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Mut zu Hässlichkeit? Mut zur Natürlichkeit!

Es war einmal …

… eine 32 jähirge Frau die auf einer Social Mediaplattform aktiv war. Sie kommt aus der Schweiz. Nennen wir sie Yvonne. Yvonne Meier.

Yvi ist eine lebenslustige Frau, sie mag ihr Leben und steht zu dem was sie sagt und tut. Sie ist „normal“, „Durschschnitt“ und irgendwie doch anderes.

Im Internet stellten die Meisten, sieht man einmal von Partyfotos ab, nur Fotos ein auf denen sie auch „gut“/ „vorteilhaft“ aussehen. Auch Yvonne hatte so ein (bearbeitetes) Foto als Profilbild.

Eines Tages entschied sie sich es zu ändern. Sie wollte etwas das sie „wirklich“ zeigt und lud ein anderes Foto hoch. Unbearbeitet und ohne Make Up.

Yvonne Links das bearbeitete Bild / rechts die ungeschminkte Schönheit ;)
Yvonne
Links das bearbeitete Bild / rechts die ungeschminkte Schönheit 😉

Nun gibt es da draußen aber auch Menschen die damit total überfordert sind. Wie sollte es auch anders sein, wo einem von Plakten und aus Hochglanzmagazinen nur Barbieschönheiten entgegen blicken? Die „Jugend“ ist da offenbar geschädigt. Auch verbal. Denn Yvi bekam schnell einen Kommentar:

fbNun hätte sie den Kommentar einfach löschen können oder ignorieren. Doch Yvonne entscheid sich für etwas anderes: Aufklärung!

Sie schrieb was ihr durch den Kopf ging ohne sich dabei auf die gleiche Stufe des 18jährigen Jungen zu stellen. Mit freundlicher Genehmigung von Yvonne darf euch den Brief hier zeigen:

Hahaha. Jösses. Ach ja. Ich hatte, als ich das Bild ohne Make-Up von mir postete, vergessen, dass da draussen ja eine ganze Menge Idioten rumlaufen. Solche, die ihrer eigenen Existenz in Online-Foren und auf Facebook irgendwie mehr Gewicht verleihen wollen, indem sie andere unbekannterweise beleidigen oder abwerten.

Eigentlich reagiere ich auf sowas nicht, habe mir nun aber schnell dein Facebook-Profil angesehen, welches mir verraten hat, dass du 18 Jahre alt bist. Achtzehn. Wärst du noch zwei Jahre jünger, wärst du genau halb so alt wie ich und technisch gesehen könntest du fast mein Sohn sein (bhüet mi de Hüehnervogel). Deshalb hat mich nun ein mütterlicher Instinkt dazu getrieben, dir folgende Zeilen zu schreiben:

Lieber Junge

1. Bitte werde kein Arschloch. Du bist auf bestem Weg dazu. Noch hast du die Nachwehen der Pubertät als Ausrede, aber glaube mir, solche Dinge können einreissen und haften bleiben. Und dann bist du plötzlich 35 und findest noch immer, dass Frauen auch morgens um 6 frisch fönfrisiert, geschminkt und wohlriechend neben dir aufzuwachen haben, dann ins Bad huschen sollen, nachdem sie dir einen Blowjob verpasst haben – ins Bettlaken gehüllt, natürlich, damit du ihre Cellulite nicht sehen musst – um kurz darauf mit einem Kaffee, einem Gipfeli und eventuell einem weiteren Blowjob am Bettrand wieder aufzutauchen.
Bitte werde nicht so! Um deiner selbst Willen! Solche Männer haben bei erwachsenen Frauen mit nur einem Funken Selbstwert etwa soviel Chancen wie Christoph Blocher bei Miley Cyrus.

2. Menschen beleidigen ist Vollscheisse. Du bist alt genug, um abstimmen zu gehen, du bist alt genug, um Auto zu fahren – beides Dinge, bei denen du Verantwortung für andere Menschen übernimmst. Eine solche Verantwortung hat man auch im Alltag, ob du’s glaubst oder nicht. Ist nicht grade zwischen Euch jungen Männern „Respekt“ so ein grosses Thema? Wie in den Songs von Bushido und Sido und anderen –idos? Glaubst du tatsächlich, Respekt geht nur in eine Richtung, nämlich in deine? Ich könnte hier nun eine Abhandlung darüber verfassen, wie mangelnder Respekt den Charakter zerstört, beschränke mich aber auf das, was für dich zählt: Die Girls finden’s unsexy. Also riiss di mal zäme!

