GIBT MIR EINEN HAMMER!!!

Wir sind uns sicher alle einig das der Verlust eines Tieres mehr als schmerzlich ist. Völlig egal, ob der Gefährte nur kurze Zeit an unser Seite war oder uns bereits ein Leben lang begleitet hat. Dankbar sind für jede Sekunde mit dem liebenswerten Geschöpf. Für all die schönen Momente die es uns beschert hat, für all das was es sich anhören musste, für alles was es mit uns geteilt hat, … Doch irgendwann kommt die Zeit, da trennen sich die Wege, ob man will oder nicht. Oftmals führt der Weg zum Tierarzt des Vertrauens, denn wir schulden es dem Tier, ihm einen würdevollen Abtritt zu verschaffen. So schwer es auch fällt, wer die Verantwortung für ein Tier übernommen hat, sollte stets das Beste für dieses Wesen ermöglichen.

Doch der Mensch an sich ein grausamer Barbar, das grausamste Tier auf dem Planeten Erde. Und nicht jeder denkt so wie ich. Schrecklich und schmerzlich musste das auch Scamp erfahren. Der kleine Terrier war bereits 16 Jahre alt, litt an Inkontinenz und wurde langsam blind. Für sein Herrchen war es Zeit Abschied zu nehmen. Jeder halbwegs fühlende Mensch hätte den schweren Schritt zum Tierarzt gemacht. Dem 59jähirgen Michael H. war das aber zu teuer. Zusammen mit einem Bekannten ging er in den Wald, dort gingen sie aber nicht etwa eine letzte Runde Gassi, sondern schlugen Scamp einen Nagel in den Kopf!!! Anschließend verscharrten die beiden den Hund direkt im Wald. Doch Scamp war nicht tot. Stattdessen litt er Höllenqualen. Spaziergänger fanden ihn Stunden (!!!) später, angelockt durch sein Winseln. Die Spaziergänger brachten ihn sofort zum nächsten Tierarzt, der den Leiden des Terriers ein Ende setzte. – Zumindest körperlich, denn ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht nur die unerträglichen Schmerzen waren, die den Hund haben winseln lassen. Er wird auch nicht verstanden haben, warum sein Herrchen ihn so etwas antut. Grausame Folter, sowohl körperlich, als auch seelisch.

Beide Männer kamen nun vor Gericht. In Middlesbrough (England), wo die Tat begannen wurde, sprach die Richterin von einem „barbarischen Akt“ und „unsagbare Leid“, das de Täter dem Tier angetan haben. (Der Anwalt des Halters argumentierte übrigens, dass dieser Scamp geliebt hätte und ihm nicht absichtlich Leid zugefügt hätte …) Das Urteil: Vier Monaten Haft ohne Bewährung. – Dieser Teil ist für mein Empfinden echt lachthaft … Beiden ist es außerdem Verboten, jemals wieder ein Haustier zu halten. – Der zweite Teil gefällt mir hingegen sehr. Allerdings frage ich mich, wer das wie überprüfen wird. Vermutlich niemand …

Da möchte ich am liebsten aus tiefsten Herzchen schreien:

GIBT MIR EINEN HAMMER!!!

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HappyCat: Kater findet nach 12 Jahren (!) sein Herrchen wieder

Wer mit Tieren lebt weiß wieviel Sorgen man sich macht, wenn der Gefährte einfach verschwindet. So ging es auch dem Herrchen von Kater Arion, als der „Kleine“ nicht mehr nach Hause kam. Irgendwann glaubt man, dass der Kleine Freund verstorben ist… Die beiden hatten sogar gemeinsame Ausflüge gemacht und überhaupt viel gemeinsam unternommen. Um so tiefer ist die Trauer. Man muss lernen mit dem Verlust zu leben. So auch das Herrchen dieses Katers. Er zog irgendwann um, wechselte die Stadt.

