Ich. Opfer.

Es war noch sehr früh am Morgen. Umso besser, zu dieser Zeit schläft die Welt noch. Keine Zeugen.

Ich hatte das Haus bereits umrundet, doch dann konnte ich mein Glück kaum fassen: Sie öffnete das Fenster. Offenbar war ihr nach frischer Luft, denn sie kippte es nicht nur, sondern öffnete es ganz. Ich konnte mein Glück kaum fassen! Einen kurzen Moment Geduld und dann, als sie sich kurz umdrehte, nutzte ich meine Chance und drang ins Badezimmer ein. Es war einfach. Ich war direkt drin! Perfekt!

Sie war abgelenkt, stand vorm Spiegel. Viel besser konnte es gar nicht werden. Doch dann hat sie mein Spiegelbild erblickt und versucht mich zu vertreiben. Sie wollte mich doch tatsächlich aus dem Fenster hinaus befördern! Das sollte sie bereuen! Mitten in den Hals habe ich sie gestochen! Oh ja, das war sehr gut. Dieses warme Blut! Ein wahrer Rausch überkam mich. Das Fenster stand noch offen. Ich taumelte befriedigt in die Freiheit. Mein Opfer ließ ich gezeichnet zurück – ein dicker Mückenstich ziert nun ihren Hals.

Eiskalte Geschäftsidee

Langeweile macht bekanntlich kreativ und Geld kann man fast immer gebrauchen. So entwickelten mein Partner und ich, in einem Anflug von ersterem und Mangel von letzterem, eine Geschäftsidee. Eine bei der nicht nur der Kopf kühlt bleibt:

Wir gründet eine

—> Eisschollenvermietung! <—

Dafür brauchten wir natürlich erst einmal die Eisschollen und einen Handelspartner. Ganz wichtig. Immer hin konnten wir nicht einfach in die Arktis segeln, eine Fahne ins Eis stecken und ein Schild aufstellen: „Zu vermieten.“ Aus der Vergangenheit lernt man schließlich. Telefonkosten wären zu hoch gewesen, dem Postweg trauten wir nicht. Aber wie gut das wir als pfiffige Unternehmer direkt eine Lösung hatten. Eine Bekannte strickte einen kuscheligen Schal und eine kuschelige Mütze. Mit Werbung. Darauf hatten wir bestanden! Eine robust wirkende Taube damit ausgestattet und mit einem Brief schickten wir diese auf die Reise. (Ich war eigentlich für einen Pinguin. Der hatte meiner Meinung nach die überzeugenderen Argumente gehabt. Aber mein Partner meinte, die Schollen wären geschmolzen, bis er da wäre.)

Wir baten um die Zusendung einer Probescholle. Aus Eis. Nicht der Fisch! Unserem Wunsch wurde nachgekommen. (Wir hatten als Austausche einen Kühlschrank geschickt.) Sehnsüchtig  warteten wir auf das Paket aus der Arktis. Wochen später stand ein völlig durchnässter Paketbote vor unserer nicht vorhandenen Geschäftstür. (Eigens zu diesem Zweck hatten wir uns ein Iglu gebaut. Erschien uns stilecht.) Ich verkniff mir jeglichen Kommentar und unterzeichnete. Als er ging warf ich noch Kopfschüttelnd einen Blick auf ihn. Mein Partner fragte was denn sei, erzählte ich ihm das der gute Mann scheinbar in seiner Dienstkleidung geduscht hat. Mein Partner schüttelte daraufhin ebenfalls den Kopf. Wir waren uns einig. Komische Leute muss es auch geben.

Bevor wir uns aber weiter mit der menschlichen Psyche auseinander setzen konnten (und wollten), interessierte uns viel mehr der Inhalt des Pakets. Beim schütteln plätscherte es. Eigenartig. Da es sich um eine Holzkiste handelte bewaffneten wir uns mit einer Brechstange. Das heißt mein Partner machte sich damit ans öffnen. Ich positionierte mich mit einem Baseballschläger (übrigens 1a für Schneebälle) an der Seite. Da könnte irgendwas aus der Kiste springen und meinen Partner anfallen. Schließlich sieht man das immer in Abenteuerfilmen. Sprang aber nichts. Floss vielmehr. In Form einer RIESIGEN Flutwelle platschte es nur so gegen meinen Partner. (Der Anblick lies mich vermuten, dass der Paketbote vielleicht doch nicht geduscht hatte.) Ein Blick auf den Absender verriet uns das es sich bei dem Inhalt um die Eisscholle handelte. Den Versuch diese wieder zusammen zu setzen gaben wir recht schnell  auf.

