Wenn Lügen dein Leben bestimmen [Rezension – Jugendroman]

~°~ Das Buch ~°~

Christina Michels

Wahrheit schmeckt wie Mokkatorte

304 Seiten

Magellan

ISBN 9783734856037

~°~ Klappentext ~°~

Was wahr ist, wird man wohl noch sagen dürfen – nach diesem Motto lebt Rinnie und schafft sich damit nicht nur Freunde. Doch jetzt ertappt sie sich dabei, wie sie den Leuten eine Lüge nach der anderen auftischt. Allen voran Christian, der ihretwegen im Krankenhaus liegt und vielleicht nie wieder gesund wird. Aber wie soll sie ihm die Wahrheit sagen, wenn das bedeuten würde, ihn für immer zu verlieren?

~°~ Eindrücke/ Meinungen ~°~

Mir gefällt der Einband wirklich gut, denn er fühlt sich nach Stoff an. Schön warm und griffig. Das zuckersüße Motiv mit kleinem Törtchen passt sehr schön zum Inhalt.

Die junge Rinnie führt ein ganz normales Teenagerleben. Zumindest bis sie eines Tages mal wieder ihre beste Freundin aufheitern muss. Kurzerhand schnappt sich Rinnie eine Plane, auf der sie eine gepfefferte Botschaft schreibt. Doch dann taucht auf einmal ein Reiter auf. Die Plane flattert, das Pferd scheut und der Junge fällt vom Pferd, mitten auf einem Stein. Während Rinnie völlig außer sich und gar nicht so recht weiß was sie machen soll, ist ihre Freundin spurlos verschwunden. Später erfährt der Teenanger, dass der Reiter im Krankenhaus liegt und vermutlich nie wieder laufen kann. Rinnie gibt sich die Schuld – und versucht alles, geheim zu halten, dass ihre Plane der Auslöser für den Unfall war. Dabei verstrickt sie sich immer mehr in Lügen, welche schon bald ihren Alltag bestimmen. Zu allem Überfluss verliebt Rinnie sich auch noch …

Die Geschichte ist spannend geschrieben und ich konnte gar nicht anders, als mich immer wieder zu fragen, ob ich anders gehandelt hätte. Das empfohlene Lesealter liegt bei 14 – 17 Jahren. Das finde ich durchaus angemessen, denn in diesem Alter können sich die LeserInnen am besten mit Rinnie identifizieren.

Ein schöner locker-flockiger Schreibstil im Jugendjargon. Die Geschichte ist gut zu verstehen und hat einen sehr hohen Lerngehalt.

~°~ Fazit ~°~

„Wahrheit schmeckt wie Mokkatorte“ ist nicht nur ein spannender Roman, sondern eine gute Möglichkeit sich mit sich selbst –  und seiner Ehrlichkeit – auseinanderzusetzen.

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Träumst du noch? [Rezension – Jugendfantasy]

Endlich bin ich auch mal in den Genuss gekommen eines meiner Wunschbücher zu lesen, welches allerdings schon etwas älter ist. Ich muss schon sagen: Ich hatte etwas verpasst. 😉

~°~ Das Buch ~°~

Melanie Stoll

Greifbar

208 Seiten

Amrun [15.04.2014]

ISBN 9783944729459

~°~ Klappentext ~°~

Sie kennt ihn nicht. Er würde sein Leben für sie geben. Nacht für Nacht durchlebt die siebzehnjährige Dorey einen Traum, den sie sich nicht erklären kann. Geheimnisvoll, mysteriös – so wie Julian, der eine Verbindung zu ihr zu haben scheint. Als sie erkennt, dass beides zusammenhängt, eröffnet sich ihr eine Welt voller Geheimnisse und Gefahren. Sie erlebt Dinge, die sie nie für möglich gehalten hätte und die Doreys Leben für immer verändern werden.