Zwölf Jahre später: Im Tierheim Riem wird ein älterer Kater abgebenen. Angeblich sei er agressiv und unnahbar. Einer Pflegerin im Katzenhaus kam das merkwürdig vor, denn dort verhielt sich der 14 Jahre alte Kater ganz anders. Sie lies den Chip des Tieres auslesen und kam zu einem überraschendem Ergebnis:

Die Daten auf dem Chip waren nicht identisch mit dem Mann, der die Samtpfote abgegeben hatte. Vielmehr besagte die Datenbank, dass dieser Kater vor zwölf Jahren als vermisst gemeldet wurde. Die Leiterin der Tierheim-Vermisstenstelle machte sich ans Werk und fand den Mann wieder. Dieser zögerte nicht, setzte sich ins Auto und fuhr die 700 Kilometer (!), um seinen „alten“ Gefährten abzuholen.

Arion näherte sich erst vorsichtig seinem „alten“ Herrchen, lies sich dann von ihm streicheln und kraueln. Als er die ausgestreckten Finger des Mannes ableckte, war (nicht nur den Angestellten) klar, dass der Kater sein Herrchen, nach all der Zeit, wieder erkannt hat. ❤

So sehr euch ein zugelaufens Tier auch ans Herz gewachsen ist, denkt immer daran: Irgendwo dort draußen gibt es vielleicht jemanden, der sich Sorgen um euer Findelkind macht und mit ihm schon durch Dick und Dünn gegangen ist …

Arion (Foto: Tierschutzbund)

Arion
(Foto: Tierschutzbund)

Hundestarker Brief

Leider ist nicht bekannt von dem nachfolgende Text urspünglich stammt (unbekannter Verfasser). Als ich ihn las dachte ich nur: „Wie wahr!“ und nickte eifrig. Nicht ohne ein Lächeln auf den Lippen, auf Grund dieses tollen zynischen Beitrages. Wer einen Hund bei sich wohnen hat oder auch nur mal einen ausgeführt hat, wird sich vermutlich hier wiederfinden. Viel Spaß beim Lesen & ein tierisches Wochende euch allen. 🙂

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Liebe Mitmenschen, die ihr keine Hunde habt und (ich betone und) diese auch nicht leiden könnt!

Ihr habt ja so Recht!Was sind wir Hundebesitzer nur für ein schreckliches Volk? Und zwar alle. Egal, ob Dackelbesitzer, Kampfhund,- Mischlings, Boxer- oder Mopsbesitzer. Wir sind alle schlechte Menschen und schlechte Menschen haben keine guten Hunde. Und ja: unsere Hunde haben Zähne, also sind sie böse! Es tut mir so leid! Ich möchte mich entschuldigen und euch mitteilen, dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe:

1.Ich werde mich nie wieder auf einem öffentlichen Waldweg aufhalten, wenn ihr, liebe Fahrradfahrer, diesen benutzen möchten. Dabei finde ich es völlig in Ordnung, wenn ihr nicht klingeln, nicht bremsen, geschweige denn eine kleine Kurve um mich und meinen Hund herum fahren wollt. Der Wald gehört Euch!
2. Ich werde nie wieder einem schlecht gelaunten Rentner widersprechen, der mich mit übelsten Schimpfworten belegt, weil ich einen Hund habe (der an der Leine neben mir läuft und den Rentner nicht mal angeatmet hat!). Rentner dürfen das. Rentner müssen auch nicht grüßen, schon gar keine Hundebesitzer.
3. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn im Sommer Heerscharen von Menschen in die Naherholungswälder einfallen und dort ungehemmt ihre Notdurft verrichten. Menschen dürfen das. Ich erkläre meinem Hund, dass es unfein ist, menschliche Hinterlassenschaften in der Nähe des Wegesrandes aufzuspüren. Menschen finden das ekelig! Nur Hundebesitzer müssen Kot-Tüten bei sich tragen.
4. Liebe Mütter! Natürlich dürft ihr Euren Kindern im Wald die Windeln wechseln. Das ist ja auch völlig legal. Bei all den mütterlichen Pflichten ist es wirklich auch zuviel verlangt, die Windeln in die nächste Mülltonne zu werfen. Werft sie ruhig in die Büsche. Dann frißt mein Hund eben heute mal frisches Baby-Häufchen. Das bringt Abwechslung auf den Speiseplan!
5. Liebe Mitmenschen, die ihr so romantisch in freier Natur grillt. Ist sie nicht herrlich, unsere Elbe? Man kann sich an seinen Ufern so wunderbar erholen. Natürlich ist man danach viel zu müde, um seinen Müll wieder mitzunehmen. Das ist ja völlig verständlich! Nicht wahr, liebes Ordnungsamt? Da kneift man gerne mal ein Auge zu. Mein Hund, der dankenswerter Weise ja an der Elbe ohne Leine laufen darf (Danke, Danke! Danke!) kann sich nie entscheiden, ob er zuerst in eine zertrümmerte Bierflasche treten oder an Euren Grillresten ersticken soll!
6. Liebe Jogger, natürlich habt ihr Recht. Im Wald muss man nie mit unvorhersehbaren Dingen rechnen. Im Wald dürfen weder Kinder, langsame ältere Menschen, noch Hunde Euren Weg kreuzen und euch nötigen, euer Tempo zu drosseln oder einen kleinen Ausfallschritt zu machen. Der Wald gehört Euch! Wir Hundebesitzer können unseren Hund ja auch einfach auf einem Laufband im Wohnzimmer Bewegung verschaffen!
7. Ich erwarte nie wieder, dass man höflich Danke sagt, wenn ich meinen Hund am Wegesrand ins Platz lege, damit eine Riesengruppe laut klappernder Nordic Walker ungestört ihres Weges ziehen kann. Nordic Walker müssen nicht Danke sagen. Niemand muss Danke zu mir sagen. Ich bin ein Hundebesitzer!