3. Ich nehme an, dass du irgendwann eine Beziehung willst – natürlich erst, nachdem du ganz viele Girls flachgelegt und all deinen Homies davon erzählt hast (Theorie: 15 Girls, Praxis: 2,5 Girls). Und ich nehme an, dass die Dame, der dereinst dein Herz geschenkt werden soll, mindestens eine Gisèle Bündchen sein soll (was ich durchaus verstehe). Aber a) ist auch Gisèle ohne Make-Up imfall nicht ganz so schön wie nach 7 Stunden Photoshop. Und b) wie interessant erscheint dir eine Frau, die auf einen Typen steht, der andere Frauen einfach so als „Bitch“ bezeichnet? Als „grusigi sau“?

Lieber Junge, noch einmal: Bitte werde kein Arschloch. Heute um 12.44 warst du eins. Ich selber habe die Ruhe, sowas mit einem Lächeln abzutun, aber das hat nicht jede/r – solche Messages können ganz übel weh tun. Und ich hätte dir, basierend auf den Infos auf deiner Facebook-Seite (Alte, lösch dini Adrässe und Telefonnummere use, for God’s sake!), ganz anders die Nähte eintun können, glaub mir – und: ich hätte dir genau DAS Gefühl geben können, welches du mir mit deiner Nachricht hast geben wollen: Hässlich und wertlos zu sein. Tu’ ich aber nicht. Weils doof ist und niedrig.

So, in der Gewissheit, dass diese Nachricht eventuell rein gar nichts an deiner Einstellung ändert und du halt immer noch einfach ein 18jähriger Purscht bist: Mach’ bitte einfach Safer Sex.

Vill Liebi, Pony

 Natürlich kann ich nur für mich sprechen, aber ich finde es großartig und habe Yvonne meinen Respekt ausgesprochen. Warum „den Kopf in den Sand stecken“? Klar, vermutlich geht es den meisten Kommentatoren mit solch plumpen Aussagen am Allerwertesten vorbei. Aber DIESER Kommentar, samt Yvi’s Antwort ging vielleicht nicht durch die Welt, aber zumindest durch durchsprachige Foren in der EU. Und wie ihr seht „muss“ auch ich unbedingt darüber berichten, denn ich finde es ist ein kleines „Mut machen“. Einfach zu dem zu stehen was und wie man WIRKLICH ist. – Ja, auch ich bin weder eine Schönheit noch hoch intelligent. Klar, mich stört auch das ein oder andere an mir. (An einigigen Tagen auch ein wenig mehr… Grade in den letzten Tagen bekomme ich, zwar blumig verpackt, aber ins Gesicht gesagt das ich fett bin… 1,76 m/ 77 kg).  Aber das ich mir jetzt eine Hochglanzeite an den Kühlschrank hefte und mir den Finger in den Hals stecke? Nee! Ich bin eben „einfach ich“.

SEI DU!!!

13 Gedanken zu „Mut zu Hässlichkeit? Mut zur Natürlichkeit!“

  1. danke für diesen beitrag. das sowieso mies geprägte geschlechterbild von wegen männer-dürfen-urteilen und frauen-haben-hübsch(?)-zu-sein wird durch social media noch mehr verstärkt, weil sich dann eben solche bubis bzw. leider auch mädels (egal ob 18 oder 30 …) auch noch hinter der tastatur verstecken, während sie gedankenlos verletzenden müll austeilen. ich beneide „die jungen“ nicht – sich abzugrenzen und zu sich selbst zu finden und zu stehen/sich selbst zu akzeptieren ist nie leicht, als teenager bzw. speziell: als frau ist es vielfach noch schwieriger. und mit den möglichkeiten, übers netz gehässig zu sein und zu verletzen, wird dieser weg jetzt noch härter. super, dass sich immer mehr leute – vor allem mädchen/frauen – da jetzt auch mal zu wehren beginnen. mit natürlicher intelligenz und freundlichem verständnis knockt man solche dummschreiber leicht aus – aber da erst einmal drüberzustehen, ist schon eine challenge. darum: respekt!