~°~ Eindrücke/ Meinungen ~°~

Die Geschichte ist ein wunderbares Cover verpackt. Stonehenge bei Nacht für das Mystische, sowie Federn für die Träume stimmen bereits sehr schön auf den Inhalt ein. Mir gefällt das Cover richtig gut.

Nacht für Nacht ereilt Dorey genau derselbe Traum. Sie kann sich nicht erklären warum oder was dieser bedeuten soll. Mehr durch Zufall lernt sie Julian kennen – und ab da steht ihr Leben plötzlich Kopf. Alles beginnt mit einem Raben, der auf ihrem Balkon sitzt und sie förmlich anstarrt. Wie sich schnell herausstellt handelt es sich tatsächlich um einen äußerst „komischen Vogel“, um nicht zu sagen, um jemanden den sie sogar kennt. Aber würde sie sich nicht erinnern, wenn sie wirklich einen Jungen kennen würde, der sich in ein Tier verwandeln kann? Nach und nach erfährt Dorey die Wahrheit. Wie es scheint hatte sie bereits ein Leben. Doch was „damals“ wirklich passiert ist, darüber schweigen sich die neuen alten Bekannten gemeinsam aus. Doch als merkwürdige angsteinflößende Schatten auftauchen erfährt Dorey die Wahrheit. Eine Wahrheit die so unglaublich ist, dass sie beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln …

Eine tolle – und wirklich mal etwas andere – Geschichte. Anfangs bleiben einige Fragen offen, doch je weiter der Leser vorankommt, desto mehr laufen die Handlungsstränge zusammen.

Melanie Stoll hat einen schönen, leicht ausschmückenden Schreibstil, dennoch schafft sie es viele bildliche Beschreibungen unterzubringen, so dass das Lesen wirklich ein Vergnügen war.

~°~ Fazit ~°~

Eine wunderbare spannende Geschichte zum Träumen.

Moderne vs. Sicherheit [Rezension – Thriller]

~°~ Das Buch ~°~

JP Delaney

The Girl Before

400 Seiten

Penguin [25.04.2017]

ISBN 9783328100997

~°~ Klappentext ~°~

Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt. Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut den gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr.

~°~ Eindrücke/ Meinungen ~°~

Bereits der Einband verströmt eine tolle Mischung aus kalter Moderner und wirkt spannungsgeladen. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Wohnhaus, gerade, strukturiert und voller Regeln verströmt es den Charme eines überdimensionalen Kühlschranks – und ist dennoch so beliebt, dass viele darin wohnen möchten. Doch, um in diesem Haus wohnen zu dürfen, muss erst einmal der Vermieter, welcher gleichzeitig der Architekt ist, überzeugt werden. Dazu müssen Bewerber unter anderem einen über 200 Frage langen Fragebogen ausfüllen. Enthalten sind so Fragen wie z.B.: „Eine nahestehende Person berichtet dir im Vertrauen, sie habe im betrunkenen Zustand jemanden überfahren, deshalb habe sie endgültig mit dem Trinken aufgehört. Fühlst du dich verpflichtet, das bei der Polizei anzuzeigen? O Ja O Nein“. – Einige dieser Frage sind am Anfang der Kapitel abgedruckt, was dazu führt, dass man sich als Leser zwangsläufig selbst dazu verleitet fühlt, sich mit dieser auseinanderzusetzen und für sich selbst zu beantworten. Das war ein nettes Goodie. (Es wäre toll gewesen, wenn der Fragebogen am Ende mit abgedruckt gewesen wäre. Aber wer weiß, vielleicht gibt es den ja irgendwann einmal als separates Buch. ;-))