Liebe Mitmenschen, ich habe meinen Hund ausgebildet und ihm Gehorsam beigebracht, damit er im Wald nicht atmet, wenn sich uns ein Nicht-Hunde-Mögenden-Mensch nähert.

Ich habe meinem Hund beigebracht, liegen zu bleiben, wenn eine ängstliche Personsich uns nähert, damit wir anschließend beschimpft werden.
Ich nehme gerne Rücksicht auf meine Mitmenschen, ohne ähnliches zurück zu erwarten!

Und noch eins: Liebe wohlwollende Rentner und Hunde-Mögende Mitmenschen!

Ich weiß, dass es Euch gibt. Vereinzelt habe ich Euch auch schon getroffen. Gernewürde ich mich öfter mit euch unterhalten und mein Hund mag es, wenn ihr ihn streichelt. Leider sind wir immer auf der Flucht! Nehmt es uns nicht übel, wenn wir uns andauernd hinter irgendwelchen Büschen verstecken.

Verratet uns nicht! Wir sind illegale Waldbesucher!
Danke!

Email für Dich [In Gedenken an Harlekin]

Dies ist die Email, die Harlekin am ersten Abend „alleine“ (mit meiner Hilfe) an sein Herrchen geschickt hat. (Zum lesen einfach auf das Bild klicken.)

Email

Harlekin-2011-08-02

Wie die Liebe begann … [In Gedenken an Harlekin]

[Als Harlekin vor zwei Jahren zu mir zog, schrieb er die ersten zwei Tage ein Tagebuch. Diese Auszüge möchte ich hier veröffentlichen, denn die Erinnerung bleibt … ❤ ]

Die Ankunft

31. Juli 2011

Es war ein milder Sommertag, trotzdem war Herrchen heute irgendwie komisch. Eigentlich nicht nur heute, sondern schon die letzten Tage. Irgendwie bedrückt

Am Abend kam Frauchen vorbei. Dann ging alles ganz schnell. Die beiden packten alles mögliche ein – zum Schluss dann sogar mich! Das mochte ich so gar nicht. Herrchen hat mich ausgetrickst, indem er mich rückwärts in die Transportbox buxiert hat. Wir haben dann zu dritt die Wohnung verlassen. Ein paar Häuser weiter haben wir Puma, einen Mitkater, getroffen und Herrchen sagte: „Sag Tschüß!“. Ich hatte weder eine Ahnung wen, noch was er meinte. Ganz schnell waren wir an der Straße und warteten auf etwas, das die Menschen Straßenbahn nenne. Bis die kam war noch Zeit, so dass die Beiden sich noch hinsetzten. Fand ich total doof, ich konnte ja nicht weg. Am schlimmsten war zu sehen, wie sehr Herrchen litt. Ich habe die ganze Zeit versucht auf ihn einzureden, aber mein Gemautze half leider nicht viel. Frauchen hat gemeint ich würde einen längeren Urlaub machen und könnte ja jederzeit wieder zurück. Weiß gar nicht was das ist, Urlaub. Aber ich bin neugierig und will das mal ausprobieren.

