Weihnachtsbraten gefällig?

Ja, es ist Weihnachten. (Leider.) Aber nur weil die meisten Menschen so tun, als wäre die Welt in Ordnung ist sie alles andere als das. Im Gegenteil. Grade zur Weihnachtszeit ist sie sogar noch viel schlimmer …

Vor einigen Tagen erreichte mich eine Email von Kathrin, ihres Zeichens Ermittlerin von der Tierschutzrganisation „Animal Equality“. Eine Email die ich nicht lesen konnte ohne zwei Dinge zu tun: Weinen und die Menschen zu hassen … Ich erlaube mir an dieser Stelle diese Nachricht hier einzufügen, da ich selbst diese Worte gar nicht wiedergeben könnte. Danke an Kathrin für ihren Mut. Ich könnte es nicht!

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Liebe Roswitha,

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[Foto: Animal Equality]

was ich vor wenigen Tagen erlebt habe, werde ich niemals vergessen können. Auch wenn es mir schwer fällt darüber zu sprechen, möchte ich Ihnen dennoch von meinen Erlebnissen berichten. Denn ich glaube, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, die Wahrheit zu erfahren.

Nur wenige Tage vor den Weihnachtsfeiertagen bin ich mit dem Ermittlerteam von Animal Equality in einem der größten deutschen Entenmastbetriebe gewesen, um über die Zustände der Tiere zu berichten, die später als Weihnachtsente auf den Tellern der Verbraucher landen.

Als wir die riesige Halle betreten, in der mehrere tausend Enten leben, schlägt mir ein beißender Geruch nach Kot und Urin entgegen. Als erstes fällt mir auf, dass zahlreiche Tiere auf dem Rücken liegen und verzweifelt mit den Beinen strampeln. Sie können aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen. Sie wurden so gezüchtet, dass sie in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Gewicht zulegen. So viel, dass ihre dünnen Beine sie manchmal nicht einmal mehr tragen können. Mit ihren kleinen Beinen in der Luft rudernd und wild schnatternd versuchen sie sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Schlagartig wird mir bewusst, dass diese Tiere hier früher oder später verhungern oder verdursten müssen, denn aus eigener Kraft können sie nicht mehr zum Wasser gelangen.

Nachdem wir die Zustände in dem Betrieb dokumentiert haben, beuge ich mich zu einer auf dem Rücken liegenden Ente hinab, deren Beine sich nur noch langsam bewegen. Als ich mich ihr nähere, schaut sie mich aus ihren hellblauen Augen an. Sie sträubt sich nicht, als ich behutsam meine Hand unter ihren Rücken schiebe und sie aufrichte. Vorsichtig setzt sie einen Fuß vor den anderen. Sie taumelt und fällt zurück in meine ausgestreckten Hände. Ich hebe sie hoch und trage sie zur Tränke. Sie lässt ihren Kopf hängen. Hat sie schon resigniert? Ich lasse Wasser in meine Hand laufen und halte es unter ihren Kopf. Erst dann beginnt sie vorsichtig mit ihrem Schnabel aus meiner Hand zu trinken.

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[Foto: Animal Equality]

Gleichzeitig muss ich ihren Körper halten, damit sie nicht wieder nach hinten umkippt. Ich kann ihr Herz in meiner Hand schlagen spüren. Ich spüre die Wärme ihres Körpers während sie sich an mich lehnt und mir schießen Tränen in die Augen.

Das Schicksal dieser einen Ente in meinen Armen ging mir nahe, während sich um uns herum Tausende in einer ähnlichen Situation befanden. Wie sehr wünschte ich mir in diesem Moment, ihnen allen helfen zu können.

Über mein Walkie-Talkie höre ich, dass wir aufbrechen müssen. Ich bette „meine“ Ente – in meinem Kopf habe ich sie bereits Sarah getauft – so gut es geht in eine etwas geschützte Ecke und lehne sie an die Wand, in der Hoffnung, dass sie nicht wieder umfallen möge.

Wir werden morgen Abend wiederkehren, denn meine Mitstreiter haben versteckte Kameras in der Halle installiert. Sie haben aufgrund des Zustandes der Enten den Verdacht, dass Arbeiter den Tieren Schmerzen zufügen könnten. Ich verspreche Sarah, dass ich morgen zurück sein werde.

Als wir in der darauffolgenden Nacht wiederkehren, um die versteckten Kameras abzuholen, suche ich Sarah vergeblich. Die kleine Ente mit den hellblauen Augen kann ich in der Masse von fast sechstausend Tieren nicht wiederfinden. Niedergeschlagen verlasse ich die Halle. Doch dieses Gefühl war nichts in Vergleich zu dem, was ich in den nächsten Stunden erfahren würde.

Die Auswertung des Videomaterials auf den versteckten Kameras sollte mir das Blut in den Adern gefrieren lassen. Denn es erklärte, warum ich Sarah nicht wiederfinden konnte.

