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Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg ins Rollenspiel

„Mit wem redest du denn?“ fragte meine Mutter, als sie in mein Kinderzimmer kam. Nur um festzustellen, dass ich gar keinen Besuch hatte, sondern schlicht weg mit meinen Puppen und Modelltieren spielte. Nur eben offenbar so vertieft und authentisch. So wurde mir schon sehr früh eine „blühende Fantasie“ bescheinigt und die sollte, im Laufe meines Lebens, wahrlich aufblühen:

  1. in den 90ern Bardowick, Grundschule. Noch zu gut kann ich mich an meine allererste Rolle in einem Theaterstück erinnern. Ich spielte einen Baum! Meine Güte war ich aufgeregt!!! Auch wenn es nicht anspruchsvoll klingt, wer (kleine) Kinder hat, weiß vermutlich wie schwer es für diese ist länger still zu stehen.
Rosi als Lumpenjule
Ich habe es schon immer geliebt in andere Rollen zu schlüpfen. (Hier als „Lumpenjule“)- Allerdings nicht fotografiert zu werden…
  1. Theater-AG. In den späteren (Schul-)Jahren nutzte ich immer gerne die Theater-AG an unser Schule. Da machte es mir richtig Spaß länger zu bleiben! Als Bardowick kurz vor seinem 2000sten Jubiläum stand, plante unsere Gruppe ein Stück über die Geschichte des Flecken aufzuführen. Eine kleine Herausforderung für uns alle: Das Stück sollte auf Plattdeutsch sein. So bot ich, als Marktfrau im Kahn, u.a. Wuddeln feil. Eine Woche vor der Aufführung wurde ich richtig krank und musste zwei Wochen im Bett verbringen …
  1. um 2004 Lüneburg, Amateurtheater. Nach einem Umzug in die nächstgrößere Stadt las ich einen Aufruf in der Zeitung, dass neue Spielerinnen für ein Ensemble gesucht werden. Ich ging in die Telefonzelle (für alle die sie nicht mehr kennen: Das ist wie ein analoges Smartphone mit Schnur), rief an, ging zum Casting – und wurde zum Postboten. Leider begann ich kurze Zeit später im Schichtdienst zu arbeiten, so dass ich nicht mehr an den Proben teilnehmen konnte…
  1. 2009 Umzug nach Bremen. Für die einen war es wie weglaufen, für mich ein riesengroßer Befreiungsschlag: Der Umzug von der Hansestadt Lüneburg, in die 150 Km entfernte Hansestadt Bremen. Weit weg von alten Mustern (und Menschen), konnte ich mir ein neues Leben aufbauen. Der Weg war oft steinig, aber ich bin an den Herausforderungen gewachsen – gleiches sollte, im Laufe der Zeit, für mein Selbstvertrauen gelten.
  1. 2010 Ersatzbefriedigung Modeln. Aus diversen Gründen kam es nie dazu, dass ich mich in Bremen an einem Theater vorstellte. Als ich auf myspace einige Selfies hochlud, auf denen ich verschiedene Gesichtsausdrücke zeigte, wurde ein Fotograf auf mich aufmerksam. Ob ich nicht Lust auf ein Shooting hätte. WHAT??? ICH? Ja, ich habe erst gedacht er nimmt mich auf den Arm, aber dann habe ich zugesagt – und ehe ich mich versah war ich in der Welt der Hobbymodels – und hatte MEGA Spaß dabei. Für mich war es eine Alternative zum Theaterm da ich in so viele verschiedene Rollen schlüpfen konnte.
Rosi im Gewand, auf ein Schwert gestützt, an einem See
Ein Foto aus eines meiner ersten Shootings. – Im Gegensatz zu vielen anderen, die später folgten, tatsächlich noch ein analoges Foto! [Fotograf: Harald Goergens]
  1. Neuer Job, erste Berührung mit einem Pen and Paper Rollenspiel. Mein damaliger Chef war Spielleiter für eine Rollenspielgruppe des Systems Das Schwarze Auge (kurz DSA). Immer mal wieder erzählte er davon und ich wurde neugierig, stöberte in Regelwerken und Abenteuerbüchern. Angezogen von dem wirklich tollen Artwork wollte ich mehr erfahren. (Ich liebe eben einfach Bilder!)
  1. 2012 Bremen/ Hannover. Glück im Spiel – und in der Liebe. Mit besagtem Spielleiter sollte ich später eine WG gründen. Klar, dass dann irgendwann auch seine Spieler bei uns vor der Tür standen. Bei dem allerersten, dem ich die Tür öffnete, dachte ich: „Den würde ich nicht von der Bettkante schubsen!“. Einige Monate später waren wir ein Paar – und sind es noch heute!