In der Bahn habe ich weiter auf Herrchen eingeredet, war aber nicht so einfach, weil es da so laut war und ganz viele Menschen da waren. Das hat ganz schön geschaukelt in dem Korb. Als ich da wieder rauskam hat nichts mehr nach Katze gerochen,  von mir abgesehen natürlich. Ich habe mir ersteinmal das nächstbeste Versteck gesucht und mich ein wenig akklimatisiert. Dauerte auch nicht lange, die Neugierde war einfach zu stark. Schnell erkundete ich alles, mir gefiel was ich sah und ich beschloss mich erst mal zu putzen. Die Reise hatte mir mein Fell ganz schön durcheinander gebracht.

Herrchen nahm mich ganz oft auf den Arm, streichelte mich und sagte wieder etwas von Tschüß sagen. Ich glaube es hatte irgendwas mit mir zu tun, dass er so komisch war. Herrchen blieb dann die Nacht noch bei mir. Fand ich toll, denn da hatte ich vier Hände die mich streichelten und vier Beine an die ich mich legen konnte.

Ich bin auch ganz schnell eingeschlafen, dass war alles ein wenig viel. Mal sehen wie die nächsten Tage werden, bin schon ganz gespannt.

Harlekin

Der Alptraum beginnt erst mit dem Erwachen [Nachruf]

DER ALPTRAUM BEGINNT ERST MIT DEM ERWACHEN

Die Nacht vom Mo, den 23.09. auf dem Di, den 24.09. schlief ich mehr als unruhig. Ich hatte einen ganz komischen Traum: Ich träumte von meinem Kater und meiner Mutter. Bisher waren sie noch nie zusammen in einem Traum. Aber das komische war, dass sie mich drängte Harlekin abzugeben. Mit allen Mitteln. Sie war total versteift darauf und versuchte sogar ihn mir zu stehlen. Ich wachte auf. Ich brauchte einen Moment um zu begreifen, wo ich war und das es nur ein Traum war. Beruhigt wollte ich weiterschlafen, doch ein Geräusch was da einfach nicht hingehörte, lies mich nicht. Es klang wie Metall und kurzzeitig erwischte ich mich bei dem Gedanken, wer denn bei diesem Wetter schon Schnee schieben würde. Dann übermannte mich die Müdigkeit. Und ich träumte genau das gleich noch einmal: Meine Mutter die darauf drängte ich solle Harlekin abgeben. Mit einem Unterschied. Diesmal fragte ich sie nach dem Grund und sie antwortet: „Bevor ihm was passiert!“ Ich wachte auf.

Mit klopfendem Herzen ging ich durchs Haus, den üblichen morgendlichen Rundgang um allen einen „Guten Morgen“ zu wünschen. – Und mich zu beruhigen. Doch ausgerechnet meinen Kleinen konnte ich nirgends entdecken. Meine Stimme zitterte, als ich Miguel nach ihm fragte. Doch auch er hatte ihn an diesem Morgen noch nicht gesehen. Ich fühlte förmlich wie ich blass wurde. Kurze Zeit später rief ich die Katzen zum Frühstück. Harlekin blieb fern. Ich versuchte mir einzureden, dass er einfach ein Stück weiter weg ist und gleich kommen würde.

Und dann kam der Moment, der alles veränderte:

Es klingelte an der Haustür. Als ich öffnete stand dort ausgerechnet unsere Nachbarin. Ich dachte schon sie hätte wieder irgendwas zu meckern. Ich hätte sich alles besser verkraftet, als die Worte die aus ihrem Mund kamen:

„Heute Morgen ist hier eine Katze von der Polizei abgeholt worden. Sie ist überfahren worden. Ich wollte Ihnen nur bescheid sagen, falls sie eine vermissen. Eine schwarze war das.“ *dong* *dong* *dong* … In meinem Kopf hämmerte es nur noch. Erstaunlich sachlich, wie jemand der noch nicht begreift, was er da grade gehört hat, antwortete ich das wir tatsächlich eine schwarze Katze vermissen würden. Die Nachbarin sagte noch, dass es hier die Polizei in Blumenthal war und verschwand nachdem ich mich bedankt hatte.