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[Foto: Animal Equality]

Das Videomaterial zeigte ganz deutlich, dass Arbeiter nur wenige Stunden nachdem ich Sarah zurücklassen musste, mit Mistgabeln ausgestattet durch den Betrieb gingen und Enten wie Sarah, die zu schwach oder verletzt waren, um schnell genug wegzulaufen, brutal erschlugen oder sogar mit den scharfen Spitzen der Mistgabeln lebendig aufspießten, um sie dann zu entsorgen.

Ich hatte das Gefühl mein Herz würde stehen bleiben. Ich konnte nicht glauben, dass meine kleine Sarah, die ich wenige Stunden zuvor in meinen Armen gehalten hatte, ein solches Schicksal durchleben musste. Niemand hat es verdient, solche Qualen zu durchleben.

Auch wenn ich Sarah heute nicht mehr helfen kann, werde ich nicht aufgeben, Gerechtigkeit für sie und all die anderen Enten zu fordern, die einen so grausamen Tod sterben mussten. Und ich möchte Sie dazu aufrufen, sich nicht am Leid und Tod von liebenswerten Tieren wie Sarah zu beteiligen. Bitte entscheiden Sie sich an diesen Feiertagen für Mitgefühl und Gerechtigkeit und streichen Sie Tiere von Ihrer Speisekarte.

Sprechen Sie sich aus für Tiere wie Sarah und alle die, die immer noch in den riesigen Hallen der Mastanlagen ein schreckliches Dasein fristen müssen.

Ich danke Ihnen vielmals.

Kathrin

http://www.animalequality.de/die-qual-der-weihnachtsente

~°~°~°~°~°~

Und was steht die Weihnachtstage bei euch auf dem Speiseplan?

Erstochene, erschlagene, geschossene oder gequältes Geflügel???

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[Foto: Animal Equality]

Na dann: GUTEN APPETIT …

P.S.: Bevor es gleich wieder Kommentare hagelt wie „So schreckliche Bilder will ich nicht sehen!“, lasst euch gesagt sagen: SO ist DAS „ECHTE“ LEBEN! Solange Menschen wie ihr eure Augen davor verschliesst, solange wird es GENAU SOLCHE Bilder leider geben …

23 Antworten zu “Weihnachtsbraten gefällig?

  1. Ganz wichtig ist Dein PS! „..will ich nicht …“ erinnert mich an kleine Kinder. Die haben aber viel weniger Handlungsmöglichkeiten als Erwachsene. Ach ja, und was würden Erwachsene zu den Kindern sagen?
    Aber trotz all der Dinge, wo zu häufig gesagt wird „will ich nicht …“
    Schöne Festtage

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  2. ja, klasse Beitrag, Aufklären und Bewusstmachen ist gut, aber mit-leiden hilft den Tieren wenig.(obwohl ich es auch tue)

    Warum nehmen wir nicht die Macht unserer Vorstellungskraft und visualisieren glückliche Tiere, die frei herumlaufen können? Jeder Gedanke ist eine Energie, die sich verwirklichen will.

    Hab ich hier mal gemacht: http://wirklichkeitsvisionen.com/2011/01/12/glucksschwein-visionen/

    Danke für den aufrüttelnden, mutigen Beitrag und trotzdem schöne Feiertage.

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  3. Also ich will solche Bilder auch nicht sehen, muss ich sagen. Allerdings bin ich seit 10 Jahren Vegetarierin und nehme mir damit das Recht heraus, solche Bilder nicht sehen zu wollen.
    Ich kann deine Wut und deinen Hass verstehen, jedoch denke ich nicht, dass man auf diese Art die Leute anspricht. Hier werden die (wie ich) geschockt, die schon längst eine Entscheidung getroffen haben oder diejenigen wütend, die sich nicht mit ihrer Verantwortung auseinander setzen wollen. Das ist jedenfalls meine Einschätzung.
    Ich war übrigens gestern zum ersten Mal seit ich 8 bin bei einem Metzger, um ein Geschenk für meinen Vater zu kaufen, der leider sonst nur Mastfleisch isst. Ich war bei dem soweit ich weiß einzigen Bio Metzger in unserer Stadt, der nicht nur das Bio Siegel, sondern tatsächlich Fleisch von Weidetieren hat, mit Kontaktdaten vom Bauernhof etc. (Mein Freund hat sich sehr intensiv informiert, um die 3x im Jahr, wenn er Fleisch isst, das mit gutem Gewissen zu tun). Dort gab es ebenfalls Weihnachtsente – für fast 60 Euro. Ich glaube kaum, dass diese Ente so etwas furchtbares erlebt hat, wie oben beschrieben.
    Versteh mich nicht falsch – ich teile deinen Ekel, deine Wut und auch mir kommen Tränen bei solchen Bildern und Berichten. Aber ich finde auch wir auf der „richtigen Seite“ sollten differenzieren können. Oder vielleicht grade wir, denn wir haben eine Überzeugung, die man nicht in Menschen einprügeln kann oder sollte.
    Liebe Grüße und danke, dass du diese Mail mit uns geteilt hast! Vielleicht fühlt sich doch jemand angesprochen und überdenkt sein Verhalten!
    Irma

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    • Eben. Leben und Leben lassen.
      Für das Tier ist und bleibt es Mord.
      Auch wenn es „nur“ 3x/ Jahr ist …
      (Mein Fraund ist selbst Flexitarierer und ich diskutiere nicht über sein Essen. Mein bester Freund, der sich selbst als „Fleischfresser“ bezeichnet hatte, sah kürzlich solche Bilder – und ist dadurch selbst zum Vegetarierer geworden. Menschen sind eben verschieden.)

