! 😀

Station 6 – Briefkasten ^^

EINE letzte Station sollte es aber noch geben. Immerhin befand ich mich, sozusagen, im Ausland. Was lag da näher als meinem Bruderherz eine Karte zu schicken??? In einem kleinen Lädchen gab esWorpswede wenige Ansichts-, dafür aber viele Kunstpostkarten. Da ich als Ansichtskarte höchstens einen Buddha für würdig erachtete, griff ich zu einer Kunstpostkarte. Auf der war das Bildnis einer nackten jungen Frau zu sehen, die einen Apfel in die Luft streckt. „Das passt!“ stimmt Ron mir zu und wir schrieben so etwa kreatives wie >>Liebe Grüße aus dem „idyllischem“ Worpswede<< auf die Rückseite. – – – Idyllisch ist in diesem Fall mit „langweilig“ gleichzusetzen, klingt nur besser. Leider wies mein Schatz mich zu spät darauf hin, dass ich auch hätte „malerisch“ schreiben können….

Ja, abschließend bleibt mir nur ein Fazit:

Worpswede IST malerisch, denn mit dem WAS es hat, ist es genauso langweilig wie ein ausdrucksloses Bild an der Wand!

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Ein Gedanke zu „Kunst liegt im Auge des Betrachters – Eindrücke eines Tagesaufluges: Worpswede“

  1. Licht ist sein Loos,
    ist der Herr nur das Herz und die Hand des Bau’s,
    mit den Linden im Land
    wird auch sein Haus schattig und groß

    das hat R.M.Rilke an Heinrich Vogelers Hauswand in Worpswede gedichtet und
    vielleicht macht das einen guten Teil der Worpsweder Magie aus?

    danke für Deinen interessanten und aufschlussreichen Reisebericht auch wenn der Tourismus und Kommerz der Romantik Abbruch getan haben mag.
    Ich war letztens im Kölner Dom und konnte vor lauter Menschen kaum was sehen. 😉

    Grüße von der Karfunkelfee

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