So ein Projekt kostet allerdings auch eine ganze Menge. Wir brauchten also Startkapital. Wie gut das es staatliche Fördergelder gibt. Also ab zum Jobcenter, Beratungstermin machen. Termin gekommen. Wir schick in Schale. So richtig schicki-micki, mit langem Fellbesetzten Mantel. (Imitat natürlich. Pelz ist Mord!) Die Dame hinter dem Schreibtisch blickt verwirrt zu uns auf. Vermutlich hat sie noch nie Pseudo-Eskimos gesehen. Kann man schon verstehen. Sind ja auch nicht so weit verbreitet, hier in Europa. Aber wir kamen ja nicht in Aufklärungsmission, sondern in eigener Sache. Geld wollten wir haben. Doch so ganz ernst schien uns die Dame nicht zu nehmen. (Wir hätte wohl doch Anzüge von der Stange nehmen sollen.) Scheinbar hielt sie eine Eisschollenvermietung für eine blöde Idee. Wir fand es innovativ.

EisscholleSo schnell gaben wir nicht auf. Standen mit Überzeugung hinter „Projekt Eiskalt“. (Das war der Codename. Sollte ja kein anderer was mitbekommen. Die Konkurrenz schläft nicht.) Um das Geld zu beschaffen bedienten wir uns einer unkonventionellen Art: Wir sammelten Pfandflaschen. Vom Fußballspielen wussten wir, dass es davon in Stadionnähe eine ganze Menge gab. Leider erwies sich das sammeln als äußert gefährlich, da die Pfandmafia ihre Revier voll im Griff hatte. Irgendwann hatten wir es dann geschafft. Dank eines unerwarteten Erbes konnten wir loslegen. (An dieser Stelle möchte ich erwähnen das 2,75 € davon hart erarbeitetes Geld waren.)

Unsere Brieftaube war inzwischen zu unser Auslandsbeautragten aufgestiegen. Scheinaber lies sie sich aber immer wieder auf’s Glatteis führen, denn die Geschäfte liefen schleppend. (Ich hatte ja gleich gesagt, wir hätten einen Pinguin nehmen sollen!) Wir flogen in die Arktis um uns unsere Geschäftsidee mal ganz genau anzusehen. Verdammt war das kalt da! Da war also das Problem. Wir mussten es hier ein wenig kuscheliger gestalten. Anfangs verteilten wir Kerzen, doch leider waren unsere Finger so gefroren, dass wir sie nicht anbekamen. Wir brauchten etwas anderes.

Ein Hersteller von Solarien lehnte eine Zusammenarbeit ab. Er hatte Angst das die Kunden aus Gewohnheit die Regler zu hoch einstellten und ihnen letzten Endes der Boden unter den Füßen schmilzt. Das wäre einer super tolle PR gewesen. Wir hatten schon die Schlagzeile vor Augen:

„Sonnen auch Sie sich endlich auf der kalten Seite des Lebens!“

Schade.

Leider hat es mit der Eisschollenvermietung nicht ganz so geklappt wie wir uns erhofften. Aber unser Ehrgeiz ist gepackt. Bei einer Lagerauflösung konnten wir eine große Charge Regenschirme ersteigern. Damit machen wir uns nun auf in die Wüste. In die Sarah um genau zu sein. Das ist nämlich die größte. Somit gibt es da auch genug Leute die noch keinen Regenschirm haben.