Ron und Rosi sitzen auf einem Sofa. Ron ist im Gesicht wie ein Werwolf geschmikt, Rosi ist komplett als Zombie verkleidet und versucht Ron zu beißen.
„Ich habe dich zum Fressen gern!“ Tuchfühlung der anderen Art am 03.11.2012, auf dem Sofa einer Bekannten, kurz vor einer Halloweenparty im „Rocker“ (Rockkneipe in Hannover). Wer verkleidet kam, bekam Freigetränke – und ich konnte mich verkleidungstechnisch so richtig austoben! 😀
  1. 2013 Erstes Rollenspiel, auch als Spielleiterin. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich noch für ein Unternehmen, welches Plüschtiere „zum Leben erweckte“. Als mir zugetragen wurde, dass es ein Rollenspiel gibt, bei denen eben diese plüschigen Gesellen die Hauptrollen spielen, wollte ich es spielen. Ich verpflichtete einen Spielleiter, trommelte ein paar Bekannte zusammen und erschuf BÄRnharT, einen homosexuellen, Punk-Teddybären, mit einer Vorliebe für Muskatnuss, der zwar Computer hacken, aber kein bisschen lesen kann… – Kurze Zeit später versuchte ich mich selbst als Spielleiterin. Es blieb das bisher einzige Mal.
Rosi liest aus dem Pen and Paper Abenteuer "Der Woolminator"
Mein erster- und bisher einziger – Versuch als Spielleiterin
  1. 2014 Erste Rollenspiel-Con besucht. Ein neues System kam auf den Markt und wir durften Teil des Beta-Tests für Splittermond sein! Als die dazugehörige HeinzCon in der Nähe stattfand fuhren Ron und ich, zusammen mit einem Bekannten, an die Nordsee. Ich liebe das Meer ohnehin, also wäre es ohnehin ein schöner Ausflug geworden. Es war auch so interessant und über die nächsten Jahre sollten wir noch öfter auf die Con finden und spannende Unterhaltungen, mit Redakteuren, Autoren, Spielleitern, Spielerinnern,… führen.
Mein erster Charakter war, wie bei allen Mitspielerinnen, ein Archetyp. In meinem Fall Keira Alvios.
  1. Entdecke die Welt, diverse Systeme ausprobiert. Im Laufe der Zeit durfte ich inzwischen diverse Pen and Paper-Rollenspiele ausprobieren und noch viel mehr warten darauf von mir entdeckt zu werden! Am liebsten sind mir solche, bei denen ich keine dicken Bücher an Regeln lesen oder erst jede Kleinigkeit auswürfeln muss. Ich mag es auch, wenn die Spiele eine Portion Humor mitbringen, wie z.B. bei Deponia oder Plüsch Power Plunder.
Teddybär Bärnhart
BÄRnHART ist bereit für neue Abenteuer – Hauptsache er hat genügend Muskantnuss dabei!
  1. 2020 Dank Corona auch mal Rollenspiele digital gespielt. Die Pandemie hat alle vor große Herausforderungen gestellt. Plötzlich durften – und wollten – wir uns nicht mehr am Spieltisch treffen. Anfangs fielen unsere monatlichen Treffen aus, ebenfalls die HeinzCon. Doch schon bald entdeckten immer mehr Menschen das Digitale für sich und so spielten auch wir bald online. Als feste Gruppe und in diversen neuen Gruppen via Discord. Es war spannend auf diese Weise auch mal mit Menschen vom anderen Ende Deutschlands, aus Österreich und der Schweiz zu spielen. Und natürlich auch andere Spielleiterinnen kennen zu lernen, noch mehr Systeme zu entdecken,…
  1. 2022 Ein großer Plan reift heran. Schon länger schwillt ein Feuer in mir, welches mit (mir) Selbst beginnt und ständig aufhört. Doch immer wieder scheute ich mich, fand Ausreden, um den Weg nicht zu gehen. Vor gar nicht allzu langer Zeit, traten zwei Personen in mein Leben, die meine Sicht veränderten: Judith Peters, deren Energie einfach ansteckend ist und Kerstin Chroengel, die bereits zweimal selbständig war und sich trotzdem nicht davor scheut es auch ein drittes Mal zu werden. Beide Frauen gaben mir einen Schubs, ich überzeugte meinen Mann von der Idee und dem Konzept und nun ist es fest geplant: 2024 gehen wir den Schritt. (Und ich bin jetzt schon total aufgeregt!)
  1. 2024 Die Würfel sind geworfen. Bleibt neugierig … 😉

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