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      • Gut, ich denke schon dass man differenzieren sollte. Die Welt ist nicht schwarz weiß und genauso wenig gibt es nur Fleischesser oder Vegetarier. Ich freu mich auch nicht, wenn es hier Fleisch gibt, aber seine Einstellung kann ich respektieren. Hätte ich einen Partner, der täglich Salami aus der Netto Kühltheke und nachmittags nen Döner essen würde, sähe das für mich schon anders aus… Aber wie du schon sagst – Menschen sind verschieden.
        Und gut, dass dein bester Freund durch solche Bilder (und vielleicht agressiven Worte) seine Einstellung geändert hat. Ich kenne da ehrlich gesagt niemanden.

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  4. Pingback: Liebe möge jetzt die Welt regieren | Wirklichkeits-Visionen

  5. Der Mensch ist das schlimmste aller Raubtiere, und wenn jeder von uns sein Fleisch selbst erlegen müsste gäbe es all diese Probleme nicht. Aber trotzdem haben wir die Wahl, jedes Mal vor der Theke des Metzgers.

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  6. So lange das Wichtigste beim Fleisch der möglichst billige Preis ist, so lange werden wir mit solchen grauenhaften Bildern leben müssen. Es gibt Mastbetriebe, in denen die Tiere artgerecht leben (echte Freilandhaltung mit mehr als genug Freilauf und grünen Weiden) und wo keine Tiere gehalten werden, die auf so viel Brustfleisch gezüchtet werden, dass sie nach vorne umkippen. Aber diese Haltung hat ihren Preis, und den wollen nur die wenigsten Verbraucher zahlen.

    Ich weiß nicht, ob Schockbilder helfen, die Menschen aufzurütteln, oder ob es denselben Effekt hat wie die Schockbilder über das Rauchen – aber den Mantel des Schweigens darüber zu breiten, wäre definitiv der falsche Weg.

    Deshalb: danke für deinen Beitrag.

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  7. Ich hatte den Bericht über die Entenquäler bereits vor Tagen auf Spiegel-online gelesen. Esse zwar Fleisch, aber ganz sicher nicht solches. Massentierhaltung ist schrecklich, lieber verzichte ich und kaufe es nicht.

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  8. Wirklich furchtbar. Gerade beim Fleisch sollte man auf Klasse statt Masse setzen.. Aber in Zeiten von „Geiz ist geil“ muss ja alles billig sein.. Und beim Fleisch führt dies dann zu solch katastrophalen Zuständen wie oben geschildert..

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  9. Ich mag die Bilder nicht sehen. Sie machen mich unglücklich.

    Jedoch: Wenn es nach mir ginge, braucht es solche Tierfabriken nicht. Der Entschluss, keine Tiere mehr zu essen, war ein einfacher.

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  10. Hey,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag (und deinen schönen Blog!)!!! Immer, wenn ich sowas lese, bin ich froh, vor einigen Jahren den Schritt zur veganen/ab und an vegetarischen Ernährung gemacht zu haben.
    Ich werde mich dann jetzt auch an unsere veganen Blätterteigtaschen machen, die wir zum Familienessen mitbringen müssen, da wir sonst von Kroketten, Brokkoli und Blumenkohl leben müssten, weil wir auf den Braten verzichten 😀

    liebe Grüße und frohe Weihnachten,
    Sabi

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  11. Ich finde es gut, dass Du diesen Bericht weiter verbreitest. Die Menschen müssen sehen, woher die Tiere kommen und wie diese leben, die sie für wenig Geld im Supermarkt kaufen können. Geiz ist eben nicht geil und wird immer auf den Schultern der Kleinsten ausgetragen. Ein artgerecht aufgezogenes Tier gibt’s nicht aus Massentierhaltung und kostet dementsprechend mehr.

    Wer die Bilder nicht sehen möchte, könnte scrollen.

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  12. Und dann ist mir beim Lesen aufgefallen, dass man mit den anderen Lebensmittel weitermachen kann. In der Zeit vom 7. Dezember gibt es einen Artikel über die Tomatenernte in Italien. Diese wird weitgehend von der Mafia kontrolliert, die sich Sklaven hält. Um ein paar Cent günstiger einzukaufen leben woanders Menschen unter unwürdigen Bedingungen.

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  13. Hat dies auf Tim's Diary rebloggt und kommentierte:
    Diesen Beitrag habe ich gelsen und fande ihn sehr lesenswert, dass ich ihn euch nicht vorenthalten möchte. Lest es euch selbst einmal durch.

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  14. Pingback: Weihnachtsbraten gefällig? » Tim`s Diary

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