Ach ja. Die Eisschollen. Wir haben sie in Flaschen abgefüllt und ein Schild „Cool drinks – to go“ hinterlassen. Unser Beitrag zur Klimaerwärmung. Wären ja sowieso geschmolzen. Und so haben wir, ganz nebenbei, die Menschheit gerettet. (Keine Überflutung durch Schmelzwasser.) Das Wasser kam leider nicht ganz so gut an. Wir hatten wohl den Salzanteil unterschätzt …

[Lieben Dank an meinen Göttergatten Ron für den Anstoß zu dieser Geschichte. Sowie an Robert Werner der mit einem seiner Toonmix Filme den Auslöser gab.]

Ein Tag am See (Roswitha Pick)

Ein Tag am See

(Roswitha Pick)

Ein milder Sommerabend. Blauer Himmel, erträgliche Temperaturen. Genau richtig für ein Picknick am See. Ich habe mir große Mühe gegeben uns appetitliche Häppchen zu zaubern: Serano-Schinkenröllchen, Lachsschnittchen, Käsepralinen und Fruchtspieße. Gegen den Durst kühles Blondes und Fruchtschorle. Wir bahnen uns den Weg durch die Natur auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen.

Ein leichter Windhauch hebt mein Kleid. Verschmitzt versuchst du einen Blick darunter zu erhaschen. Ich lege den Kopf schief und hebe strafend den Zeigefinger. Wir lachen und setzen unseren Weg fort. Langsam, fast ehrfürchtig, nähern wir uns einem abgelegenen Plätzchen an dem wir uns nieder- und die Welt hinter uns lassen. Der See liegt strahlend vor uns, um uns rum nichts als Bäume und Sträucher. So schnell wird hier keiner unsere Zweisamkeit stören.

Du breitest die Decke aus während ich den Picknickkorb öffne und uns die Gläser fülle. Mit einem zufriedenem Seufzen lässt du dich auf die Decke fallen. Ich reiche dir ein Glas. Wir stoßen an, auf den Tag, das Leben, auf uns.

Gegenseitig füttern wir uns mit den Köstlichkeiten, teilen uns einen Fruchtspieß. Die Vögel untermalen alles mit ihrem zauberhaften Gesang. Ich lege meinen Kopf an deine Schulter. Verträumt blicken wir auf das schillernde Wasser. Lange sitzen wir so da, jeder in seinen eigenen Phantasien versunken.

Die Sonne versinkt am Horizont, taucht die Welt in rote Farben. Ich ziehe meine Beine heran, umschlinge sie mit meinen Armen. Es ist frisch geworden. Du streichst mir den Rücken entlang, ziehst mich weiter an dich. Die Wärme deines Körpers durchdringt mein Kleid und hinterlässt ein wohliges Gefühl auf meiner Haut. Ich entspanne mich. Meine Beine sinken hinab, meine Augen suchen die deinen. Du siehst mich an und wir versinken in dem Blick des jeweils anderen. Unsere Körper ziehen sich wie magisch an. Immer näher und näher.

Unsere warmen weichen Lippen berühren einander, deine Zunge bahnt sich ihren Weg. Spielend und fordernd zugleich. Deine Hand streichelt die Innenseite meiner Schenkel entlang. Meine Beine spreizen sich wie von selbst. Ich schmelze unter deinen Berührungen dahin. Mein Körper senkt sich. Ich ziehe dich auf mich, presse deinen Kopf an meine Brust. Leise stöhnend genieße ich deine Liebkosungen. Allein die Hitze deiner Zunge bringt meinen Körper in Wallung. Ich halte es nicht mehr aus. Ich will dich! Nach einer endlos scheinenden Qual deiner Hände, unter denen ich mich aufbäume, dringst du endlich in mich ein. Meine Hände umfassen leidenschaftlich deinen Po, animieren dich zu immer tieferen Stößen. Unser Stöhnen wird immer lauter, unsere Leidenschaft immer ausgiebiger… Ein warmer Schwall ergießt sich in meinen Körper, deine Lippen suchen die meinen und besiegeln das Ende unseres Liebesspiels. Mit einem zufriedenem Seufzer rollst du dich von mir, legst dich neben mich. Wir halten uns im Arm.