Ich schloss die Tür und brach zusammen. Auf dem Boden saß ich, von Weinkrämpfen geschüttelt. Miguel kam fragend auf mich zu.

„Azrael?“ Kopfschütteln. „Harlekin?“ Nicken. „Was ist passiert?“ Ich war zu keiner Antwort fähig. „Was ist passiert?“ Schluchzen. „Was ist passiert?“ … Diese Frage klang immer verzweifelter… Irgendwann brachte ich einige abgehackte Sätze zustande und er begriff…

Ich bat Miguel zu telefoniert. Kein Wort hätte ich heraus gebracht. Zumindest keines, was jemand am anderen Ende der Leitung verstanden hätte. Und das tat Miguel. Wie ein Irrer diskutierte er mit Beamten, stellte Fragen und lies sich nicht abwimmeln. Doch die Suche nach dem „Unfallopfer“ sollte schwierig werden, denn die Polizeizentrale gibt keine Durchwahlen der Wachen raus. Im Telefonbuch oder Online bekommt man sie auch nicht.  Wie sollten wir denn aber nur wissen, an wen wir uns wenden müssen? Wir fanden drei Polizeiwachen in Blumenthal und entschieden uns dafür, bei der anzufangen, die die selbe Postleitzahl hat wie wir. Glücklicherweise waren wir dort nicht nur richtig, sondern auch die Streife von heute Morgen war vor Ort. Eine junge Polizistin bestätigte den schwarzen Kater. Sie sagte „Er war ganz schwarz“. Bei mir löste das natürlich den Griff nach dem Strohhalm aus: „Harlekin hat einen weißen Fleck auf der Brust!“ Sie erzählte uns wo wir das Tier finden würden und meinte es sollte wohl noch dort sein. Wir brachen sofort auf.

LEICHE IM KELLER

Endlich (!?) hatten wir den Recyclinghof erreicht. Je näher wir dem Tor kamen, desto schneller klopfte mein Herz. Ich hatte Angst. Miguel erwies sich als großer Bruder und riet mir davon ab, gleich in die Tüte zu sehen. Er könnte das für mich machen. Aber nein, ich MUSSTE das einfach selbst machen. Egal wie grausam das Bild auch sein mochte. Ich vertraue meinem Bruderherz, aber dennoch hätte ich immer den Gedanken gehabt: „Was wenn er mich angelogen hat, um mich zu schützen?“ Ich musste den Kater sehen. Einfach um Gewissheit zu haben. – Und was Miguel nicht wusste: Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Klang von kratzendem Metall auf Asphalt längst in meinem Kopf festgebrannt …

Der erste Schock ereilte mich als ich die „Halle“ sah: Einen Container. Der zweite als ich die „Kühlkammer“ sah: eine Gefriertruhe. Der dritte als ich die „Aufbewahrungsbehälter“ sah: Müllbeutel … Das tat so weh! In all diesen Beutel lagen Tiere, die vielleicht irgendjemanden hatten, der sie liebte. Lieblos und gestapelt. Das war einfach nicht richtig! Das IST es nicht!

Der Blick in die blaue Tüte. Miguel: „Das ist er!“ Mit dem letzten Fünkchen Hoffnung fragte ich: „Und der weiße Fleck?“. Doch leider sahen wir auch diesen und zusammen mit dem schmalen Gesicht, den spitzen Zähnen und den kleinen gold-grünen Katzenaugen, war es eindeutig. Dieser kleine gefrorene Kater war „my little sweatheart“…. :,(

Es ist unheimlich: Er sieht genauso aus, wie auf dem letzten Foto, welches ich von ihm geschossen hatte. Am Abend davor, beim Fressen. Genau so, mit der heraushängenden Zunge, den leicht verdrehten Augen und dem weit aufgerissenem Maul. Vielleicht ist es gut so. Kann ich ihn so doch in eben dieser Erinnerung behalten…

Ich habe „meinen Kleinen“ auf den Armen, den ganzen Weg nach Hause, getragen. Es war schwer, nicht nur körperlich. Aber es war wieder einer dieser Dinge bei denen man das Gefühl hat, sie einfach tun zu müssen.

Damit Harlekin erst einmal in „Sicherheit“ war, legte ich ihn in den Keller. Sicher nicht der schönste Ort und bei dem Gedanken an den … die Plastiktüte war mir erst recht nicht wohl. Ich konnte kaum erwarten ihn dort raus zu holen und würdevoller zur Ruhe zu betten.