Nach einem Überfall in ihrer Wohnung wünscht sich Jane einen Neuanfang. Zusammen mit ihrem Freund begibt sich auf die Suche nach etwas Passendem, was bei ihrem geringen Budget und den dafür hohen Ansprüchen alles andere als einfach erscheint. Doch dann bekommt sie ein Haus in einem Londoner Stadtteil angeboten, dass ganz anders ist als alles bisher Gesehene. Nicht nur von der Optik, sondern auch und besonders vom Sicherheitsempfinden her. Es gibt keinen Zweifel, Jane will dieses Haus. Mit größter Sorgfalt und vor allen Dingen Ehrlichkeit beantwortet sie jede noch so kuriose Frage des Vermieters – und bekommt den Mietvertrag. Dass zuvor bereits eine Frau in diesen Räumlichkeiten gestorben ist, welche auch noch große Ähnlichkeit mit ihr hatte, stört sie nicht. Nach und nach bemerkt Jane wie sie sich verändert – und auch das ihr neues Haus alles andere zu sein scheint, als eben nur eine Wohnunterkunft. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr fürchtet sich die Frau in dem Betonklotz. War der Tod der Vormieterin etwa doch kein Unfall? Jane beginnt Nachforschungen anzustellen und gerät dabei in große Gefahr …

Die Geschichte in sehr modern und bietet gute Einblicke in die Welt der Technik und des „Smart Home“. Vor- und Nachteile werden deutlich, alleine an Hand der Nutzung durch die Protagonisten. Nach der Lektüre bekommt man als Leser einen ganz anderen Blick auf die Nutzung seiner (personenbezogenen) Daten.

Ein packender Schreibstil rundet die ohnehin spannende Geschichte ab.

~°~ Fazit ~°~

Mir hat „The girl before“ wirklich sehr gut gefallen. Nicht nur das die Handlung an sich für ein Buch (fast) etwas Neues ist, auch der Schreibstil hat mich gepackt. Nicht zuletzt äußerst positiv hat mich überrascht, die Auflösung, denn der Täter war … – jemand den ich nicht vermutet hatte. Volle Sternchen am Rezensionshimmel für diesen modernen Thriller und eine eindeutige Leseempfehlung für alle Spannungsliebhaber.

Über den Dächern … [Rezension – Jugendbuch]

Kürzlich habe ich euch zur Einstimmung bereits ein Video präsentiert. Der/ die Eine oder Andere hat vielleicht erraten welches Buch ich euch vorstellen möchte. Es ist ein atem(be)raubender Roman für ältere Jugendliche (aber auch junge Erwachsene oder eben alle die sich für das Thema interessieren.)

~°~ Das Buch ~°~

Jutta Wilke

Roofer

Coppenrath [01.06.2017]

ISBN 9783649615095

 

~°~ Klappentext ~°~

Hoch oben auf den Dächern gehört die Stadt dir! Hier oben bist du absolut frei. Hier oben kannst du alles verlieren. Alice sucht nach Halt in ihrem Leben, sie will mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen. Doch als sie Nik und seine Clique kennenlernt, ist plötzlich alles anders. Denn Nik ist ein Roofer und klettert auf die höchsten Gebäude und Baugerüste der Stadt – gefährlicher Wahnsinn oder genau die Art von wilder Freiheit, die Alice insgeheim fehlt? Alice und ihre beste Freundin tauchen immer tiefer ein in die Welt der Roofer – bis eine Mutprobe alles infrage stellt: Muss man für die Liebe wirklich jede Grenze überschreiten?

~°~ Eindrücke/ Meinungen ~°~

Bereits das Cover ist ansprechend und zeigt die urbane Welt Frankfurts. Hier, in luftigen Höhen, klettern sie, die Roofer. Vollkommen ungesichert. Einzig und allein um den „Kick“ zu bekommen – und Anerkennung, denn fast immer filmen sie sich gegenseitig und laden diese Videos im Internet hoch. Was in Russland toleriert wird, ist in Deutschland verboten, denn oft begehen die Jugendlichen Hausfriedensbruch, wenn sie sich auf Baukränen oder Stahlgerüsten rumtreiben. Einer von ihnen ist Trash. Der junge Mann konkurriert mit einem anderen Roofer. Jeder will besser sein als der andere. Das bedeutet nicht nur mehr Höhe, sondern auch mehr Risiko.

