Kinderwagen schieben – für den Frieden

Seit geraumer Zeit nutze ich nur noch sehr selten die öffentlichen Verkehrsmittel. Meinen Nerve hat da bisher eher weniger geschadet, treiben mich u.a. „Rotzhochzieher“, „Musikaufdreher“, „über-Bänke-Schreier“ , „Klimanalagen-Fensteraureißer“ und selbst „Kinderwagen-Blockierer“ einfach nur auf.

Wie einige Mütter, hier in Bremen, bewiesen haben, kann man auch für viel Action sorgen, wenn es darum geht, wo man denn nun seinen Kinderwagen im Bus abstellt.

In diesem Fall wollten vier Frauen, alle mit Kinderwagen, in denselben Bus. – Es ist erstaunlich wie sehr Kinderwagenschieber ignorieren, dass es auch noch andere Fahrgäste gibt und das Gefährt stumpf vor den Türen platzieren, als gehöre ihnen die Welt. (Da quetsche ich mich beim Aussteigen dann extra durch, da ich dafür einfach absolut kein Verständnis habe!) – Diese vier jedenfalls konnten sich einfach nicht darauf einigen wer welchen Stellplatz bekommt. Es ging so weit, dass eine der Frauen handgreiflich wurde. Eine andere rief daraufhin ihren Mann an, der mit seinem Bruder zu der Haltestelle kam. Zeitgleich mit den beiden traf auch die Polizei  ein – und wurde von den Männern direkt beschimpft, eine Polizistin bekam sogar einen Faustschlag  ab.

An sich ja schon schlimm und irrsinnig genug. Doch während des Tumultes hat sich eine Gruppe von etwa 50 Schaulustigen versammelt, die damit dann einen Großaufgebot der Polizei auslöste, welche Platzverweise erteilen musste. Auf die zur Hilfe geeilten Männer wartet nun eine Anzeige wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, Beleidung und Körperverletzung. – Leider ist nicht bekannt, wie es mit den Kinderwagen nun weiterging. Ob die vier ein Polizeitaxi nach Hause bekommen haben? 😉

 

Moderne vs. Sicherheit [Rezension – Thriller]

~°~ Das Buch ~°~

JP Delaney

The Girl Before

400 Seiten

Penguin [25.04.2017]

ISBN 9783328100997

~°~ Klappentext ~°~

Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt. Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut den gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr.

~°~ Eindrücke/ Meinungen ~°~

Bereits der Einband verströmt eine tolle Mischung aus kalter Moderner und wirkt spannungsgeladen. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Wohnhaus, gerade, strukturiert und voller Regeln verströmt es den Charme eines überdimensionalen Kühlschranks – und ist dennoch so beliebt, dass viele darin wohnen möchten. Doch, um in diesem Haus wohnen zu dürfen, muss erst einmal der Vermieter, welcher gleichzeitig der Architekt ist, überzeugt werden. Dazu müssen Bewerber unter anderem einen über 200 Frage langen Fragebogen ausfüllen. Enthalten sind so Fragen wie z.B.: „Eine nahestehende Person berichtet dir im Vertrauen, sie habe im betrunkenen Zustand jemanden überfahren, deshalb habe sie endgültig mit dem Trinken aufgehört. Fühlst du dich verpflichtet, das bei der Polizei anzuzeigen? O Ja O Nein“. – Einige dieser Frage sind am Anfang der Kapitel abgedruckt, was dazu führt, dass man sich als Leser zwangsläufig selbst dazu verleitet fühlt, sich mit dieser auseinanderzusetzen und für sich selbst zu beantworten. Das war ein nettes Goodie. (Es wäre toll gewesen, wenn der Fragebogen am Ende mit abgedruckt gewesen wäre. Aber wer weiß, vielleicht gibt es den ja irgendwann einmal als separates Buch. ;-))

Nach einem Überfall in ihrer Wohnung wünscht sich Jane einen Neuanfang. Zusammen mit ihrem Freund begibt sich auf die Suche nach etwas Passendem, was bei ihrem geringen Budget und den dafür hohen Ansprüchen alles andere als einfach erscheint. Doch dann bekommt sie ein Haus in einem Londoner Stadtteil angeboten, dass ganz anders ist als alles bisher Gesehene. Nicht nur von der Optik, sondern auch und besonders vom Sicherheitsempfinden her. Es gibt keinen Zweifel, Jane will dieses Haus. Mit größter Sorgfalt und vor allen Dingen Ehrlichkeit beantwortet sie jede noch so kuriose Frage des Vermieters – und bekommt den Mietvertrag. Dass zuvor bereits eine Frau in diesen Räumlichkeiten gestorben ist, welche auch noch große Ähnlichkeit mit ihr hatte, stört sie nicht. Nach und nach bemerkt Jane wie sie sich verändert – und auch das ihr neues Haus alles andere zu sein scheint, als eben nur eine Wohnunterkunft. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr fürchtet sich die Frau in dem Betonklotz. War der Tod der Vormieterin etwa doch kein Unfall? Jane beginnt Nachforschungen anzustellen und gerät dabei in große Gefahr …

Die Geschichte in sehr modern und bietet gute Einblicke in die Welt der Technik und des „Smart Home“. Vor- und Nachteile werden deutlich, alleine an Hand der Nutzung durch die Protagonisten. Nach der Lektüre bekommt man als Leser einen ganz anderen Blick auf die Nutzung seiner (personenbezogenen) Daten.

Ein packender Schreibstil rundet die ohnehin spannende Geschichte ab.

~°~ Fazit ~°~

Mir hat „The girl before“ wirklich sehr gut gefallen. Nicht nur das die Handlung an sich für ein Buch (fast) etwas Neues ist, auch der Schreibstil hat mich gepackt. Nicht zuletzt äußerst positiv hat mich überrascht, die Auflösung, denn der Täter war … – jemand den ich nicht vermutet hatte. Volle Sternchen am Rezensionshimmel für diesen modernen Thriller und eine eindeutige Leseempfehlung für alle Spannungsliebhaber.