AUS dem – Leben – AUS [Nachruf]

Ente, Ente, Ente

Rainer hat Ente geliebt. Am liebsten kross gebraten, so war es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass er sich eben dieses Gericht zu Ostern wünschte. „Kannst du mal versuchen eine Ente zu bekommen?“ soll er zu meiner Mutter gesagt haben. Sie bekam eine. „Oh schön, da freu ich mich schon drauf!“ Nichts ahnend, dass er sie nie essen würde… Genau wie ein anderes seiner Lieblingsgerichte: Dicke Bohnen in weißer Sauce. Dieses hatte er sich am 11. April gewünscht. Beim Kartoffelschälen sagte er noch zu meiner Mutter: „Ich habe Hunger.“ „Dann schäl doch ein paar Kartoffeln mehr.“ Während meine Mutter sich um das Kochen kümmerte, legte mein Stiefvater sich hin. Absolut nichts ungewöhnliches, dass er so ein „Powernapping“ machte. Kurz bevor das Essen fertig war, ging Mama noch einmal zu ihm: „So in zehn Minuten können wir essen.“ „Ja okay, ich komm dann.“ – Nur kam er nicht. Vielleicht doch eingeschlafen? Meine Mutter ging nachgucken, bekam Rainer aber nicht wach. Ihr begann zu dämmern, dass etwas nicht stimmte. Recht und Links „scheuerte“ sie ihm eine, wie sie später sagte. Als es nichts brachte, wählte sie den Notruf und versuchte, unter Anleitung des Mannes aus der Rettungsleitstelle, meinen Stiefvater zu reanimieren. Es blieb bei dem Versuch. Für ihren Mann kam jede Hilfe zu spät…

Rainer im Chinarestaurant am Ente essen
Ente, Ente, Ente!!!

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Was war passiert? Warum steht jemand, der sich „nur mal kurz hinlegen“ möchte, einfach nicht wieder auf? Warum bestellt er sein Lieblingsessen, um es dann doch nie zu sich nehmen zu können? Hat er nichts gespürt? Etwas geahnt? Oder wusste er es, dachte aber es wäre so einfacher für meine Mutter? Wir werden es nie erfahren…

Rainer streckt die Zunge raus
Angeschmiert!

Aus dem Leben

Aber wir können uns an die Zeit erinnern, die wir zusammen verbrachten. Uns die Erinnerungen heranholen, die gemeinsam entstanden. Leider hatte ich, in den letzten Jahren, keine Möglichkeit neue Erinnerungen zu schaffen, so dass es mir fast ein wenig falsch vorkommt, seiner Beerdigung beizuwohnen. (Es ist nicht so, dass ich/ wir meine „Eltern“ nicht besuchen wollten, doch meine Mutter hat jedes Mal wieder abgesagt, weil jemand krank war – und später kam dann die Pandemie.)

Trotzdem möchte ich Rainer Herbert Voigt (Er hasste es, wenn man ihn Herbert nannte!) diesen Blogbeitrag widmen und ihn noch einmal, an Hand der Fotos, aufleben lassen.

Gute Reise „zweiter Vater“. Streichel Dackeli von mir. Ich vermisse euch…

Hoch sollst du leben!

(Zum Vergrößern einfach auf das jeweilige Foto klicken.)

Schreibe einen Kommentar