Die sternenklare Nacht senkt sich über uns. Nur der Mond in seiner vollen Pracht wirft Licht auf uns. Um uns herum verschmilzt alles zu einem Ganzen. Wir scheinen in einer anderen Welt, fast schwebend. Das knacken eines Zweiges durchbricht die Stille, doch wir hören es längst nicht mehr. Es gibt nur noch uns.

See

Endlich frei!

Dies ist die Geschichte einer jungen Frau, die vor nicht allzu langer Zeit noch gefangen war. Gefangen in sich selbst …

Der Himmel war verhangen. Alles grau in grau. Doch es fiel kein kalter Regen herab, stattdessen flossen salzige Tränen über ihre Wangen… Sie saß am Fenster und blickte in weite Ferne, in eine Welt die es für sie nicht zu geben schien. Ihre Gedanken kreisten in der Vergangenheit. „Wenn ich alles richtig gemacht habe, warum bin ich dann jetzt unglücklich?“ Die Wolken zogen sich langsam zurück. Die Gedanken der Frau wurden klarer. Langsam fing sie an zu begreifen was ihr eigentlich das Leben immer so schwer machte.

Immer wenn sie andere ansah, fiel ihr sofort auf, was an anderen Frauen schöner war. Diese hatte einen knackigen Po, die andere wohlgeformte Brüste, jene kleine süße Füße, … Nie hatte sie dieses Betrachtung einmal umgedreht. Sicher gab es etwas das die anderen dafür nicht hatten, wenn auch vielleicht nur Kleinigkeiten.

Unter unbekannten Menschen bekam sie zuteil Panikattacken. Zu oft hatte sie bereits im Mittelpunkt gestanden und wurde verspottet, zu oft war sie die Außenseiterin gewesen.
Selten hatte sie es gewagt sich ihnen entgegenzustellen, fast nie war sie alleine ausgegangen. Nie war sie bisher auf den Gedanken gekommen sich absichtlich in den Mittelpunkt zu stellen.

Immer wieder hing sie alten Momenten nach. Kramte in Erinnerungen, was sie falsch gemacht hatte. Oft machte sie anderen Vorwürfe für Fehler die diese begangen hatte. Dabei waren es nur Kleinigkeiten. Nie hatte sie versucht diese Momente als Chance zu sehen.

Ihre Laune war schlimmer als das Wetter und mindestens genauso unberechenbar. Ein falsches Wort oder eine Aussage an die man sich nicht hielt, und sie war die nächsten Stunden unerträglich mit ihrer schlechten Stimmung. Nie hatte sie die Möglichkeit in Betracht gezogen das sich Ansichten und Meinungen einfach mal ändern.

Alles musste strukturiert und nach Plan laufen. Die geringste Abweichung warf sie aus der Bahn. Es war unmöglich zu sagen man käme am Nachmittag. Sie wollte eine (möglichst genaue) Uhrzeit. Auch Unordnung war ihr ein Graus, am liebsten hatte sie alles in Reih und Glied, sowie sortiert. Nie zuvor hat sie einfach etwas auf sich zukommen lassen.

Noch viele Dingen fielen ihr ein. Viele Probleme, aber auch gleichzeitig die Lösungen.

Es war ein komisches Gefühl, als sie begriff …
In ihrer Vergangenheit war vieles schief gelaufen, die Ereignisse überstürzten sich und sie reagierte mit dem einzigen was sie je gelernt hatte: Flucht!

Der Himmel wurde blau. Ein Sonnenstrahl traf sie mitten ins Gesicht, trocknete ihre Tränen. Sie schloss die Augen und badete im Schein. Während die Wärme bis zu ihrer Seele vordrang formte sich etwas in ihr. Erst war es nur ein Wunsch, dann ein Gedanke und schließlich eine Lösung! Sie öffnete, ein Lächeln auf den Lippen, die Augen: „Wie blind bin ich doch all die Jahre gewesen! Selbstbewusstsein hatte ich schon immer, mir fehlte nur der Mut es herauszulassen. JETZT ist der Zeitpunkt gekommen sich selbst aus dem Weg zu gehen!“

Irgendetwas hatte „knack“ gemacht. Es fühlte sich an als sei eine Art Kokon, der sie jahrzehntelang einengte, zersprungen. Von diesem Moment an fühlte sie sich endlich frei!

