Krankheit, Depris und der ganze Rest

Ja, heute gibt es mal keine Rezension, sondern etwas von mir bzw. über mich höchstselbstpersönlich – und schonungslos ehrlich! So recht weiß ich gar nicht in welche Kategorie dieser Beitrag fällt. Er passt sowohl in „Leidensweg einer Migränepatientin“, als auch „Ausgebrannt“ und genauso in „That‘s me“. Aber egal, es muss ja nicht immer alles in eine Schublade gesteckt werden, nicht wahr?

Jobroulette

Okaaaay, wo fange ich an? (Wer hat da grade „von vorne“ gerufen???) Wer Gedankenteiler schon länger folgt der weiß, dass meine Gesundheit, besonders seit letztem Jahr, angeschlagen ist. Zwar habe ich durchaus gute Tage, doch diese werden leider immer seltener. Erst dachte ich, dass es an dem Job lag. Immerhin sind weder extremer Stress, noch eine stundenlange Zwangshaltung gesundheitsfördernd. Ständig war ich verspannt, hatte oft Kopfschmerzen, meist sogar Migräne.

Also wechselte ich von dem lauten Großraumbüro und starkem Zeitdruck in ein kleines stickiges Büro ohne Fenster und mit launischer Chefin. Da ich es aber bereits gewohnt war, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, dauerte es nicht lange, bis ich mich extrem langweilte. Es dauerte gar nicht lange und mich hat ein Virusinfekt direkt zwei Wochen aus dem Verkehr gezogen.

Nein, da wäre ich nicht glücklich geworden, besonders nicht, da ich die Branche an sich unterschätzt hatte. (Autos sind eben einfach nicht meins.) Okay, ich weiß was ich kann, also auf in den nächsten Job. Wieder ein Bürojob, dieses Mal mit ein paar Leuten mehr (streng genommen sogar ALLE meine Vorgesetzten), aber noch kein Großraumbüro. Die Arbeitszeiten sind, für mich, genau wie der Arbeitsweg, ein Traum, das Gehalt ist angemessen und die Arbeit ist okay. Klar, es sind auch wiederkehrende Tätigkeiten, aber ich sitze nicht nur stumpf vor irgendwelchen Programmen. Soweit, so gut. Trotzdem stimmt irgendetwas nicht, denn ich bin krank. Schon wieder. Seit ich angefangen habe, sind es bereits 12 (!!!) Krankheitstage. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich noch in der Probezeit befinde. Es ist also davon auszugehen, dass ich wohl nicht mehr allzu lange im jetzigen Unternehmen bin. – Ich jedenfalls würde mich rausschmeißen…

Ärzteodysee, die *keine-Ahnung-wievielte*

Nun bringt es natürlich nicht unbedingt viel, sich einen neuen Job zu suchen, in dem man dann auch gleich wieder krank ist. Fakt ist also, dass ich meine Gesundheit in den Griff bekommen muss. Zumindest soweit, dass ich keine Fehltage habe. Allerdings geht genau da das Problem bereits los: Ich bin nämlich gesund. – Mmh, also ja, ich bin arbeitsunfähig geschrieben. Aber, ausgehend von sämtlichen Untersuchungen und Werten die mein Hausarzt durchgeführt hat, bin ich gesund. – Das ist ein wenig wie bei den Zahnärztin, zu denen ich bereits mehrfach mit Schmerzen war, die aber nie was finden. Selbst mit Röntgen nicht. – Doch dafür, dass ich mir meine Schmerzen oder anderen Symptome einbilde, sind sie dann doch zu real. Und dafür, dass ich z.B. das Bad länger besetze als nötig gibt es, dünne Wände sei dank, auch mehr Zeugen, als mir lieb ist. Fakt ist also auch: Irgendetwas stimmt nicht!

Mein Hausarzt hat alles durch was er machen kann und, wie er so schön formulierte „kommt mit seinen Untersuchungsmethoden nicht weiter“. Und deswegen bekam ich sie, die gefürchtete Überweisung zum *an dieser Stelle jetzt bitte so einen Horrormusik vorstellen* Gastroenterologen! – Auch wenn das Wort „Gastro“ drin vorkommt, ist das leider keine Einladung zum Essen, sondern zu einer *schauder* Magenspiegelung, eventuell später auch noch eine Darmspiegelung (die habe ich bisher abgelehnt, da so etwas bereits zweimal nicht bei mir geklappt hat). Und nein, ich kann nicht behaupten, dass ich in diesem Fall froh bin, dass alles versucht wird, um die Ursache zu finden und alles mögliche auszuschließen. Die Wahrheit ist: Ich habe eine sch… Angst!

