Kulturelle Unterschiede: Deutschland vs. (Süd)Korea

In meinem derzeitigen Praktikumsbetrieb werde ich zur Fremdsprache gezwungen. Dieses liegt aber nicht an dem job an sich, sondern an einem koreanischen Kollegen. Er ist nett, wenn auch ab und an ein wenig hektisch, was die Sache ab und an erschwert: Er spricht – zumindest wenn es um den job geht – kein Deutsch. Wie gut das ich ihn meist vor mir habe, da kann ich mich mit Händen und Füßen verständigen, wenn ich nicht weiter weiß. 😉 Da mich andere Kulturen schon immer fasziniert haben, machte ich mich ein wenig über die koreanische Mentalität schlau. Was ich herausfand möchte ich gerne mit euch teilen.

Das Essen und die Sprache sind in vielen Ländern verschieden. Aber nicht immer ist es so offensichtlich. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die bei einem Aufeinandertreffen zur Verwirrung führen können. Im nachfolgenden Bericht soll versucht werden die Unterschiede zwischen Korea und Deutschland aufzuzeigen.

Sichtweisen

Eine Umfrage bei der es zu beschreiben galt, wie man die Handelspartner des jeweils anderen Landes einschätze, fiel wie folgt aus:

Die Koreaner beschrieben die Deutschen so:deutschland

  • Sie bereiten sich gründlich vor,
  • sie entscheiden auf lange Sicht,
  • sie haben einen hohen Wissensstand über das Geschäft,
  • sie erledigen die Dinge nacheinander,
  • es fehlt Ihnen an Flexibilität.

[Allgemein gelten die Deutschen als ehrlich, sparsam, vertrauenswürdig und Deutschland als Land der Ideen und Technologien.]

Die Deutschen beschreiben die Koreaner wie folgt:korea

  • Sie sind flink,
  • sie sind angriffslustig,
  • sie sind lebendig,
  • sie sind flexibel,
  • sie sind dynamisch.

Ein Koreaner mit Migrationshintergrund soll gesagt haben: „An die Emotionalität zu appellieren ist in Korea effektiver als ein Appell an die Logik.“ und ein deutsch-dänischer Geschäftsführer mit Firmensitz in Korea, gibt an das für seine koreanischen Partner in Verhandlungen folgende Dinge typisch sind:

  • „Brinkship“ (‚alles auf den allerletzten Drücker erledigen‘)
  • Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“
  • Mangel an Fachwissen
  • Ein hohes Maß an Intuition
  • Sehr bemüht Verhandlungen in harmonischer Atmosphäre zu führen

Kibun [氣分, 기분]/ Das Gesicht wahren

Probleme gibt es in jeder Kultur. Die Herangehensweise unterscheiden sich jedoch. Während Deutsche es lieben zu lehren und mit Begeisterung nach Lösungen suchen, interessiert die Koreaner auch an Mitgefühl und Freude interessiert.

Wenn etwas schier Unmögliches angefragt wird, antwortet der Deutsche fast sofort mit einem „Nein.“. Anders der Koreaner. Von ihm wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein: „Ich werde es versuchen.“ kommen. Selbst wenn ihm bewusst ist, dass es unmöglich ist. Aber warum? Um diese Frage beantworten zu können ist es wichtig zu wissen das es in Korea (sowie in den meisten asiatischen Ländern) wichtig ist, dass Gesicht zu wahren. Der Gefragte wahrt das des Fragers. Würde er mit einem „Nein.“ Antworten, wäre es quasi ein bloßstellen, das dem Frager suggeriert, er hätte diese Frage gar nicht stellen brauchen (sollen).

Beim Umgang mit Koreanern ist es wichtig viel Beobachtungsgabe auf die nonverbale Kommunikation zu legen, denn Koreaner äußern ihre Meinungen und Gedanken nicht gerne vor vielen anderen. In Meetings sind sie daher meist eher still, da sie bspw. Angst haben etwas falschen zu sagen. Teilweise ist es aber auch Scham oder auch die Rücksicht auf den Gesprächspartner. So bitten Koreaner beispielsweise (meist) nicht darum, dass das Gesagte wiederholt wird, wenn sie es nicht verstanden haben. Wichtig ist daher eine schriftliche Zusammenfassung mit den wichtigen Themen. So können die Koreaner ihr Gesicht wahren.

(Kein) Papierkrieg

Während Deutschland weithin als „Land der Bürokratie“ gilt, zählt in Korea mehr das „gute Gefühl“. Ein Mietvertrag hat in Deutschland meist zehn Seiten, während er in Korea lediglich eine Seite lang ist. Für die Koreaner ist ein Vertrag auf Papier lediglich eine Formalität. Für sie ist es wichtig dass man sich „mit dem Herzen“ geeinigt hat.

Aufgetischt

Schon das was aufgetischt wird unterscheidet sich in beiden Ländern. In Deutschland ist es „fettig, fleischhaltig und lieblos“. Oft werden hier Mahlzeiten im Stehen oder vor dem Fernseher eingenommen. In Korea dagegen ist Essen mehr als bloße Kalorienaufnahme. Dort hat jede Zutat eines Gerichtes auch eine gesundheitliche Wirkung. Die Auswahl wird wohl bedacht.

Zeitgefühl

Auch wenn in Deutschland inzwischen in vielen Firmen 24/7 gearbeitet wird, so gibt es hier etwas, das es in Korea so nicht gibt: Wochenenden und Feiertage. In Korea ist immer etwas los, jeder ständig unterwegs, die Telefone klingeln unentwegt, … In Deutschland nimmt man sich noch eine Auszeit, die (meisten) Geschäfte haben am Sonntag geschlossen und es gibt Veranstaltungen wie z.B. den Weihnachtsmarkt.

Nachwort

Was auf der einen Seite der Welt als höflich gilt, kann auf der anderen schnell unhöflich wirken. Je nachdem wem man gegenüber steht, gilt es eine Balance zu finden. Es empfiehlt sich im Vorfeld Informationen einzuholen, welche Sitten und Bräuche im Land des Geschäftspartners üblich sind.

4 Antworten zu “Kulturelle Unterschiede: Deutschland vs. (Süd)Korea

  1. Super. Meine Nichte hat ein Jahr lang in Korea studiert. Sie hat sich sehr wohl gefühlt, war aber auch froh, wieder zu Hause zu sein.

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