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  2. Wäre ich 10 Jahre jünger, wäre ich auch ziemlich genau 32 Jahre alt.
    Schon damals hätte mich die ungeschminkte, symphatisch grinsende, Frau auf dem Foto da oben wesentlich eher angesprochen, als die eher maskenhafte links daneben. Rein äußerlich, klar.
    Unterhalten hätte ich mich aber wohl gerne mal mit beiden Mädels 😉

    Und ja, ich denke auch, es ist ein Stück weit ein Generationenproblem, besser ein Generationenphänomen. Diese schnelle Beeinflussung durch die Scheinwelt in den Medien, dieses sich gegenseitig in Äußerlichkeiten übertreffen wollen. Anderen gefallen zu wollen ist schon okay, aber nicht um jeden Preis.
    Unnötige kosmetische Chirurgie schon bei Kindern, damit diese später mal keine „Nachteile“ haben.

    Das es nur so eine Modeerscheinung ist, will ich gerne hoffen, aber befürchten tue ich noch wesentlich Ärgeres. Leider!

    Eine Frage von zerfallenden Strukturen, vor allem in Familie und Erziehung, sicherlich auch. Gesellschaftliche Nichtakzeptanz gegenüber den „Fetten“, „Undesignten“ oder anders „Eingeschränkten“ kommt dazu.
    Die eigene Positionierung fällt heutigen Heranwachsenden sicherlich viel schwerer, als mir vor knapp fünfundwanzi … also, vor ein paar Jahren.

    Bleibt nur, immer wieder den Riegel vorzuschieben. Darauf hinzuweisen, auch zu belehren. Und dabei nicht nachzulassen, egal wie groß die Ignoranz auch gerade erscheinen mag.
    Denn prinzipiell denke ich schon, dass jeder Mensch anständig sein kann. Viele habe es eben nur … nun ja … vergessen.

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    1. Um Deine Befürchtung mal auf die Spitze zu treiben, es gab ja schon die Idee vom „Wunschbaby“. Wenn Moral und Ethik weiter den Bach runtergeschraubt, kommen wir genau da hin. Dann gehst Du zum Doc und bastelst Dir im Baukastensystem Deinen Nachwuchs zurecht. Bloß fehlerfrei und gnadenlos schön.
      Da wird mir Angst und bang.

      Gegruselt Silvia

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    2. I Um Deine Befürchtung mal auf die Spitze zu treiben, es gab ja schon die Idee vom „Wunschbaby“. Wenn Moral und Ethik weiter den Bach runtergeschraubt, kommen wir genau da hin. Dann gehst Du zum Doc und bastelst Dir im Baukastensystem Deinen Nachwuchs zurecht. Bloß fehlerfrei und gnadenlos schön.
      Da wird mir Angst und bang.

      Gegruselt Silvia

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  3. Also bei den hier eingestellten Fotos würde ich schon eher auf eine Unterernährung tippen, als zu viel auf den Rippen.

    Jeder sollte aber natürlich sich so basteln wollen, wie er sich wohl fühlt.
    Die Antwort auf den geistigen Ausfall des 18jährigen ist mit an sicherheitgrenzender Wahrscheinlichkeit vergebene Liebesmüh´, da er einfach zu unreif, dumm und ohne Werte seinen Mitmenschen gegenüber ausgestattet ist.

    G. l. G. Jochen

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  4. Danke für diesen wichtigen Beitrag im Internet! Ja, die Frau zollt mir Respekt ab. Nein, es ist kein Generationsproblem- denn dank des rasanten Wachstums und der einhergehenden Verbilligung der mobilen Kommunikatoren, leben wir ja schon in einer Parallelwelt. Die Reflektionen der Eidgenössin zeigt mir, dass diese beiden Welten noch gleichberechtigt nebeneinander zu stehen scheinen. Aber durch die Technik und das, was sie möglich zu machen scheint, wird es wohl zukünftig zu einer anderen Gewichtung dieser beiden Welten kommen. Was wird zukünftig also als real ernst genommen? Schein oder Sein?
    Ich freue mich auf jedes Foto, welches Du hier von dir veröffentlichst. Die Fotos von euren Ausflügen und Unternehmungen. Sie zeigen dich, deren Stimme ich täglich höre und von deren Antlitz ich nichts weiß. Einfach dich in vielen Lebenssituationen. Danke also an die Eidgenössin und danke auch für die natürlichen Bilder von dir, die wir hier machmal von dir finden.

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