Ich – Psycho

Zu diesen ganzen körperlichen Beschwerden, kommen auch noch die „geistigen“. Ich berichtet ja bereits unter „Ausgebrannt“ davon, dass ich mich zu nichts wirklich aufraffen kann. Selbst Dinge, die mir wirklich Spaß gemacht haben, empfinde ich einfach nur noch als mühsam. Auch Privat sind innerhalb des letzten Jahres bis heute sehr viele Dinge passiert. – Sei es von geliebten Menschen, die schwere Krankheiten bekamen, (falsche) Vorwürfe die mir gemacht wurden, Echos aus der Vergangenheit oder andere Rückschläge. Nur weil ich nicht darüber rede, heißt es nicht, dass es mich nicht belastet… – Menschen gehen mir auf die Nerven, obwohl sie gar nichts machen und Geräusche treiben mich in den sprichwörtlichen Wahnsinn. Ich merke, dass ich irgendwo zwischen Zusammenbruch und Explosion stecke. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis eines von beiden passiert. Sicher ist, dass es zur denkbar schlechtesten Zeit passieren und garantiert den/ die Falsche/n treffen wird. Daher habe ich mir auch an dieser Stelle professionelle Hilfe gesucht und hoffe das ich mit Hilfe der Psychotherapeutin einen Weg zurück in ein Leben finde, in dem ich mich nur von einen Tag zum anderen schleppe. Existieren ist schön und gut, aber ich würde auch wirklich wieder gerne leben. Wie es leider so oft ist, bin ich als neue Patientin auf einer Warteliste, so dass der erste Termin noch dauern wird. Aber ich denke, dass es nicht wichtig ist, wann das Schiff ankommt, sondern vor allen das es überhaupt erst einmal abgelegt hat. Fürs erste jedenfalls werde ich mich, nach und nach, aus „persönlichen Verpflichtungen“ zurückziehen. Ich brauche einfach (mehr) Zeit für mich – und meine Gedanken.

Eine Pille Happyness

Neben den ganzen Beschwerden (von Verspannungen, Migräne, Schmerzen, Krämpfen, Haut-, Seh-, Zahnproblemen, u.v.m. bis hin zu starker Gereiztheit und unendlich scheinender Erschöpfung) leide ich seit, inzwischen über einem halben Jahr, unter Schlafstörungen. Ich habe wirklich ALLES probiert: Früh ins Bett gehen, lange aufbleiben (eben um auch wirklich müde zu sein), Heißgetränk mit und ohne Honig, Sport, warme Dusche, Spaziergang, anderer Schlafplatz, Düfte, pflanzliche Mittel,… Es hilft alles nichts. Ich brauche meist lange bis ich einschlafe, nur um in der Nacht dann mehrmals wieder aufzuwachen. Die Zeiten sind dabei verschieden, so dass ich daran keinen Grund ausmachen kann. In „schlechten Nächten“ wache ich auch mal alle 1-2 Stunden auf. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass ich mich dann am Morgen wie gerädert fühle – und meist brummt mir da bereits der Schädel und/ oder mir ist total übel. Ehrlich, ich kann nicht mehr! Genau das habe ich auch meinem Hausarzt gesagt und um ein Schlafmittel gebeten. Leider lehnte er dieses kategorisch ab. (Okay, aus Arztsicht spricht das natürlich für ihn, da diese Mittel schnell sehr abhängig machen können.) So ganz aufgegeben habe ich aber nicht – vielleicht habe ich auch einfach nur einen total mitleiderregenden Eindruck gemacht. Letztlich bekam ich ein Rezept für Antidepressiva mit, welches ich als Schlafmittelersatz verwenden kann. Ob das funktioniert werde ich am Wochenende berichten können. Drückt mir die Daumen und wünscht mir angenehme Träume.

Die ganze Wahrheit

Ich hoffe sehr das ihr mich jetzt nicht in eine Schublade stecken werdet, denn ich habe lange überlegt, wie viel ich an dieser Stelle von mir preisgeben will. Letztlich habe ich mich für die GANZE Wahrheit entschieden, denn sicher gibt es unter euch auch jemanden, der etwas ähnliches erlebt – und wenn mein Bericht auch nur diesem einen Mut macht, sein Leben (wieder) in die Hand zu nehmen, dann war es das wert!

DU SCHAFFST DAS!