NICHT EINMAL DER TOD IST UMSONST (ER KOSTET DAS LEBEN)

Meine Mutter beliebte nach dem Tod meines Vaters immer zu sagen, dass sie „funktionieren“ würde. Ich glaube in diesem Moment funktionierte ich auch einfach nur noch: Kaum Zuhause angekommen griff ich nach dem Telefon und wählte die Nummer des Tierfriedhofes. Es waren vielleicht grade drei Wochen vergangen, als ich den Link zu ihrer Homepage speicherte und Harlekin versprach das er dort seine letzte Ruhe finden würde. (Ich konnte nicht ahnen, wie schnell ich dieses Versprechen würde einlösen müssen!)

Nur leider konnte ich nicht ahnen, dass ich direkt bei bzw. vor der Bestattung zahlen müsste. Nun wäre das Geld nicht das Problem gewesen, aber leider der Zeitpunkt. Nachdem ich dann einen Termin für die Beisetzung organisiert hatte, brauchte ich nun auch das „nötige Kleingeld“. Glücklicherweise hat mein Bruderherz eine Bekannte, die mir aushalf. Ich selbst hätte sie wohl nie gefragt…

Das ausgerechnet zwei Menschen mir in schwerer Stunde beistehen würden, die mir – bisher- nicht sonderlich sympathisch sind, hätte mir nie träumen lassen.

LEICHENSCHMAUS

Am Abend kam mein Göttergatte vorbei. Ich hatte ihn darum gebeten. Allerdings wusste er nicht warum. Als er mich sah, gezeichnet von den Ereignissen des Tages, nahm er mich in den Arm und fragte vorsichtig: „Was ist jetzt schon wieder passiert?“ … Auch er konnte es nicht fassen, hatte er meinen „Harley“, wie er ihn liebevoll nannte, doch längst ins Herz geschlossen.

Hunger hatte ich keinen. Nicht einmal Appetit. Dennoch haben wir zu dritt einen Leichenschmaus veranstaltet. Natürlich (!?) gab es Rostbratwürstchen. Ja, manchmal hat auch sein Herrchen tolle Ideen. Da es sich um ein Abschiedsessen handelte, habe ich auch ein Würstchen mitgegessen. Es hatte einen fahlen Beigeschmack …

Ich habe den ganzen Abend mit dem Handtuch um die Schultern zugebracht und sogar mit dem Tuch geschlafen, damit es meinen Geruch annimmt. Immer wenn ich aufwachte stellte ich fest, das ich diese Handtuch mit meinem Körper wie einen Schatz umklammerte. Es ist mir kein einziges Mal entglitten. Vielleicht klingt es verrückt, aber ich wollte das Harlekin etwas vertrautes hat. Etwas das ihm beim Übergang hilft keine, oder zumindest nicht soviel, Angst zu haben.

ERSCHRECKENDE LOGIK

Aus Erfahrung weiß ich, dass es nicht besser wird, wenn man nichts isst. So habe ich mir zum Frühstück etwas reingezwängt. Doch dann hatte ich Harlekin vor Augen, wie er immer beim Frühstück auf unsere Schöße geschlichen ist, um dann (mehr oder weniger) heimlich etwas vom Tisch zu stibitzen. Bei den Erinnerungen dauerte es nicht lange und ich lag weinend in Ron’s Armen…

Am Mittag hatte ich ein wichtiges Gespräch. An dieses hatte ich bei der Terminabsprache mit dem Friedhof gar nicht mehr gedacht. Zum Glück dauerte es nur kurz, denn ich konnte mich kaum konzentrieren. Besonders die Fahrt dorthin lies mich immer wieder in Gedanken versinken, die mir Tränen in die Augen trieben.

Wieder zurück stand mir der schwerste Gang bevor: Harlekin musste für seinen letzten Spaziergang vorbereitet werden. Dafür musste er aus dem Sack herausgeholt und in das Handtuch eingewickelt werden. Ich hatte schreckliche Angst das er vielleicht auf der „falschen“ Seite liegen und ich nicht mehr auf sein Gesicht schauen würde. Auch wenn ich es mir nicht nehmen lies, diese „Balsamierung“ selbst durchzuführen, so stand Miguel doch an meiner Seite. Und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Mit zitternden Händen schnitt ich den Sack auf – und war erleichtert, als ich in das freche Gesicht meines Kleinen blickte. Mit Logik, die mich in Anbetracht der Situation erstaunte, schaffte ich es ihn das Badetuch zu wickeln.