Vergangenes war vergangen. Vorwürfe nutzen niemanden etwas. Sie betrachtet die Situation, überlegte ob sie anderes hätte handeln können und wenn wie. In der vergangenen Situation nutzte eine andere Handlungsweise nichts mehr, aber vielleicht in der Zukunft.

Immer wenn sie nun an ihrem Spiegelbild vorbeikam lächelte sie diesem zu. Sie machte sich selbst Komplimente: für ihre schönen Augen, ihre charmantes Lächeln, ihre ungeheure Ausstrahlung… Da sie aber in einem Körper steckte, der nicht ganz ihren Vorstellungen entsprach, begann sie ein wenig nachzuhelfen. Nicht weil sie irgendwelchen Schönheitsidealen entsprechen oder anderen gefallen wollte, sondern weil SIE mit dieser Optik leben musste. Sie alleine wollte sich wohl fühlen. Nach und nach bildeten Körper & Seele eine Einheit. Es fühlte sich unglaublich gut an!

Auch versteckte sie sich nicht mehr. Im Gegenteil. Sie ging in die Offensive. Es machte sogar Spaß die Leute mit Absicht zum Lachen zu bringen und (ab und an) im Mittelpunkt zu stehen! Auf Veranstaltungen ging sie nun oft alleine – blieb aber nie lange alleine. Irgendwann hatte sie allen Mut zusammengenommen und wildfremde angesprochen, schnell hatte man die nächsten Stunden zusammen verbracht und auch weit über die Veranstaltungen hinaus noch Kontakt. Zwar war es manchmal etwas anstrengend alle Kontakte gleichsam zu pflegen, aber sie genoss es.

Wenn ein blöder Spruch kam, so zog sie dieser (fast) nicht mehr runter. Stattdessen konterte sie einfach. Das machte einfach mehr Spaß, als einfach nur wegzuhören – und gab ein kleines Stückchen Befriedigung (das Gefühl zurückgeschlagen zu haben). Ihre Laune schwankte zwar aber in einem üblichen Niveau. Jeder hat mal gute und mal schlechte Tage. Sicher, die hatte auch sie noch, aber die meiste Zeit genoss sie einfach ihr Leben. Schließlich wusste nie jemand, wann es mal vorbei sein würde.

Abgesehen von wichtigen Terminen brauchte sie keine Uhrzeiten mehr. Ganz bewusst lies sie ihre Uhr auch mal zu Hause, verabredete sich einfach „gegen Abend“ und traf sich ganz spontan mit Bekannten. Inzwischen schmiss sie ihre Sachen auch einfach mal in eine Ecke, wo diese, ohne dass es sie sehr störte, einige Tage liegen bleiben konnte. Es gefiel ihr spontaner zu handeln, denn so hatte man oft die Möglichkeit dass zu tun, wozu man grade Lust hat.

Sie änderte noch viele andere Dinge. Nur Kleine, aber ungemein störende. Das Gesamtpaket war es, auf welches es ankam. Sie hatte erkannt, dass schlechte Angewohnheiten vergleichbar damit war, sein Brötchen im Bett zu essen: wie es bequem war dort zu speisen, so konnte es im Nachhinein unglaublich pieksen. Seine Angewohnheiten beizubehalten war zwar bequem, aber auch sie konnten einem den Schlaf rauben.

Wenn sie gewusst hätte wie einfach es ist sich selbst aus dem Weg zu gehen, sie hätte es früher getan!

~ Widmung ~

Diese Geschichte ist dem Wesen gewidmet, welches mich wachrüttelte, mir meine Scheuklappen abnahm und mir somit die Möglichkeit gab, in andere Richtungen zu sehen. – Vielen Dank dafür. Du wirst sehen das es nicht vergebens war!