Alice, deren Mutter von ihrem neuen Mann immer wieder betrogen wird, gerät durch ihre beste Freundin Nasti an diese Gruppe. Nasti ist bis über beide Ohren in Trasher verliebt. Und dann fordert er sie auf, ihm ihre Liebe zu beweisen. Zusammen mit dem Roofer soll Nasti auf einem Stahlträger balancieren. Völlig ungesichert …

Die Charaktere werden sehr authentisch beschrieben, die Gefühle werden gut transportiert. Richtig gut haben mir die ganzen Facetten gefallen. So gibt es nicht nur die Roofer, die sich nach Freiheit und Anerkennung sehnen, sondern auch eine Anspielung auf Vorurteile gegen Obdachlose und farbige Mitbürger.

Der Verlag empfiehlt hier ein Lesealter von 14-17 Jahren. Ich finde das sehr angemessen. Für jüngere Leser passiert hier einfach zu viel Schockierendes.

~°~ Fazit ~°~

Mir hat „Roofer“ sehr gut gefallen. Dieser Roman bietet nicht nur viel Spannung, sondern auch politischen Hintergrund. Das wohl Wichtigste aber: Es hat einen hohen Lerngehalt. So lehrt es sehr anschaulich das „echte Liebe“ keinen Beweis braucht, Vorurteile meist völlig unbegründet sind und der Wunsch nach Anerkennung nicht jedes Risiko wert ist.

Zuckersüß [Rezension Jugendliebesroman / Ferienlektüre]

Heute möchte ich euch einen Jugendroman vorstellen, der Mädchen träumen und Frauen in Erinnerungen schwelgen lässt. – Und mir, ganz nebenbei, dabei half, einen meiner Jahresvorsätze zu erfüllen. 😉

~°~ Das Buch ~°~

Nora Miedler

Zuckerwatteträume

248 Seiten

Arena [01.03.2017]

ISBN 9783401603414

Erhältlich als E-Book und Gebundene Ausgabe

~°~ Klappentext ~°~

Alis Leben ist vorbei. Eindeutig vorbei. Nach einem peinlichen Liebesgeständnis vor der ganzen Schule, bleibt der 15-Jährigen nur die Flucht. Zum Glück sind Ferien und Ali findet Asyl als Animateurin in Tante Idas Freizeitpark. In der Geisterbahn und beim Bullenreiten ist sie sicher: vor ihrem Schwarm Ben und all den anderen Typen, die sie immer wieder in peinliche Situationen bringen. Doch als Ali plötzlich im Goofy-Kostüm* vor Louis aus dem Dracula-Schloss steht, muss sie sich entscheiden: Für ein Leben ohne Fettnäpfchen oder eins voller Liebe.

*Kleiner Fehler des Verlages: Es müsste Plutokostüm heißen. 😉

~°~ Eindrücke/ Meinungen ~°~

Das Cover zeigt ein Mädchen – ich nehme an es soll Ali darstellen – mit einer riesigen rosa Zuckerwatte in der Hand. Umgeben ist sie von Konfetti und Sternchen. Alles in einer schönen Farbkombination aus Pastelltöten. Herrlich bunt, herrlich (mädchenhaft) süß.

Ali hat so ziemlich alles: Viele Kurven, ständige Angst und ein Talent dazu in Fettnäpfchen zu treten. Wie könnte es anderes sein, als das sie die große Theateraufführung der Schule dazu nutzt, ihren Schwarm Ben vor der ganzen Schule (samt Eltern) zu blamieren? Da sie kein Strauß ist, kann sie den Kopf nicht in den Sand stecken, aber weglaufen geht dafür, denn die Sommerferien stehen vor der Tür. Wie gut, dass Tante Ida in ihrem Freizeitpark unbedingt Hilfe benötigt und ihre Nichte dort für einige Wochen jobben kann.