Das extra für ihn gebratene Rostbratwürstchen bekam er natürlich auch mit auf seine letzte Reise. Immerhin hat unser kleiner Schelm uns diese immer gebracht. Nun sollte er eine von uns bekommen. Ich steckte sie ihm zwischen die Pfoten. Er hielt sie sofort gut fest. Schätze die gibt er nicht wieder her. 😉

Erst wollten wir noch rote Rosen kaufen, doch dann kam mir in den Sinn das dies nicht persönlich genug wäre. In unserem Garten suchten wir die schönsten Blumen die wir finden konnten und schnitten sie ab. Es war eine Wahl des Herzens und somit waren diese Blümchen zu diesem Zeitpunkt vermutlich die schönsten der Welt, denn in ihnen steckte viel Liebe…

LETZTE RUHE

Ich habe es mir nicht nehmen lassen, Harlekin auf den Armen zum Tierfriedhof zu tragen. Es war mir egal wie es für andere aussah, dass ich ein Handtuch in ausstreckten Armen, umschlungen, durch die Straßen trug und mit ihm redete. Ich hatte Harlekin versprochen für ihn da zu sein. Bis zum Ende. Genau das tat ich.

Wir knieten an seinem Grab, schwelgten in Erinnerungen und wünschten ihn eine gute Reise. Keine Ahnung wie lange wir dort saßen, abwechselnd ins Grab und in den Himmel starrten. Miguel war der Erste, der die Blumen ins Grab legte. Es dauerte bis ich mich ebenfalls dazu überwinden konnte meinen kleinen Blumenstrauß auf Harlekin zu legen. Eine kleine Erinnerung an „seinen“ Garten. Für uns das Zeichen zum Aufbruch. Ich versprach bald wieder zu kommen und es ihm schön zu machen.

Auf dem Rückweg hielt ich die Mappe, die der Friedhofswärter mir gegeben hatte, fest an meine Brust gepresst. Ich brauchte irgendetwas an dem ich (mich) festhalten konnte – und dennoch: Meinen kleinen geliebten Kater dort liegen zu sehen, hatte etwas ungeheuer befreiendes. Ich hatte erwartet während der Beerdigung zusammen zu brechen, doch ich dachte an all die schönen Momente die ich mit dem „kleinen Stinker“ erleben durfte. Diese Erinnerungen zauberten mir ein Lächeln auf’s Gesicht. Und an eben diesen Erinnerungen werde ich mich festhalten. Meine Gefühle waren mehr als durcheinander. Wie aus heiterem Himmel sagte ich: „Irgendwie fühle ich mich schlecht, weil ich mich grade gut fühle.“ – „Ich hau‘ dich gleich!“ erwiderte Miguel. Darf man sich „gut“ fühlen, obwohl man grade jemanden beerdigt hat??? Diese Frage lässt mich immer noch nicht so ganz los.

Den Schlüssel zum Friedhofstor habe ich mit einem Gummiband an einem Duschring befestigt. An den zwei Dingen die er (nach uns = Frauchen + Herrchen) am meisten liebte. Gummiringe hat Harlekin sich gerne von Tischen „geklaut“. Die machen so tolle Bewegungen und man kann herrlich daran ziehen. (Überhaupt war er ein kleiner Gummifetishist:  Radiergummis, Gummischuhsohlen, … nichts war vor ihm sicher.) Duschringe hat er apportiert. Seine Vorliebe dafür fand ich irgendwann einmal durch Zufall raus. Mein Duschvorhang war heruntergefallen oder ich hatte ihn gewaschen, so genau weiß ich das nicht mehr. In jedem Fall nutzte Harlekin die Gelegenheit sich an dem Stapel Duschringen zu „vergreifen“ und fing an damit zu spielen. Ich warf einen dann einfach mal durch den Raum und siehe da: Mein kleiner Knuffel brachte ihn mir zurück. Seit diesem Zeitpunkt war dies sein Lieblingsspielzeug. 🙂 – Genau deswegen wird er auf seinem Grab einen Duschringbaum bekommen! Ich habe noch keine genau Vorstellung wie er mal aussehen wird, aber ich werde eine Möglichkeit finden. Ich habe es ihm versprochen. – Und ich halte meine Versprechen!

