Kurios: Krankenschein jetzt auch per Messanger

Jeder kennt es: Aufgewacht, Nase dicht, Hals wie zugeschnürt und es ist kaum möglich einen klaren Gedanken zu fassen. Arbeiten? Das wird wohl nichts, doch dann muss (oft) der Gang zum Hausarzt erfolgen. Nicht einmal um Medikamente zu holen, denn die gibt es bei einer Erkältung ja sowieso (meist) nicht verschrieben, aber eine Krankmeldung für den Arbeitgeber muss her. Was tun? Doch zur Arbeit schleppen oder lieber eine gefühlte Ewigkeit im Wartezimmer hocken, für zwei Minuten in der Praxis?

Damit der Patient gar nicht erst vor diese Entscheidung gestellt wird, hat sich die Firma AU-Schein.de etwas einfallen lassen: Krankenschein per Messanger! Ich hatte es für eine Art verfrühten Aprilscherz gehalten, aber nein – irgendwie kann ich es noch immer nicht recht glauben – es gibt ihn tatsächlich!

Und das funktioniert so:

Über das Internet füllt der Patient ein Formular aus, in dem er Fragen zu seinem Gesundheitszustand gestellt. Anders als beim Arzt, dem man seine Symptome beschreiben soll, wählt man hier einfach aus diversen Vorgaben aus. Anschließend müssen noch Risiken ausgeschlossen werden, die doch einen Arztbesuch notwendig machen (z.B. Schwangerschaft oder starke Schmerzen), danach noch die Kontaktdaten eingeben und eine Zahlart wählen. Der Service ist nämlich nicht kostenlos, sondern kostet ganze 9 EUR. Anschließend bekommt man dann zuerst ein Foto mit dem AU-Schein und per Post dann das Original. Neben den Kosten weitere Nachteile: Zum einen ist so eine „Instant-Krankschreibung“ nur 2x im Jahr möglich und zum anderen geht es (bisher) nur bei Erkältungen.

Bisher gibt es diesen „Service“ nur in Schleswig-Holstein und Hamburg, dass er irgendwann auf die anderen Bundesländer ausgeweitet wird, ist aber wohl nicht auszuschließen. Nicht mehr beim Arzt sitzen, wenn es einem eh gar nicht gut geht? Tatsächlich verlockend. Aber ehrlich: Zum einen ist mein (derzeitiger) Hausarzt quasi um die Ecke und zum anderen würde ich mir bei der Nutzung vermutlich total merkwürdig vorkommen. – Mindestens dann, wenn ich wieder zur Arbeit gehe und mein Chef mich schief ansieht, denn seien wir mal ehrlich: Irgendwie ist das für den einen oder anderen Kollegen quasi eine Einladung zum „Blau machen“. (Wir alle kennen sie, all die, die regelmäßig an Wochentag- und Montagskrankheit leiden.) Abgesehen davon finde ich persönlich es etwas fragwürdig, dass die Ärzte um die Existenz ihrer Praxen kämpfen (müssen) und ihnen hiermit ja quasi eine weitere Daseinsberechtigung entzogen wird.

Wie sieht es bei euch aus? Wäre diese Möglichkeit für eine Alternative? Schrecken euch die Kosten ab oder ist es generell nicht vorstellbar?

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