Allerdings muss Ali schnell lernen, dass Weglaufen nicht viel bringt, denn auch an anderen Orten lässt es sich herrlich in Fettnäpfchen treten – sogar in noch viel Größere! Kaum zu glauben WIE VIEL man verkehrt machen kann, wenn man versucht alles richtig zu machen. Die 15jährige ist der beste Beweis, doch auch eine Tintenfischmaske, ein Hundekostüm und die Liebe zum Kulinarischen können manchmal zu Veränderungen führen, ganz anders als erwartet – und mit einer guten Portion Ironie des Schicksals.

Wunderbar ist der Schreibstil aus einer Mischung aus Tagebucheintrag und Roman. Als Leserin hat man immer das Gefühl etwas verbotenes zu tun, was es noch viel spannender macht. Dadurch, dass auch viel wörtliche Rede verwendet wird, wird es nicht langweilig.

Ich würde mal sagen, das „richtige“ Alter ist hier Teenageralter. Beim Lesen fühlte ich mich in die Zeit der „großen Liebe“, bei der es schon ein Weltuntergang war, wenn der Schwarm nur eine Andere angesehen hat. – Herrlich erfrischend daher auch im Erwachsenenalter. 😉

Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, da sie besonders die ganzen Facetten des (ersten) Verliebt seins zeigt – und natürlich auch die Sicht der Erwachsenen. Ali ist eben ein typischer Teenager: etwas rundlich, überängstlich,  geht gerne von einem Extrem ins andere und hat eine unstillbare Lust auf Süßes. Mir war sie bereits von Anfang an super sympathisch und ich habe förmlich mit ihr gelitten. (Besonders als sie Bauchschmerzen vom vielen Süßkram bekommen hat, weil ich natürlich solidarisch geholfen habe. ;)) Zuckersüßer Liebesroman.

 

Was von uns gehen will, muß vorher zu uns gekommen sein

~°~ Das Buch ~°~

Ruth Hogan

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

320 Seiten

List Verlag [19.05.2017]

ISBN 9783471351475

Erhältlich als E-Book / Gebundene Ausgabe / Hörbuch-Download / Audio-CD

~°~ Klappentext ~°~

Vor vierzig Jahren hat Anthony das Liebespfand seiner Verlobten verloren. Am selben Tag ist Therese bei einem Unfall gestorben. Seitdem sucht Anthony Trost in den Dingen, die er auf der Straße findet. Sorgfältig archiviert er die Fundstücke in seinem behaglichen viktorianischen Haus. Zu jedem Gegenstand vermerkt er, wann und wo er ihn gefunden hat. Und zu einzelnen schreibt er kurze Erzählungen, die das Besondere in den verlorenen Dingen schildern.

Sein großes Ziel ist es, die Besitzer ausfindig zu machen und ihnen alles zurückzugeben. Vielleicht hat jemand für ihn Thereses Liebespfand aufgehoben? Doch diese große Aufgabe muss er an Laura übergeben. Seine junge Assistentin, der er mehr zutraut als sie sich selbst. Anthonys Testament zieht für Laura eine Reihe äußerst unerwarteter Begegnungen nach sich. Denn auch sie möchte etwas finden…

Wir warten alle darauf, gefunden zu werden…

Auch Anthony Peardew, der auf seinen Streifzügen durch die Stadt Verlorenes aufsammelt. Jeden Gegenstand bewahrt er sorgfältig zu Hause auf. Er hofft, so ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einlösen zu können. Doch ihm läuft die Zeit davon. Laura übernimmt sein Erbe, ohne zu ahnen, auf welch große Aufgabe sie sich einlässt. Überrascht erkennt sie, welche Welt sich ihr in Anthonys Haus eröffnet.

Ein Roman über verlorene Dinge und zweite Chancen. Über einzelne Handschuhe, schönes Teegeschirr, begabte Nachbarinnen, unerwartete Freundschaften und zeitlose Liebe.