DAS SCHICKSAL HAT SCHWARZEN HUMOR

Anfang der Woche hatte ich meinen Kleinen Star für einen Fotowettbewerb (REWE Catwalk)  angemeldet. An diesem Abend, nachdem ich ihn zum Grabe getragen habe, kam die Email mit der Freischaltung. Welch Ironie.

Das letzte von Harlekin enstande Foto. Einen Abend bevor er von uns gehen musste...

Das letzte von Harlekin enstande Foto. Einen Abend bevor er von uns gehen musste…

schwarzer Humor des Schicksals ...

schwarzer Humor des Schicksals …

Aus vier mach zwei? – Katzen auf Tour

Bei vier Katzen habe ich das Gefühl, bald keine Kinder mehr zu brauchen. Um die vier mache ich mir nämlich auch ständig Sorgen.

So grade jetzt!

Alle haben ein gute Zeitgefühl, zumindest wenn es ums Fressen geht. Nach und nach trudeln sie ein, schleichen einen um die Beine und beklagen wie ausgehungert sie doch sind. Normalerweise. Schleichen sie nicht um einen herum, so reicht kurzes Rufen oder das bei uns inzwischen eingebürgerte „Fressenspfeifen“. (Eine bestimmte Pfeifmelodie, die den Vieren suggeriert das gleich gefüttert wird.)

Heute war alles anderes:

Harlekin wartete bereits im Flur auf mich. Ich schlenderte durch das Haus, um zu schauen wo die andern sind.

Nach dem Pfeifen eilte auch Nimoeh schnell herein. Azrael und Phex waren nicht zu sehen. Aber das einer mal etwas später kommt, weil er es vielleicht nicht gleich gehört hat oder einfach weg ist, kennen wir schon. Vorsorglich ging ich aber noch einmal ums Haus und rief und pfiff auch zur anderen Seite. Und wartete. Und wartete. Und wartete. Und wartete…

Schließlich fütterte ich die beiden anderen Samtpfoten und rief die anderen beiden noch einmal. Erfolglos.

Zugegeben, grade bei Azrael ist es bei diesen warmen Temperaturen normal mal eine Mahlzeit auszulassen. Aber Phex ist in letzter Zeit ein richtiger Gierlappen und kann gar nicht genug bekommen.

Erstmal eine Nachricht an Herrchen. Vielleicht hatten die beiden ihn heute morgen ein Stück begleitete. Antwort von Herrchen. Nein. Er hat sie heute auch noch nicht gesehen. – Und das war’s dann. Schon sprang mein biologischer Beschützer-, Mutter- oder was weiß ich was Komplex an! (Irgendwie bin ich immer erst beruhigt, wenn ich alle einmal am Tag gesehen habe.)

Das Tor stand offen! Hatte Herrchen es heute morgen eilig und es nicht wieder geschlossen? Aber ich hatte doch nachdem er weg war noch Geräusche gehört… definitiv das quietschen des Tores…

Kopfkino geh aus! Ich dreh gleich durch!

Das Tor war bestimmt von den Nachbarn, die zum Bäcker gingen…

Seit Stunden laufe ich alle paar Minuten durchs Haus, blicke aus den Fenstern und pfeife zur Tür heraus. Dabei immer das flaue Gefühl im Magen, auf der Straße einen Katzenkörper zu entdecken… Glücklicherweise ist dies bisher nicht geschehen!!!

Immer wieder drängt sich auch die Stimme unser Nachbarin in mein Ohr:

„Sie müssen auf die Katzen aufpassen. Hier sind schon oft welche verschwunden…“

Mein Herz rast und ich male wir die schlimmsten Ereignisse aus….

Vermutlich liegen nachher, wenn Herrchen von der Arbeit kommt, alle Katzen friedlich in der Sonne und schlummern den Schlaf der Gerechten. Nichts ahnend was Frauchen hier grade durchmacht.

Zumindest hoffe ich das …

Phex und Azrael

Phex und Azrael