Rosi allein unterwegs Tag 3 – Der Drang nach Freiheit

Ich bin früh wach, zum Glück ohne Migräne!
Gerdi steht bereits in der Küche und macht sich was zu Essen. (Von wegen er kann nicht mehr so viel essen. Dafür sind die beiden ständig am Snacken und Naschen. Merken sie offenbar nur nicht …) Ich ignoriere ihn, obwohl er mich bemerkt hat, gehe auf Toilette und setze mich wieder aufs Sofa. Ich habe keine Lust mich anzuziehen, also kuschel ich mich in eine dicke Decke und digitalisiere Fotos.

Jede Menge Kinderfotos von Rosi
Von klein über niedlich bis hin zu „Bin ich das wirklich?“ findet sich so ziemlich alles!

Nicht mal eine Stunde später holt Gerd sich Chips …
Mama steht erst gegen 10 Uhr auf. Ich frage sie nach einigen sehr alten Fotos, bei denen ich nicht genau weiß, wer da zu sehen ist – und muss lachen, als sie erklärt: „Das ist Omi mit den Beiden. Detlef (= mein Papa) steht da und das da im Kindewagen ist Ulli (= sein Bruder/ mein Onkel).“ Nur gibt es auf dem Foto gar keinen Kindewagen und es stellt sich heraus das sie das Tier (wir vermuten den kleineren Hund, leider schlecht zu erkennen) für meinen Onkel gehalten hat.

Rosiws Oma in jungen Jahren, sowie Rosis Papa als Kind
Die junge Frau ist meine Omi, der fesche Junge mein (zukünfitiger) Papa. Auf dem Arm hält meine Omi – vermutlich – den zweiten Hund der Familie.

Zu dritt frühstücken wir. Von einem entspannten Sonntagsfrühstück, wie ich es gerne mit Ron genieße, ist es meilenweit entfernt. Es nervt sogar so dermaßen, dass ich kurz davor bin noch mal Geld für eine Fahrkarte auszugeben und bereits heute nach Hause zu fahren. Ron zu liebe versuche ich durchzuhalten, denn so schnell wird es wohl nicht wieder vorkommen, dass er „alleine zu Hause“ ist …

Nach dem Essen sortieren Mama und ich weiter aus. Mein lieber Bruder, der sich, nachdem er noch einen Jogurt verdrückt hat, eigentlich hinlegen wollte, kommt immer wieder dazu. Ständig wird alls kommentiert, werden überflüssige Fragen gestellt, labert Gerhard Müll (wobei eigentich fast nur drei Worte aus seinem Mund kommen) bei dem dem selbst ein Kleinkind genervt die Augen verdreht und lacht sein nerviges Kichern alle paar Minuten, obwohl es nichts Witziges gibt. (Einer der Gründe warum ich einige Hundert Kilometer weit weg gezogen bin. Immerhin weiß ich jetzt, neben wem ich auf der Hochzeit platzieren kann, da es da noch eine zweite Person mit so einem Charakter gibt, die wir ja, angeblich, einladen MÜSSEN … *mega-fies-grins*)

Irgendwann grummel ich: „Meine Güte, das hält ja keiner aus!“ und setze meine Kopfhörer auf (die glücklicherweise bereits über Noise Cancelling verfügen). Während ich mein Hörspiel öffnen, höre ich wie unsere Mutter zu ihm sagt: „Jetzt benimmt dich doch mal!“ Wie auch die letzten 51 Jahre ignoriert er sie und fragt stattdessen: „Warum?“. Alles wie immer.

ICH MUSS HIER RAUS!!!!!! S-O-F-O-R-T!!!!!!
Die Sonne scheint leider immer nur mal kurz und es regnet, doch weil ich einfach mal alleine sein muss, gehe ich Spazieren. Wie ein Mantra wiederhole ich in Gedanken: „Nur noch heute. Halte durch …“

Schon nach wenigen Metern sehe ich einen Regenbogen. Fast so wie ein Zeichen: „Alles wird gut!

Regebogen über Bleckede
Nach Regen kommt Sonne und manchmal auch ein Regenbogen! (Ein Zeichen von Rainer? ;-))

Ich beruhige mich ein wenig und mache ich mich auf dem Weg zum Friedhof, um meinem Stiefvater einen Besuch abzustatten.

Kruzifix mit einer Kastanie und einer Blüte
Da mein Besuch spontan war, habe ich auf dem Weg eine Kastanie aufgesammelt und eine Blüte für Rainer gepflückt.

Auf dem Weg dorthin entdecke ich Alpakas …

… und sogar ein „Lost Place“!

Da ich noch nicht zurück will, wandere ich ein wenig durch den Schloßpark.

Wo ich schon mal in der Nähe bin tragen mich meine Füße weiter Richtung Elbe. Ein Platz wo ich schon immer gerne gewesen bin, als ich noch in Bleckede gewohnt habe. Damals war hier allerdings mehr Natur, nicht so ein Kahlschlag. Da konnte man noch baden ohne aus Kilometern Entfernung gesehen zu werden. Jetzt ist es ungemütlich und ich frage mich, ob auch jemand an Schatten, Brutplätze und Co. gedacht hat, als der Umbau begann …

Nach über zwei Stunden kehre ich zu meiner Gastwohnung zurück. Auf dem Weg mache ich einen kurzen Stopp bei dem Haus in dem ich meine allererste eigene Wohnung hatte. Einfach aus Neugierde. Zumindest äußerlich hat sich nicht viel verändert.

Hinterhaus in der Rosis erste Wohnung, im Erdgeschoss links, liegt.
Hier hatte ich meine allererste eigene Wohnung. – Und generel keine guten Erinnerungen an diese Zeit …

Am späteren Abend (nach BINGO, den meine Mutter allerdings nicht hat) Essen wir zusammen. Als Gerhard anfängt wieder zu nerven, sehe ich meine Mutter an und frage nur: „Sagst du ihm das er die Klappe halten soll oder soll ich rübergehen?“

Zum Ausklang des Wochenendes gucken wir einen Film: „Hexen hexen“. Keine Gruselkomödie wie von der Fernsehzeitung angekündigt und offenbar schon sehr alt, trotzdem aber ganz sehenswert. (Mein Bruder hat sich seit der Geschichte in der Küche nicht mehr blicken lassen. Das hat er schon früher so gemacht, wenn er beleidigt war. Soll mir nur Recht sein!)

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