~°~ Eindrücke/ Meinungen ~°~

~ Cover ~

Mir hat das, doch recht schlichte, Cover so gut gefallen, dass ich es alleine deswegen schon unbedingt lesen wollte. Im Laufe des Romans wird klar, dass die dort abgebildete Taschenuhr ein wenig mehr ist, als nur ein Zeitmesser.

Die Farbzustellung passt toll und wirkt ruhig und ein wenig altertümlich. Da die Geschichte in der Vergangenheit spielt, durchaus passend.

~ Geschichte ~

Anthony Peardew sammelt verlorene Dinge. Dabei nicht nur etwas bestimmtes, sondern wirklich ALLES. Sei es ein Haargummi, ein Regenschirm oder eine Keksdose mit der Asche eines Toten. Anthony ist sich sicher, dass irgendjemand über den Verlust der einzelnen Gegenstände trauert, denn oft hat selbst das kleinste verlorene Stück für den Verlierer eine große Bedeutung. Klar, dass er daher all diese Dinge zurückgeben und Menschen glücklich machen möchte.

Da Mr. Peradew bereits ein wenig betagter ist, braucht der Autor Unterstützung im Haushalt. So findet Laura zu ihm. Die Mitdreißigerin ohne Ausbildung hat eine enttäuschende Ehe hinter sich und fühlt sich in dem Haus wundervoll geborgen. Im Laufe der Jahre werden die beiden Freunde. Doch eines Tages ist es soweit und Anthony weiß, dass er gehen muss. Er hinterlässt Laura das Haus, samt Inhalt. Allerdings hat der Autor noch einen letzten Wunsch: Wenigstens ein Mensch soll mit einem der gefundenen Gegenstände glücklich gemacht werden, indem er diesen zurückbekommt. Eine Mammutaufgabe der Laura sich anfangs eher wiederwillig stellt. Doch bald bekommt sie Unterstützung von dem Gärtner, sowie Sunshine, einer jungen Frau, die an dem Downsyndrom leidet. Gerade diese Unterstützung macht es nicht unbedingt einfach die Aufgabe zu bewältigen. Vor allen nicht, als es plötzlich auch noch anfängt zu spucken!

Parallel zu der Geschichte um Laura erfährt der Leser etwas über Eunice und dem Verleger Bomber. Anfangs durchaus ein wenig wirr und schwer verständlich, was die eine nun mit der anderen Handlung zu tun hat. Am Ende laufen beide Geschichten jedoch zusammen und das sogar äußerst wunderbar.

~ Schreibstil ~

Ich empfinde den Schreibstil als angenehm. Er ist ein wenig der Zeit angepasst, aber leicht verständlich und lässt sich flüssig lesen. Die Zeilen sind ausschmückend, aber nicht zu sehr, als das es von der eigentlichen Geschichte ablenkt. Die Autorin hat hier besonderes Fingerspitzengefühl bei Sunshine bewiesen, denn ihr Downsyndrom sorgt für Schmunzler, ohne aber die Krankheit ins lächerliche zu ziehen.

~°~ Fazit ~°~

Da der Leser bereits die Geschichte von Eunice kennt, möchte man Laura am liebsten rütteln und ihr sagen, was Sache ist. Da das nicht geht, bleibt nur, immer mal wieder über ein wenig Begriffsstutzigkeit zu schmunzeln. Der schöne und leicht ausschmückende Schreibstil voll bildlicher Beschreibung bietet einen zusätzlichen Lesegenuss. Für alle die eine zeitlose Geschichte voller Drama, Liebe und Mystery nicht abgeneigt sind, ein wirklich wundervolles Buch.

