Neues aus Schwaben….. [by occ]

Endlich: die Wasen ist vorbei!!!!Freimarkt2009

In den Bussen, Bahnen und Bahnhöfen kehrt wieder die Normalität ein, die ein vernünftiger Mensch braucht um im täglichen Überlebenskampf dort bestehen zu können. Normalität heißt in Stuttgart, genau wie in Bremen wohl auch, das einem trotz Fahrkarte und des Fahrplanwissens die Wege zum Ziel verwehrt werden können.

In den vergangenen 2 Wochen herrschte darüber hinaus Ausnahmezustand im Großraum Stuttgart: Es war Wasenzeit!

Wasen? Nein, keine Dekoschau über Blumengefäße sondern das Volksfest hier in der Region. Denkt in Bremen an den Freimarkt, in Hamburg an den Dom, in Hannover an das Schützenfest , in Herne an die Cranger Kirmes und in München ans Oktoberfest = Cannstatter Wasen. Apropos Oktoberfest: die Wasen lehnt sich an das Oktoberfest an. Als Junge war ich oft auf dem Hamburger DOM, da gab es Fahrgeschäfte, Süßigkeiten, Brutzelbuden, Losverkäufer. Es gab damals auch ein einziges Festzelt (den Ochsen), wo man als Hamburger ein bisschen Oktoberfeststimmung bekam. Aber das wars dann auch schon. Die Wasen ist da ganz anders. Wir leben hier zwar immer noch nicht in Bayern, auch wenn es manchen Norddeutschen von Ferne so vorkommen mag, sondern die Menschen pflegen normalerweise eine eigene, schwäbische Kultur und Tradition auf die sie auch sehr stolz sind. Aber zur Wasenzeit bleibt ihre Kultur daheim und man bemüht sich dann eines „Wasenstylez“, den ich gern als „pseudobayerisch“ bezeichne. Das fängt damit an, das hunderttausende von Menschen, und das ist wirklich nicht übertrieben, in neo-romantischen Trachten aus Kunst- oder echtem Leder in Seppelhose, bierHolzfällerhemd und Seppelhut- die Frauen und Mädchen mit streng geflochtenen Haaren, korsettgepressten Dirndl, nackten Beinen aber mit Fellschuhen an den Füßen durch die Gegend rennen. Alle sind sie auf dem Weg zur- oder kommen von der Wasen. Fahrgeschäfte? Losbuden? Von wegen. Riesige Bierzelte sind dort das Ziel dieser Neo-Romantiker. Auf engsten Raum sind dort Biertischgarnituren aufgestellt, Bier fließt dort hektoliterweise in Krügen, gegessen werden zumeist chemische Brathähnchen, die schnell emporgezüchtet wurden um einen maximalen Gewinn der Eventgastronomie zu garantieren, Musik wird live aufgespielt von Blaskapellen und auch beatz sind dort vertreten. Konsumzurückhaltung? Aber wo denn= 1L Bier kostet ab €10,00 und die Riesenzelte sind ständig überfüllt. Eigentlich könnten sich die Stuttgarter Brauereien mal überlegen, ob sie denn nicht endlich eine Bierpipeline vom Stuttgarter Süden bis nach Stuttgart Cannstatt verlegen, dann würden auch endlich diese nervigen Biertransporte mit original Braupferden und Kutschen im morgendlichen Berufsverkehr ein Ende haben. Weiterer Nebeneffekt: all die Bierromantiker, die sich beim Genuss selbstüberschätzen, könnten durch diese Pipeline zu den Brauereien geschickt werden- sollen die sich doch mit denen auseinandersetzen und nicht wir, die mit dem alltäglichen Survival-Camp-Nahverkehr schon genug an der Backe haben.

Was das alles nun mit dem Nahverkehr zu tun hatte? Er kollabierte an zwei Wochenenden. Züge konnten nicht von den Bahnhöfen wegfahren weil sie überfüllt waren. Verspätungen und Ausfälle waren die Folge. Leider wurden aus den neo-romantischen Trachtenmenschen dann auf der Heimfahrt betrunkene Witzfiguren die leider ihre Kinderstube vergaßen und die Züge neben ihrer Anwesenheit auch noch mit üblen Ausdünstungen und Halbverdauten beglückten. Ich beschrieb es ja schon an andere Stelle, dass sich Reinlichkeit und Rechtschaffenheit hier oftmals eben nur vor der eigenen Haustür abspielen.

Aber nun kommt der Hammer:

An einem Samstagabend sah sich wohl ein verantwortungsvoller Fahrdienstleiter der DB-Regio dazu genötigt, allen „normal“ tickenden Bürgern am Hauptbahnhof in Stuttgart eine Warnung über die Anzeigetafeln an den Gleisen zukommen zu lassen. Dort, wo sonst nur frustrierende Sätze wie „ Zug entfällt“ oder auch „Zug verspätet sich“ zu lesen steht, hatte er ein Textlaufband mit folgendem Inhalt eingestellt:

„Cannstatter Wasen: Es ist mit Verspätungen, überfüllten Zügen und verhaltensgestörten Personen zu rechnen“

https://twitter.com/philsavedpizza/status/521406639266865152/photo/1

 Dieses Laufband lief 45 Minuten am Hauptbahnhof und es erregt nun die schwäbischen Gemüter. Die Bahn sah sich zu einer öffentlichen Entschuldigung veranlasst.

 Nun, ich bin so froh Euch heute einmal über etwas Positives aus dem schwäbischen Alltag berichten zu können, wobei zu befürchten steht, dass der Verantwortliche für diesen Text ebenso kein Schwabe ist.

[occ]

4 Antworten zu “Neues aus Schwaben….. [by occ]

  1. Die Wasen find ich auch ganz schlimm, Alter. Wieso versucht eigentlich jedes Volksfest in Schwaben bayrisch zu sein? Hab ich nie gecheckt.

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  2. Ok, dass Volksfeste im Herbst überall in Deutschland inzwischen nurnoch Kopien des Münchner Oktoberfestes seinmüssen und die Besucher meinen, es wär Pflicht, mit Dirndl und Lderhose zu erscheinen finde ich auch schlimm. Gemnauso abstoßend ist fürmich der übermäßige Biergenuss vieler (nicth aller) Besucher dieser Feste. (Und da finde ich denText des Laufbands im Stuuttgarter Hauptbahnhof klasse.
    Also herzlichenGlückwunsch zu diesem Blogbericht.
    Nur eine kleine Anmerkung:
    Als Schwabe kann ichs schwer ertragen, wenn jemand sagt „DIE Wasen“.
    Nein!!! Es heißt zwar in München „die Wiesn“ aber in Stuttgart (bzw eigentlich ja Cannstatt) ist und bleibt es „DER Wasen“.
    🙂

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