Der Wunschstern

Der Wunschstern

„Sei mal ganz still.“ flüsterte er und legte ihr den Zeigefinger auf die Lippen. Mit der anderen Hand deutete er Richtung Himmel. „Siehst du den Stern? Den dort links, den der ganz stark leuchtet?“ Sie blickte in die Richtung in die er zeigte. „Es handelt sich um einen Wunschstern. Ich hole ihn dir runter und pflanze ihn dein Herz.“ Vorsichtig ergriff er das leuchtende Objekt und schob es langsam in ihren Körper, in ihr Herz. Nie zuvor hatte sie so etwas gespürt. Es war ein schönes, warmes Gefühl, von innen heraus. Es war wundervoll …
Er flüsterte: „Aber wünsch dir nichts unmögliches …“ Sein Blick war weiterhin nach oben gerichtet, sonst hätte er den Schmerz in ihren Augen gesehen – und die Träne, die über ihre Wange rollte. Sie behielt den Stern einen Moment bei sich, dann lies sie ihn wieder frei, ohne sich etwas gewünscht zu haben. Andere brauchten diesen Stern dringender als sie und der einzige Wunsch den sie gehabt hätte, wäre nicht zu erfüllen gewesen: ein „WIR“. So groß ihre Hoffnung auch war, dass es irgendwann ein Zusammengehörigkeitsgefühl geben würde, so wusste sie doch tief in ihrem Inneren, dass er ihr dieses nie geben könnte. Es war eben „nur“ ein Wunsch-, und kein Erfüllungsstern …

Wochen später, er schien vergessen ihr dieses Geschenk bereits gemacht zu haben, zeigte er in den Himmel und wollte ihr erneut einen Wunschstern einpflanzen. Es war eine liebevolle Geste, voller Hingabe. Doch ehe er ausreden konnte, hatte sie alles zerstört: „Den hast du mir schon mal geschenkt…“ wetterte sie. Ihr war in diesem Augenblick gar nicht bewusst, wie kalt und zurückweisend sie war. Sie fühlte sich so – gefühllos denn erst kurze Zeit zuvor war etwas zwischen den beiden zerstört wurden. Seit dem Tag begann sie mit jeder Sekunde weniger zu fühlen. Es sah so aus als würde sie abstumpfen.
Die folgende Nacht lag sie wach, ihre Gedanken kreisten: Wer keine Gefühle zulässt, kann auch nicht verletzt werden. Doch was sie vorher nicht bedacht hatte: wer keine Gefühle zulässt, kann selbst verletzen. Sie weinte. Warum hatte sie den Stern nicht angenommen und sich gewünscht, nicht mehr die zu verletzen, die ihr soviel bedeuten???
Auch der nächste Tag war geprägt von Tränen und einem Meer aus Gefühlen. Die Küsse schmeckten nach nichts mehr, die Umarmungen gaben keinen Halt mehr, … Liebte sie diesen Mann noch oder war inzwischen wirklich alles weg? Sie fühlte den Schmerz und die Tränen. Wenn wirklich alles vorbei wäre, wieso weinte sie dann? Das war der Moment indem ihr klar wurde, dass sie ihn innig liebte. Sie musste es nur zulassen, ihre Ängste überwinden und ihm so die Chance geben sie glücklich zu machen … Der Moment, indem sie sich unglaublich frei fühlte und ihre Augen für die kleinen Dinge zu öffnen. Der Moment, indem endlich beide bereit waren, zu arbeiten und tatsächlich etwas wie eine Beziehung begann…

Immer wenn sie jetzt in den Sternenhimmel blickt, stielt sich ein Lächeln in ihr Gesicht und ihre Augen glitzern. Zur Erfüllung ihres Wunsches braucht sie keinen Stern, denn alles wäre nichts, ohne diesen Mann an ihrer Seite …

(… und wenn sie nicht aufgehört haben sich zu lieben, so leben sie nun glücklich verheiratet, ohne Kinder, auf einem selbsterrichteten Gnadenhof in Schottland, in ihrem Türmchen und blicken auf die Blockhütte am Meer – – – oder auch nicht. ;))

~ für Miguel in Liebe ~

~ Danke für’s Sterne vom Himmel holen. Welche Frau bekommt das schon? 🙂
Ich liebe Dich!!! ~