Falscher Verdacht [Rezension – Thriller]

~°~ Das Buch ~°~

Peter Gallert und Jörg Reiter

Glaube Liebe Tod

Ein Martin-Bauer-Krimi

416 Seiten

Ullstein [12.05.2017]

ISBN 9783548288918

Als Taschenbuch, E-Book und Hörbuch

~°~ Klappentext ~°~

Ein Polizist steht auf der Duisburger Rheinbrücke und will sich in die Tiefe stürzen. Der Seelsorger Martin Bauer soll ihn daran hindern. Er klettert einfach über das Geländer und springt selbst. Überrumpelt springt der Beamte hinterher, um Bauer zu retten. Gemeinsam können sie sich aus dem Wasser ziehen. Bauer hat hoch gepokert, aber gewonnen. Doch wenige Stunden später ist der Polizist tot, nach einem Sturz vom Deck eines Parkhauses. Ein klarer Fall von Selbstmord, gegen den Beamten wurde wegen Korruption ermittelt. Bauer weiß nicht, was er glauben soll. Und er sieht die Verzweiflung in der Familie des Toten. Auf der Suche nach der Wahrheit setzt er alles aufs Spiel …

~°~ Eindrücke/ Meinungen ~°~

~ Cover ~

Auf dem Titelbild ist ein Mann auf einer Brücke zu sehen. Wer den Klappentext liest erkennt schnell, dass der Mann dort nicht die Aussicht genießt. Ein durchaus passendes Motiv. Mir persönlich gefällt die Farbgebung jedoch gar nicht.

~ Geschichte ~

Martin Bauer ist Polizeiseelsorger. So kommt es das er einen Polizisten vor dem Sprung von einer Brücke bewahrt. Doch kurze Zeit später ist der Mann tot. Selbstmord, so heißt es. Bauer überkommen Selbstzweifel. Was hat er falsch gemacht? Dann kommt er ins Gespräch mit Kollegen von der Wache. Langsam keimt im Seelsorger der Verdacht, dass der Polizist gar keinen Selbstmord begangen hat. Alle Spuren führen, vorbei an korrupten Beamten, ins Rotlichmilieu …

Mit haben besonders die vielen bildlichen Beschreibungen, gemischt mit einer guten Portion gefallen. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl das sich Bauer selbst (als Theologe) nicht ganz so ernst nimmt. – Und zugegebener Maßen hat ihn das menschlich und nahbar gemacht. Mir gefällt er Protagonist, der auch mal unkonventionelle Dinge macht sehr gut. Da seine Rolle nun einmal den Polizeiseelsorger beinhaltet, bleibt es wohl nicht aus, dass es immer wieder religiöse Anspielungen und auch Bibelverse gibt. Diese sind jedoch in Maßen vorhanden und damit erträglich.

Der Handlungsaufbau ist spannend gestaltet. Die Geschichte beginnt schon direkt mit einem einschneiden Erlebnis.

~ Schreibstil [Buch] ~

Ein Höhepunkt jagt den Nächsten, so dass ich unbedingt wissen wollte wie es weitergeht. Keine schwierigen Wörter oder ellenlange Fußnoten, die mein Vorankommen gebremst hätten.

~ Sprecher [Hörbuch]~

Die rauchig dunkle Stimme auf des Sprechers ist super. Sie passt sehr gut zu den einzelnen Protagonisten, besonders aber – Oliver Siebeck möge mir verzeihen – ins Rotlichmilieu. Die Stimmlagen werden so verändert, dass ich teilweise das Gefühl hatte wirklich verschiedene Personen zu hören, Männlein wie Weiblein. Respekt. Es hat wirklich Spaß gemacht zuzuhören.

~°~ Fazit ~°~

Sowohl das geschriebene Buch, als auch das Hörbuch haben mich, mit der spannenden Geschichte, total in ihren Bann gezogen. Wer sich nun fragt, ob er/ sie lieber zum Geschrieben oder zum Gesprochenen greifen soll, dem kann ich die Entscheidung leider nicht abnehmen, denn beide stehen sich in Nichts nach.

~ Reihe ~

Glaube Liebe Tod [Band 1]